Frankreichs Händler klagen gegen Shein

​Verbände werfen Shein unfairen Wettbewerb und Risiken vor

Das BHV-Gebäude in Paris zeigt zum Store-Start das Shein-Logo, während Kritik und eine Petition gegen die umstrittene Marke wachsen. Foto: epa/Teresa Suarez
Das BHV-Gebäude in Paris zeigt zum Store-Start das Shein-Logo, während Kritik und eine Petition gegen die umstrittene Marke wachsen. Foto: epa/Teresa Suarez

PARIS: Französische Handelsverbände ziehen mit rund 100 Marken gegen Shein vor Gericht. Im Fokus: Vorwürfe zu unlauterem Wettbewerb und Risiken für Verbraucher.

Zwölf französische Handels- und Industrieverbände wollen gemeinsam mit rund 100 französischen Marken die Billig-Onlineplattform Shein wegen unlauteren Wettbewerbs verklagen. Seit mehreren Jahren stellten Vertreter des französischen Handels einen unlauteren Wettbewerb durch außereuropäische Online-Plattformen wie Shein oder Temu fest, deren Geschäftsmodell auf der Nichteinhaltung der für alle in Frankreich ansässigen Akteure geltenden Vorschriften beruht, schreiben die Verbände in einer gemeinsamen Erklärung, wie französische Medien berichten.

Diese «massiven Praktiken gefährden die Sicherheit der Verbraucher, schwächen unsere Unternehmen, vernichten Arbeitsplätze und bedrohen die Lebensfähigkeit der Regionen», heißt es in der Erklärung. Mit der Klage wollten die französischen Handelsverbände «Schadenersatz für die ihnen entstandenen Schäden» fordern. Verhandelt werden soll über die Klage Anfang kommenden Jahres vor dem Handelsgericht in Aix-en-Provence.

Ein Sprecher von Shein sah die angekündigte Klage als «unbegründet» an und «eher als Boykottversuch denn als ernsthafte rechtliche Maßnahme». In einer der Nachrichtenagentur AFP übermittelten Erklärung hieß es, die Maßnahme widerspreche dem Geist des französischen und europäischen Wettbewerbsrechts, dessen Ziel es sei, die freie Wahl der Verbraucher zu gewährleisten und nicht, sie einzuschränken.

Viele Shein-Lieferungen bei Kontrollen nicht konform

Shein steht in Frankreich bereits unter massivem Druck der Regierung, die mehrere Verfahren gegen die Online-Plattform eingeleitet hat und mit einer Seitensperre für Frankreich droht. In einer spektakulären Aktion am Pariser Flughafen wurden kürzlich 200.000 Lieferungen von Shein kontrolliert. Nach einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums erwiesen sich dabei acht von zehn Artikeln als nicht konform. Unter den Warensendungen hätten sich nicht zugelassene Kosmetika, gefährliches Spielzeug oder defekte Haushaltsgeräte befunden.

Anfang des Monats hatte Shein eine erste feste Ladenfläche in Frankreich eröffnet. Während des Verkaufsstarts in Paris protestierten Demonstranten gegen Fast Fashion, die Arbeitsbedingungen bei dem Händler und seine ökologische Bilanz. Besondere Brisanz bekam die Eröffnung, weil kurz vorher öffentlich wurde, dass bei dem Online-Händler Sexpuppen in Kinderoptik und auch in Frankreich genehmigungspflichtige Waffen angeboten wurden.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.