Weltcup-Auftakt: «Traurige Stimmung» in Sölden

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

SÖLDEN: Nach einer extralangen Sommerpause ist der alpine Ski-Weltcup in die neue Saison gestartet. In Sölden ging das erste Event unter Corona-Bedingungen über die Bühne. Die Stimmung war sonderbar. Sportlich erlebte das DSV-Team ohne Rebensburg keinen guten Tag.

Als die besten Skirennfahrerinnen um den Auftaktsieg dieser außergewöhnlichen Corona-Saison fuhren, war das deutsche Team schon auf dem Heimweg vom Rettenbachgletscher. Mit einer befürchteten Nullnummer haben die DSV-Sportlerinnen diesen Ausnahmewinter und eine neue Weltcup-Phase nach dem Rücktritt von Viktoria Rebensburg eingeläutet. Beim Sieg der Italienerin Marta Bassino im Riesenslalom von Sölden verpassten die vier deutschen Starterinnen am Samstag allesamt die Top 30 und damit die Qualifikation für das Finale.

Neben der punktlosen Vorstellung sorgten auch das notwendige Hygiene- und Vorsichts-Drumherum im Ötztal für wenig Euphorie bei allen Beteiligten. Keine Zuschauer, so wenig Kontakte wie möglich, ständige Kontrollen: Von einer Wintersport-Party wie in all den Jahren zuvor war in Sölden diesmal überhaupt nichts zu spüren. «Ein bisschen eine traurige Stimmung», sagte der deutsche Alpin-Chef Wolfgang Maier, «wenn man weiß, was das hier immer für ein cooles Skifest war.»

Aber an diese Bedingungen muss sich die alpine Ski-Familie gewöhnen, schließlich geht es darum, in der immer schwierigeren Corona-Lage in Europa überhaupt Rennen fahren zu können. Routinier Maier hob vor allem den völlig ungewohnten Geräuschpegel an der Piste heraus. «Man hört jedes Wort, so wie zuletzt in den Fußballstadien. An die Stille des Berges wird man sich gewöhnen müssen», sagte der Funktionär.

Für das sportliche Abschneiden sollte das aber keine Rechtfertigung sein, schließlich hätten sich für die Fahrerinnen die Abläufe am Renntag auch in Pandemiezeiten kaum geändert. «Das ärgert mich», haderte Lena Dürr nach ihrem 38. Rang im ersten Lauf, durch den sie nicht mehr im Finale antreten durfte. «Ich hatte natürlich gehofft, schöner in die Saison zu starten», sagte die 29-jährige Münchnerin.

Wie auch Weltcup-Debütantin Lisa Loipetssperger (50./+5,61), Jessica Hilzinger (51./+6,24) und Andrea Filser (54./+6,37) agierte Dürr auf dem steilen und schwierigen Hang von Sölden nicht mutig genug. «Sie waren viel zu vorsichtig für die Verhältnisse, sind zu wenig Risiko und Attacke gegangen. Dann bist du nicht dabei», resümierte Maier nach dem ersten Damen-Riesenslalom ohne Punkte seit fast zwei Jahren.

Der Deutsche Skiverband (DSV) setzt nun auf seine Talente, nachdem die 31-jährige Rebensburg - die in Sölden bereits gewonnen hatte - Anfang September überraschend in die Ski-Frührente ging. «Wichtig ist, dass der Jugend die Zukunft gehört», betonte Bundestrainer Jürgen Graller. «Die müssen auf die Weltcup-Bühne.» Bei der erst 20 Jahre alten Loipetssperger habe man nach «wirklich guten» Trainings auch im Rennen «ansatzweise gesehen, dass sie dazugehört.»

Zur Weltklasse klafft aber freilich noch eine große Lücke. «Die Etablierten sind die Etablierten, die fahren einfach gut», sagte Maier. Bassino setzte sich mit 0,14 Sekunden vor ihrer Teamkollegin und letztjährigen Weltcup-Gesamtsiegerin Federica Brignone durch. Weltmeisterin Petra Vlhova aus der Slowakei wurde Dritte (+1,13).

Am Sonntag (10.00/13.15 Uhr) sind die Herren mit den deutschen Hoffnungsträgern Stefan Luitz und Alexander Schmid an der Reihe.

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