NEU-DELHI: Die «Kakerlaken-Partei» sorgt in Indien für Aufsehen: Ihr prominenter Unterstützer Sonam Wangchuk wird nach seinem Hungerstreik von der Polizei abgeführt.
Die indische Polizei hat den prominenten Aktivisten Sonam Wangchuk nach gut drei Wochen Hungerstreik in Neu-Delhi gegen seinen Willen in ein Krankenhaus gebracht. Bilder indischer TV-Sender zeigten, wie Dutzende Polizisten in Zivilkleidung den 59-Jährigen von seinem Matratzenlager in der Hauptstadt wegtrugen. Auf einem oft für Demonstrationen genutzten Ort im Zentrum der Stadt forderten Wangchuk und andere Protestteilnehmer unter anderem den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan.
Die Polizei griff nach eigenen Angaben auf Raten von Ärzten ein, wonach Wangchuk schwach sei und Anzeichen eines Flüssigkeitsverlusts zeige. Einige Protesteilnehmer hätten das Vorgehen der Polizei verhindern wollen und es sei zu einem kurzen Tumult gekommen, hieß es.
Kakerlaken-Partei prangert Bildungssystem an
Mit seinem Hungerstreik solidarisierte sich Wangchuk mit der Bewegung junger Menschen, die sich unter dem Namen «The Cockroach Janta Party» (Kakerlaken Janta Partei/CJP) vereinigt haben und seitdem großes Aufsehen im Land erregen. Die CJP macht sich unter anderem für eine Reform des Bildungssystems im bevölkerungsreichsten Land der Erde stark. Der Parteigründer Abhijeet Dipke kündigt in den sozialen Medien an, jetzt ebenfalls in einen «unbefristeten Hungerstreik» zu treten.
Wangchunk selbst bezeichnet sich als Ingenieur, der zum Bildungsreformer wurde. Auch als Umweltschützer ist er über seine Heimat hinaus bekannt. Wangchuks Frau Gitanjali Angmo erklärte auf X, ihm solle im Krankenhaus nichts ohne ihre Zustimmung verabreicht werden, weder oral noch per Infusion.
Skandal um Leak von Prüfungsfragen
Die CJP wurde im Mai gegründet, nachdem ein Oberster Richter des Landes erwerbslose junge Menschen als «Kakerlaken» bezeichnet hatte. Innerhalb weniger Tage gewann sie auf Instagram mehr als 21 Millionen Follower. Die CJP beschreibt sich als «satirische politische Bewegung». Sie organisiert sich vor allem im Internet, eine Parteizentrale gibt es nicht.
Später rief sie auch zu Straßenprotesten in Neu-Delhi und anderen Städten auf. Die Teilnehmer fordern unter anderem vom aktuellen Bildungsminister, dass er die Verantwortung in einem Skandal um mutmaßlich vorher durchgesickerte Fragen einer Aufnahmeprüfung für Medizinstudiengänge übernimmt. Am Montag wollen sie ihren Protest mit einem Marsch zum Parlament in Neu-Delhi fortsetzen.