Löw zehn Monate ohne Länderspiel

Archivfoto: epa/Sascha Steinbach
Archivfoto: epa/Sascha Steinbach

MÜNCHEN: Sechs Länderspiele - so wenige waren es noch nie in Joachim Löws Amtszeit als Bundestrainer. Die Corona-Krise beendet vorzeitig die Saison der Nationalelf. Kimmich war der Dauerbrenner, Gnabry der Top-Torjäger. Für den Herbst ist eine Ausnahmeregelung im Gespräch.

Eigentlich hat Joachim Löw in seinen 14 Jahren als Fußball-Bundestrainer schon alles erlebt - aber das ist auch für ihn Neuland: An die vier Monate lange Winterpause der Nationalmannschaft schließt sich wegen der Corona-Pandemie nahtlos eine noch längere Sommerpause an. Die Saison 2019/20 ist für die DFB-Auswahl schon jetzt beendet - und das nach gerade einmal sechs Länderspielen!

Eigentlich hätte Löw gerade die arbeitsreichsten Wochen des Jahres vor sich. Der 60-Jährige würde in diesen Tagen mit seinem engsten Trainerstab die Eindrücke der beiden Länderspiel-Klassiker gegen Spanien und Italien auswerten, die ihm als letzte Sichtung vor der Bekanntgabe des vorläufigen EM-Kaders dienen sollten. Doch das weltweit grassierende Virus hat Löws Sommerpläne durchkreuzt.

«Wir hätten die Testspiele vor dem Turnier sinnvoll genützt. Wir hatten Strategien entwickelt, wir hatten gute Lösungen parat für diese EM», hatte Löw gesagt, als die UEFA Mitte März die EM-Endrunde in den Sommer 2021 verlegte. In dieser Woche wurden dann die in den Juni verlegten März-Länderspiele auch «bis auf Weiteres» verschoben.

Für Löw heißt das: Er kommt aus der Dauer-Warteschleife nicht raus. «Klar ist, dass in der Spielzeit 2019/20 keine Länderspiele mehr stattfinden werden», sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius der Deutschen Presse-Agentur. Der letzte Auftritt der Nationalelf, ein 6:1 gegen Nordirland am 19. November 2019 in Frankfurt - ist fast schon in Vergessenheit geraten. Das nächste Länderspiel ist nun erst für den 3. September in der Nations League gegen Spanien terminiert.

Löw muss damit schon Anfang April Bilanz ziehen für die Spielzeit mit den wenigsten Länderspielen in seiner Amtszeit; statt sechs hätten es mindestens 13 werden sollen - und bei optimalem EM-Verlauf sogar 17.

Die wichtigsten Fakten: Es gab vier Siege, ein Remis und eine Niederlage (2:4 gegen die Niederlande). Löw setzte 25 Akteure ein, darunter die Debütanten Robin Koch, Luca Waldschmidt, Nadiem Amiri, Suat Serdar und Niklas Stark. Joshua Kimmich stand als Einziger die kompletten 540 Länderspielminuten auf dem Platz. Sein Bayern-Kollege Serge Gnabry war mit sechs Treffern der Top-Torjäger. «Trotz des Umbruchs haben wir es geschafft, eine gut funktionierende Mannschaft in diesem Jahr zu haben und zu entwickeln», resümierte Löw stolz.

Für den geplatzten Jahresauftakt gegen Spanien und Italien wollte Löw erstmals Robin Gosens von Atalanta Bergamo nominieren. Der 25 Jahre alte Außenverteidiger, der bis zum Corona-Stopp mit dem italienischen Erstligisten in der Champions League für Furore gesorgt hatte, hätte also noch auf den EM-Zug aufspringen können. «Gerne hätten wir ihn persönlich kennengelernt», sagte Löw dem «Kicker». Und versprach: «Wir behalten ihn im Auge, sobald der Ball wieder rollt.»

Löw hofft, dass das möglichst rasch geschehen wird. «Wir würden uns freuen, wenn der Fußball so bald wie möglich das Tagesgeschäft aufnimmt und wir die Menschen erfreuen können.» Der Bundestrainer selbst wird sich noch Monate gedulden müssen. «Wie sich die kommende Saison entwickelt, kann ich nicht sagen», meinte Löw: «Wir müssen uns dieser Situation stellen und das Beste daraus machen.»

Womöglich wird die Länderspiel-Taktung im Herbst dichter sein als in normalen Spielzeiten. Nach dpa-Informationen erwägt die UEFA, neben den Nations-League-Partien zwei weitere Termine für die ausgefallenen Testspiele beziehungsweise EM-Playoff-Partien einzuplanen. Löw hätte dann in diesem Jahr immerhin acht statt nur sechs Länderspiele zur Verfügung. In zwei der drei Abstellungsperioden im September, Oktober und November könnten ausnahmsweise drei Länderspiele stattfinden.

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