Kerosin auf Kuba wird knapp

Air Canada stoppt Flüge

Wegen Treibstoffmangels leidet Kuba unter Stromausfällen und begrenzten Diensten. Sanktionen verschärfen die Wirtschaftskrise. Foto: epa/Ernesto Mastrascusa
Wegen Treibstoffmangels leidet Kuba unter Stromausfällen und begrenzten Diensten. Sanktionen verschärfen die Wirtschaftskrise. Foto: epa/Ernesto Mastrascusa

HAVANNA: Wegen des US-Ölembargos hat Kuba kaum noch Treibstoff: Air Canada stoppt Flüge, Air Europa muss in der Dominikanischen Republik nachtanken. Kann man die Insel noch besuchen?

Die Ölblockade der USA gegen das sozialistische Kuba wirkt sich auf den Flugverkehr aus. Wegen Treibstoff-Knappheit stellt die kanadische Fluglinie Air Canada vorerst ihre Flüge nach Kuba ein, wie das Unternehmen mitteilte. In den kommenden Tagen sollen nur noch leere Maschinen von Air Canada zur Karibikinsel fliegen, um rund 3.000 Kunden gemäß dem regulären Flugplan aus dem Land zu bringen.

Die Kanadier machen den Großteil der Touristen aus, die die Insel besuchen. «Air Canada wird die Situation weiterhin beobachten, um zu einem späteren Zeitpunkt eine angemessene Wiederaufnahme des normalen Flugbetriebs nach Kuba zu beschließen», teilte die Airline mit.

Zuvor hatte die Regierung Kubas die internationalen Fluggesellschaften darüber informiert, dass infolge des US-Ölembargos die Betankung auf der Insel ab Dienstag nicht mehr möglich sein werde, wie Medien unter Berufung auf Piloten und Fluglinien berichteten. Auch die US-Flugaufsichtsbehörde FAA warnte vor einem Mangel an Kerosin am Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna.

Kein Öl mehr aus Venezuela

Weitere Airlines haben Vorsichtsmaßnahmen ergriffen - ohne die Flüge komplett einzustellen. So plant etwa Air Europa, in der benachbarten Dominikanischen Republik zwischenzulanden, um aufzutanken, wie die spanische Zeitung «El País» berichtete. Iberia bietet Rückerstattung und Umtausch von Flugtickets an - sowie auch Air Canada.

Washington übt seit Wochen erheblichen Druck auf Kubas kommunistische Regierung aus. Seit Dezember erhält das Land kein Öl mehr aus Venezuela, da US-Präsident Donald Trump eine vollständige Blockade für sanktionierte Öltanker mit Lieferungen aus dem südamerikanischen Bruderstaat anordnete. Danach drohte Trump auch mit Zöllen gegen Kubas Öllieferanten. Mexiko, zuletzt Kubas größter Ölversorger, stellte seine Lieferungen ein. Für Kubas stark angeschlagene Wirtschaft ist das Ölembargo ein harter Schlag.

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Thomas Sylten 11.02.26 16:36
Oft wird ja behauptet, dass die cubanische Regierung die Blockade bräuchte, um ihre Misswirtschaft zu kaschieren. Aber als die Blockade während des Obama-Tauwetters nachließ, blühte Cuba sichtlich auf - ganz schlecht für USA, weil dadurch plötzlich alle armen Länder der Hemisphäre sehen konnten, wie gut man leben kann, wenn die Amis einen mal nicht abwürgen. Weshalb Trump nun entschlossen ist, seinen Würgegriff bis zum bitteren Ende zu verstärken - denn ein erfolgreiches Cuba wäre tatsächlich eine "nationale Gefahr" für das amerikanische Geschäftsmodell.
Thomas Sylten 11.02.26 14:30
@Chris J.
Danke - endlich mal jemand, der sich die Mühe machte, den Schleier der Vorurteile und Propaganda von westlicher Seite (!) ein ganz klein wenig zu lüften:

Die Revolutionäre um Fidel waren ursprünglich KEINE Kommunisten (die cubanischen Kommunisten haben sich an der Revolution überhaupt NICHT beteiligt!), sondern wollten zunächst eine Demokratie mit Menschen- und Bürgerrechten ganz nach US-amerikanischem (westlichem) Vorbild aufbauen. Darauf hatte sich Fidel schon mit seinem Jura-Studium vorbereitet.

Erst als ihnen dies von westlicher Seite verwehrt wurde, und sie - wie wenig später auch Ho Chi Minh für sein Land - erkennen mussten, dass diese Rechte nur für weiße US-Amerikaner und Europäer gelten sollten, während für die Dritte Welt eisern die Rolle des billigen Rohstofflieferanten vorgesehen war, auf dessen Rücken der westliche Wohlstand generiert wurde,
und Eisenhower bereits die Rückeroberung der Insel organisierte (der bis dahin ahnungslose Kennedy "erbte" das Schweinebucht-Projekt durch die dazwischen gekommene Wahl), erkannte Fidel, dass dieser Weg versperrt war, und wandte sich an die Sowjets um Hilfe, die diese gerne gewährten, da sie damit den ersten Fuß in der Tür der westlichen Hemisphäre hatten.

