MONTEVIDEO: In Südamerika gilt Uruguay als Hort der Stabilität. Der neue Staatschef will in seiner fünfjährigen Amtszeit die Armut bekämpfen. Zu seiner Vereidigung kommt auch Bundespräsident Steinmeier.
Der neue uruguayische Präsident Yamandú Orsi hat die Regierungsgeschäfte übernommen. Der Linkspolitiker legte im Parlament des südamerikanischen Landes den Amtseid ab. Neben dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, dem kolumbianischen Staatschef Gustavo Petro, dem chilenischen Präsidenten Gabriel Boric und dem spanischen König Felipe VI. nahm auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an der Zeremonie teil.
Steinmeier nutzte die Teilnahme zahlreicher lateinamerikanischer Staats- und Regierungschefs auch für bilaterale Gespräche. Unter anderem traf er den brasilianischen Präsidenten Lula.
Steinmeier würdigt stabile Demokratie in Uruguay
Steinmeier traf am Tag nach der Amtseinführung mit Orsi zu einem Gespräch zusammen. «Wir schätzen Ihr Land, weil wir wissen, dass Uruguay als kleines Land Großes leistet», sagte Steinmeier in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orsi. Während in vielen Ländern die Demokratie von nationalistischen oder extremistischen Kräften angefochten werde, stünden die Menschen in Uruguay mit großer Überzeugung zu ihr.
Das habe auch der Amtswechsel gezeigt. Steinmeier sprach von einem «Fest der Demokratie» und betonte: «Uruguay ist für uns in Deutschland ein besonders verlässlicher Partner und sogar in ganz vielen Punkten auch ein Vorbild für die gesamte Region hier.» Steinmeier lud Orsi zu einem Besuch nach Deutschland ein.
Neuer Präsident von Anhängern umjubelt
Unter dem Jubel tausender Anhänger fuhr Orsi nach dem Ablegen des Amtseides zusammen mit Vizepräsidentin Carolina Cosse im offenen Wagen vom Parlament zum Unabhängigkeitsplatz. Dort nahm zum Zeichen der Amtsübergabe der bisherige Präsident Luis Alberto Lacalle Pou seine Schärpe ab und legte sie seinem Nachfolger Orsi um.
Uruguay gilt als demokratisches Musterland
Im von starker Polarisierung, politischer Gewalt und autoritären Tendenzen gezeichneten Lateinamerika gilt Uruguay mit seinen knapp 3,5 Millionen Einwohnern als demokratisches Musterland. Seit der Rückkehr zur Demokratie vor 40 Jahren wechseln sich Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Regierungen ab.
Die Inflation ist recht niedrig, die Reallöhne haben sich erholt und die Arbeitslosigkeit ist gering. Der frühere Lehrer Orsi will in seiner fünfjährigen Amtszeit die Armut zu bekämpfen. Gemeinsam mit Brasilien, Argentinien und Paraguay bildet Uruguay das südamerikanische Wirtschaftsbündnis Mercosur, das mit der Europäischen Union zuletzt ein Freihandelsabkommen ausgehandelt hat.