Mit Nasenspray gegen Corona? - Forschung steht erst ganz am Anfang

Foto: Pixabay/Thorsten Frenzel
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SAN FRANCISCO: Auf der Suche nach Corona-Medikamenten setzen US-Forscher auf per Nasenspray verabreichbare Nanopartikel. Die winzigen Teilchen sollen das Eindringen von Sars-CoV-2 in Körperzellen verhindern. Zwei deutsche Forscher sehen darin zwar ein interessantes Konzept, weisen aber auf das sehr frühe Forschungsstadium und viele offene Fragen hin. Rund um den Globus arbeiten Forscher an etlichen Corona-Mitteln, nur wenige sind schon auf dem Markt.

Die von den US-Wissenschaftlern untersuchten Nanobodys sind grob gesagt stark abgespeckte Antikörper. Ein Stoff mit der Bezeichnung mNb6-tri dockte im Laborversuch an spezielle Oberflächenstrukturen des Virus an. Er könne verhindern, dass der Erreger in Zellen eindringt, heißt es in einer noch nicht von Fachkollegen begutachteten Studie. Einer der Forschungsleiter ist Peter Walter von der University of California, San Francisco (UCSF), der auch Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ist.

Die Wissenschaftler hoffen laut einer UCSF-Mitteilung, dass sich aus den Nanobodys ein möglicherweise per Nasenspray verabreichbares Medikament entwickeln lässt, dass vor einer Infektion schützen oder im frühen Krankheitsstadium eingesetzt werden könnte. Die Experimente rund um die Nanopartikel stehen aber noch ganz am Anfang. Bislang wurde weder an Tieren noch an Menschen untersucht, ob das Mittel tatsächlich wirkt, ob es sicher ist und welche Nebenwirkungen es gibt. Dafür sind aufwendige und zeitintensive Tests nötig.

«Bevor dieser Ansatz verfügbar ist, ist die Pandemie vorbei», sagte Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena. Wenn geltende wissenschaftliche Standards eingehalten werden, dürfte es mindestens fünf Jahre bis zu einem möglichen Einsatz dauern, womöglich länger. Zudem schaffe es nur ein Bruchteil der im Labor erfolgreich getesteten Wirkstoffe überhaupt bis zur praktischen Anwendung.

Auch Roland Stauber, Nanopartikel-Experte an der Uniklinik Mainz, betont, dass es noch keine aussagekräftigen Studien beispielsweise an Tieren gibt. «Da trennt sich die Realität von interessanten Ansätzen.»

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