Lüneburger Bäcker-Idee

«Grönländer» statt «Amerikaner»

Jannik Harms von De Heidbäcker präsentiert die umbenannten «Grönländer», die sonst als «Amerikaner» verkauft werden. Foto: Philipp Schulze/dpa
Jannik Harms von De Heidbäcker präsentiert die umbenannten «Grönländer», die sonst als «Amerikaner» verkauft werden. Foto: Philipp Schulze/dpa

Lüneburg: Jedes Frühjahr kommt das runde Gebäck mit dem Zuckerguss in die Auslagen der Lüneburger Bäckerei-Filialen Harms, in diesem Jahr schien der Name einfach nicht mehr zu passen. So benannte die Bäckerei ihre «Amerikaner» kurzerhand in «Grönländer» um. «Wir verstehen das als tolle Werbung für das Handwerk und wollten die Chance nutzen», erzählt Jannik Harms, Geschäftsführer der De Heidbäcker GmbH. Vor dem Geschäft in der Hansestadt ist ein Aufsteller platziert, der für das Zuckerstück wirbt - mit dem Zusatz «Make cake not war» (deutsch etwa: Mach Kuchen, keinen Krieg).

«Meine Oma hat immer gesagt, eine Bäckerei ist ein Ort des Lebens», erzählt Harms, der den Betrieb in der fünften Generation mit seiner Frau Lisa führt. «Und Politik spielt eine große Rolle im Leben.» Er will die Aktion mit einem Augenzwinkern verstehen. Wer am Tresen einen «Amerikaner» bestelle, bekomme den auch - nur auf dem Bon stehe eben «Grönländer». 

Positive Resonanz über Lüneburg hinaus

Von der deutschlandweiten Resonanz ist Harms überrascht: «Das freut uns natürlich und ist sehr positiv.» Gerade erreichte ihn eine Mail einer Frau aus Prag, die von der Idee im Netz erfuhr und ihre Anerkennung ausdrückte.

Auch bei den Kunden kommt die Umbenennung durchweg gut an. «Es ist originell», sagt Henning Willner bei einem Stück Kuchen. «Das sind Themen, die uns angehen.» Die Aktion trage zur Solidarität mit Dänemark und Europa bei, meint der Lüneburger. Eine Grundschullehrerin hat das Werbeschild auf dem Tresen gerade erst entdeckt: «Das finde ich richtig cool.»

Wie der «Amerikaner» zu seinem ursprünglichen Namen kam, ist nicht ganz geklärt. Eine Möglichkeit: Das hinzugefügte Backtriebmittel besteht hauptsächlich aus Ammoniumhydrogencarbonat - kurz Ami genannt. «Es heißt auch, dass die runde Form einem Soldatenhelm nachempfunden ist», meint Harms. 

Ein paar Wochen soll das Gebäck in den Filialen noch verkauft werden, dann erst wieder im Herbst. Aber so lange nicht sicher ist, dass die USA und Präsident Donald Trump ihre Übernahme-Pläne von Grönland nicht aufgeben, will Harms bei dem neuen Namen bleiben. Zumal es den Absatz gesteigert hat.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Norbert Schettler 20.02.26 17:00
Thomas
Wenn "die Dinger" ganz frisch waren und der Zuckerguss schön dick und säuerlich, dann fand ich die recht gut. Mit einer Tasse Milch dazu sogar essbar. Und sie waren für kleines Geld zu haben, da hat Mutter öfter mal welche mitgebracht.
Thomas Sylten 20.02.26 16:10
So einem "Grönländer" hätte ich auch glatt noch mal ne Chance gegeben - obwohl ich "Amerikaner" seit meiner Kindheit wg. ihrer trockenen Konsistenz nicht gemocht habe.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.