«Sommer auf Asphalt»: Fiasko auf Rädern

Les und ihr Vater Bert in einer Szene aus dem Film «Sommer auf Asphalt», der Anfang Juni in die Kinos kommt. Foto: Frizzi Kurkhaus/Wüste Medien/dpa
Les und ihr Vater Bert in einer Szene aus dem Film «Sommer auf Asphalt», der Anfang Juni in die Kinos kommt. Foto: Frizzi Kurkhaus/Wüste Medien/dpa

BERLIN: Ein plötzlich auftauchender Vater, eine ungewollte Schwangerschaft: «Sommer auf Asphalt» erzählt eine Vater-Tochter-Beziehung - prominent besetzt mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst.

Les arbeitet als Fahrradkurierin in einem schnellen, chaotischen Alltag. Sie lebt spontan, ohne große Pläne für die Zukunft. Ihr Leben gerät aus dem Takt, als plötzlich ihr Vater Bert vor der Tür steht, von dem sie lange nichts mehr gehört hat. Offiziell behauptet er, er mache nur Urlaub. Tatsächlich verbirgt er jedoch eine schwere Wahrheit: Er hat einen Gehirntumor.

In «Sommer auf Asphalt» erzählt Simon Ostermann («Oh Hell») eine Vater-Tochter-Geschichte im Spannungsfeld von Vergangenheit, Verantwortung und plötzlicher Veränderung - und entscheidet sich für Zurückhaltung statt großer Gesten. Der Film ist prominent besetzt mit Mala Emde und Christoph Maria Herbst.

Fiasko auf Rädern

Tagsüber rast Les (Mala Emde) durch die Stadt, abends hängt sie mit ihren Freunden und Freundinnen vom Fahrradkurier-Kollektiv «Pedalpilot» ab, einer anarchisch wirkenden Gemeinschaft mit eigenen Regeln, Humor und Codes. Widerwillig, aber pragmatisch bietet sie ihrem Vater (Christoph Maria Herbst) ein paar Tage Unterkunft an.

Doch kaum angekommen, beginnt Bert sofort, sich einzumischen - er repariert Dinge im Haushalt und versucht, Ordnung zu schaffen. Genervt von seiner Präsenz stürzt sie sich auf ihr Rennrad, wo es zu einem Unfall kommt: Sie kollidiert mit einem Auto und landet im Krankenhaus.

Wenn das Privatleben aus den Fugen gerät

Damit fällt sie als Fahrradkurierin aus. Um ihr Kollektiv nicht im Stich zu lassen, übernimmt überraschend ihr Vater ihre Touren. Zunächst überfordert von Tempo und körperlicher Anstrengung, wächst Bert langsam in die neue Aufgabe hinein und wird zunehmend in die skurrile Gemeinschaft der Kuriere integriert.

Währenddessen gerät auch Les' Privatleben aus den Fugen: Sie ist ungewollt schwanger - der Vater ist ihr Kollege Tyler (Aaron Hilmer), der die Nachricht mit jugendlicher Leichtigkeit aufnimmt und sofort von «cooler Elternschaft» und einem «Bike-Baby»spricht.

Les selbst kann mit dieser Vorstellung wenig anfangen und ringt mit der Frage, ob sie überhaupt bereit ist, Mutter zu werden. Les beschreibt sich selbst als jemanden, der sich überwiegend zu Frauen hingezogen fühlt - auch deshalb begegnet sie ihrer Schwangerschaft mit Distanz.

Leise Begegnungen statt großer Emotionen

Ostermann gelingt es nur bedingt, aus dieser Konstellation eine emotional oder komödiantisch zugespitzte Familiengeschichte zu entwickeln. Die Figuren bewegen sich zwar aufeinander zu, doch auffallend leise und zurückhaltend.

Die Annäherung zwischen Les und ihrem Vater vollzieht sich in kleinen, unspektakulären Schritten. Bert bleibt durchgehend kontrolliert. Selbst in Momenten, die eigentlich nach Bruch oder emotionalem Ausbruch verlangen würden, hält er seine Fassade aufrecht. Erst gegen Ende zeigt sich eine leichte Verschiebung - in Form eines trockenen, fast makabren Humors, der ihm eine minimale Entwicklung verleiht.

Auch im Zusammenspiel von Herbst («Der Wixxer») und Emde («Köln 75») bleibt die Dynamik zurückhaltend: Weder emotionale Reibung noch komödiantische Energie entfalten sich wirklich.

Die Begegnung mit der Mutter bleibt ebenfalls eher angedeutet als ausgearbeitet. Les' Reaktion auf ihren Namen ist körperlich-abweisend, beinahe reflexhaft. Zwar deutet der Film Konflikte zwischen Karriere, Abwesenheit und familiärer Verantwortung an, doch auch hier bleibt er im Vagen.

Zwischen Leichtigkeit und Fremdheit

«Sommer auf Asphalt» ist ein leiser, beobachtender Film, der seine Figuren eher begleitet als große dramatische oder komische Momente zu suchen. Die Ausgangskonstellation einer zerbrechenden und zugleich neu entstehenden Familienbeziehung ist klar angelegt und in vielen Momenten glaubwürdig entwickelt.

Der Film verzichtet weitgehend auf kathartische oder lustige Zuspitzungen. Für humorvolle Atmosphäre sorgt das Fahrradkurier-Kollektiv mit seinen «Underground»-Figuren und deren teilweise derbem, eigentümlichem Dialogstil.

Komische Elemente entstehen vor allem über die Figur Tyler. Seine naive Begeisterung und entwaffnende Direktheit setzen einen deutlichen Kontrast zur emotionalen Zurückhaltung der übrigen Figuren, etwa in der Szene, in der er Bert ernsthaft mustert und meint, seine Tochter hätte «dieselben Wimpern».

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