Kollektives Abnehmen: Briten sollen schlanker werden

Bürgermeister Boris Johnson verteilt ein kostenloses Mittagessen für die Londoner. Foto: epa/Andy Rain
Bürgermeister Boris Johnson verteilt ein kostenloses Mittagessen für die Londoner. Foto: epa/Andy Rain

LONDON: Hund Dilyn macht seinem Herrchen Boris Johnson Beine: Ein Video des Premierministers gehört zu einer Gesundheitskampagne der britischen Regierung. Es brachte dem Regierungschef auch Spott ein.

Jeder übergewichtige Brite soll nach dem Willen der Regierung in London mindestens etwas mehr als zwei Kilogramm abnehmen. Dies fördere die Gesundheit und könne dem staatlichen Nationalen Gesundheitsdienst NHS mehr als 100 Millionen Pfund (fast 110 Millionen Euro) an Kosten in den nächsten fünf Jahren ersparen, schrieb Gesundheitsminister Matt Hancock am Montag im «Telegraph».

Zum Start der Gesundheitskampagne räumte der schwergewichtige Premier Boris Johnson ein, wie sehr er mit seinen Kilos kämpfe. Er habe aber seit seiner überstandenen Covid-19-Lungenerkrankung mehr als sechs Kilo abgenommen. Davor sei sein Gewicht immer «hoch- und runtergegangen», sagte Johnson in einem auf Twitter verbreiteten Video. Nun gehe er täglich mit seinem Hund spazieren.

Das Video enthält Szenen von Johnson und Hund Dilyn - in Zeitlupe und musikalisch untermalt - von einem Spaziergang im Grünen. Der Vierbeiner zieht dabei kräftig an der Leine. Johnson berichtete, dass er selbst anfangs langsam gewesen sei, aber immer fitter werde und sein Tempo gesteigert habe. «Es gibt gesundheitliche Gründe, aber man fühlt sich auch besser», lobte er seine morgendliche Aktivität.

Die Kampagne der Regierung sagt vor allem Zucker und Fett den Kampf an. Werbung für Junkfood im Fernsehen soll künftig erst nach 21 Uhr (Ortszeit) erlaubt sein. Auf Weinflaschen und Bierdosen muss den Plänen zufolge der Kaloriengehalt der Getränke verzeichnet sein. Das gilt auch für Mahlzeiten auf Speisekarten von Restaurantketten und großen Pubs. Ärzte sollen Übergewichtigen Sport verordnen.

Die Pläne der Regierung brachten Johnson auf Twitter auch Spott ein: Denn er legte damit eine Kehrtwende zu früheren, teils bissigen Äußerungen zu solchen Maßnahmen hin. So hatte er beispielsweise im vergangenen Jahr - als er noch nicht Premier war - den Vorschlag, eine Steuer auf zuckerhaltige Milchshakes zu erheben, lächerlich gemacht: Er sprach von «Kriecherei» und staatlicher Bevormundung.

Zu viele Kilos können Erkrankungen wie Diabetes und Herzleiden fördern. Auch das Sterberisiko bei einer Covid-19-Erkrankung steigt an; besonders betroffen sind die stark Übergewichtigen. Experten rechnen im Herbst mit einer zweiten Infektionswelle im Vereinigten Königreich - auch deshalb mahnt die Regierung, jetzt gesünder und weniger zu essen und mehr Sport zu machen. Großbritannien ist das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa.

Der Regierung wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Corona-Krise reagiert zu haben. Johnson selbst hatte sich anfangs sogar damit gebrüstet, Infizierten die Hand geschüttelt zu haben.

Allein in England sind fast 63 Prozent der Erwachsenen zu dick, wie aus Statistiken der Gesundheitsbehörden hervorgeht. Besonders betroffen seien Ältere von 55 bis 74 Jahren und Menschen in sozial benachteiligten Gegenden. Während der Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie hatten viele Briten in den vergangenen Monaten nochmals an Gewicht zugenommen.

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