Nach dem Schweinebucht-Desaster und der Cuba-Krise (die eigentlich nicht Kennedy mit seinen atomaren Losschlagsdrohungen entschärfte, sondern Chruschtschow durch sein Einknicken - was ihn kurze Zeit später "den Kopf" kostete) verlegten sich die USA auf die Blockade.
Chris Jomtien 11.02.26 13:40
@Thomas Sylten
Im Fall Kuba ist Trump lediglich ein Nachfolger einer spätestens seit Kennedy ununterbrochenen erpresserischen Unterdrückung durch die USA. Sowohl von "Demokraten" als auch von Republikanern geführte US Regierungen bevorzug(t)en stets die Zusammenarbeit mit diktatorischen Regimes in anderen Ländern. Nachdem 1959 der von den USA unterstützte Diktator Batista gestürzt wurde, bemühten dich die Sieger unter der Führung von Fidel Castro zunächst um Hilfe durch die USA beim Aufbau und der Demokratisierung. Da der damalige Präsident Eisenhower dies ablehnte und ein Gegenputsch durch von den USA finanzierte Kräfte akut drohte, blieb Castro keine andere Wahl als der Sowjetunion die Partnerschaft anzubieten, wodurch die Demokratisierung Kubas scheiterte. Als 1962 die Sowjets nukearwaffenfähige Raketen auf Kuba stationierten, begann die Blockade, die seitdem nie völlig aufgehoben wurde obwohl deren Ziel, der Abzug der Raketen, nach kurzer Zeit erreicht wurde.
Thomas Sylten 11.02.26 13:39
@Michael
Meine (!) Meinung zu den gewünschten Themen werde ich gern nachliefern, sobald ein entsprechender Artikel erscheint, und dann die Kommentarfunktion dazu freigeschaltet ist - versprochen.

Bis dahin..
..vermisse ich bei Ihnen Kenntnisse zu Cuba, die über die bei uns hinlänglich bekannten Vorurteile hiausgehen. (Hey - SIE wollten streiten..!! ;)
Michael Meier 11.02.26 12:10
@ Thomas
Was Trump betrifft einverstanden. Was ich bei ihnen vermisse hab ich beschrieben.
Thomas Sylten 11.02.26 11:50
@M.Meier
Sehr gern, lieber Micha, streite ich mich mit Ihnen, wie von Ihnen a.a.O. gewünscht -
nur: Warum wundert es Sie, dass ich in der Kommentarspalte eines Artikels zu eben diesem Artikel Stellung nehme? Dort habe ich nix von Castro oder üble Diktatoren gelesen, die ihre Völker tyr.annisieren - sondern von den tatsächlich katas.trophalen Folgen des von Trump (!) verantworteten Ölembargos. Was sagen SIE denn DAZU?? Einfach mal am Thema bleiben: Über Ihre Wunschthemen wird zur Genüge (auch von mir) an anderer Stelle debattiert - HIER jetzt aber explizit über die Folgen von Trumps Tun. Okay?
Michael Meier 11.02.26 02:50
@ T.Sylten
Wieso wundert es mich nicht daß sie nie ein Wort darüber verlieren daß 2,4 Mio. Kubaner von Castro´s Kommunismus in die USA geflohen sind ? Ebenso 1,2 Mio. Venezuelaner ! Ihre politische Gesinnung sieht nur das Böse in den USA und nie ein Wort über die üblen Diktatoren die ihre eigene Völker tyranisieren !
Thomas Sylten 10.02.26 23:40
Der Menschenschinder Trump macht die leidende cubanische Bevölkerung zu Geiseln seiner "Politik" und lässt sie gnadenlos am ausgestreckten Arm verhungern, nur um seinen jämmerlichen Willen gegen jedes Recht durchzusetzen. Klar dass die Cubaner sich ein Ende dieser Situation wünschen, wie auch immer - aber auch klar, dass sie nie vergessen werden WEM sie das zu "verdanken" haben.
Elke Füllner 10.02.26 16:51
Herr Trump macht was er will, weil er es kann und alle ducken sich. Er spielt sich als Weltherrscher auf. Gab es alles schon mal, da braucht man sich nur die Weltgeschichte ansehen. Es kann einem schlecht werden wenn man sein Tun verfolgt-
Ingo Kerp 10.02.26 13:30
Da scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann Kuba zusammenbricht. Trump kann sich dann eine neue Landkarte malen lassen mit den USA, Kanada, Grönland, Kuba und Venezuela. Das wird ihn sicher erregen und erfreuen.

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