Kritik an Befreiungslied - Südafrika bestellt US-Botschafter ein

Demonstranten versammeln sich vor der US-Botschaft in Johannesburg. Foto: epa/Kim Ludbrook
Demonstranten versammeln sich vor der US-Botschaft in Johannesburg. Foto: epa/Kim Ludbrook

PRETORIA: Er ist erst seit knapp einem Monat im Amt und schon wird der US-Botschafter in Südafrika von der Regierung einbestellt. Wieder geht um angeblichen Hass auf weiße Landwirte.

In Südafrika ist der US-Botschafter von der Regierung in Pretoria wegen «undiplomatischer Äußerungen» in Zusammenhang mit einem bekannten Anti-Apartheid-Lied einbestellt worden. Leo Brent Bozell III hatte das Lied «Kill the Boer» («Töte die Buren») am Mittwoch auf einer Wirtschaftskonferenz in der Küstenstadt Hermanus als «Kriegslied» mit «Hassrede» bezeichnet.

Als Buren werden in Südafrika Landwirte niederländischer Abstammung bezeichnet, von denen US-Präsident Donald Trump behauptet, sie würden in dem Land an der Südspitze Afrikas systematisch verfolgt und von Gewalt bedroht.

Keine Hassrede laut Gericht

Das südafrikanische Verfassungsgericht hatte sich bereits vergangenen März mit dem Lied beschäftigt und befunden, dass es sich dabei - solange es in einem politischen Kontext verwendet wird - nicht um Hassrede handelt.

«Wir haben den Botschafter, Botschafter Bozell, vorgeladen, damit er seine undiplomatischen Äußerungen erklärt», sagte der südafrikanische Außenminister Ronald Lamola.

Bozell relativierte seine Aussage daraufhin. «Ich möchte klarstellen, dass ich persönlich - wie viele Südafrikaner - zwar der Meinung bin, dass «Kill the Boer» eine Hassrede darstellt, die US-Regierung jedoch die Unabhängigkeit und die Entscheidungen der südafrikanischen Justiz respektiert», schrieb der US-Botschafter auf X. Bozell hatte sein Amt in der Hauptstadt Pretoria erst vor knapp einem Monat angetreten.

Flüchtlingsstatus für weiße Südafrikaner in den USA

Trump verweist immer wieder auf einen angeblichen «Genozid» an weißen Bauern in Südafrika. Seit knapp einem Jahr können sich weiße, südafrikanische Bauern in den USA um Flüchtlingsstatus bewerben.

Fachleute widersprechen dieser Darstellung, mit der Trump eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Verschwörungstheorie vom sogenannten «weißen Genozid» aufgreift. Zwar gibt es in Südafrika Gewaltkriminalität, die auch Landwirte betrifft - jedoch quer durch alle Bevölkerungsgruppen.

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