ERFURT/BERLIN: Der Mode-Händler schließt seinen 2012 eröffneten Logistikstandort in Erfurt Ende September. Grund dafür ist ein Umbau nach der Übernahme des Konkurrenten About You im vergangenen Jahr.
Der deutsche Mode-Versandhändler Zalando schließt Ende September sein Logistikzentrum in Erfurt mit 2.700 Beschäftigten. Das teilte der Dax-Konzern mit Hauptsitz in Berlin mit. Aktuell würden die Beschäftigten über die Pläne informiert.
Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr. Die Erfurter Betreibergesellschaft des Standorts und Konzerntochter stelle demnach zum Jahresende den Betrieb ein. Bis zum Schluss für das Logistikzentrum Ende September laufe die Arbeit unverändert weiter.
Das Unternehmen beginne nun Gespräche mit dem Betriebsrat des Standorts über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, um den Betroffenen eine Perspektive zu geben, so Pressesprecher Christian Schmidt.
Zalando-Co-Chef David Schröter signalisierte den Beschäftigten finanzielle Unterstützung. Im Gespräch mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» kündigte er an, der Konzern habe sich auf einen signifikanten Beitrag eingestellt. Ziel sei es, dass möglichst viele Mitarbeiter einen neuen Job finden - beispielsweise am Zalando-Standort in Gießen im benachbarten Hessen, der sich noch im Aufbau befinde.
«Vertrauen nachhaltig beschädigt»
Die Landespolitik reagierte auf die Ankündigung mit Kritik. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) sagte: «Beschäftigten Sicherheit zuzusagen, Leistung zu fordern, ihnen Verlässlichkeit zu signalisieren und anschließend Standorte zu schließen, beschädigt Vertrauen nachhaltig.» Sein Amtsvorgänger Bodo Ramelow (Linke) sprach von einer kalten Abwicklung des Standorts mit nicht viel mehr als dem gesetzlich vorgeschriebenen Sozialplan.
Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) monierte, dass das Land vorher nicht in die Schließungspläne von Zalando einbezogen worden sei. «Dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind, ist absolut unüblich und ganz sicher kein guter Stil.»
Aus der Erfurter Stadtverwaltung hieß es, Zalando sei der größte privatwirtschaftliche Arbeitgeber der Stadt. «Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst, vor allem, weil wir keine Chance hatten, sie zu beeinflussen», sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). «Das ist nicht nur eine traurige Nachricht für Erfurt und Thüringen, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland.» Ein Krisengespräch mit der Landesregierung sei für Freitag geplant.
Gewerkschaft: «War sicher schon vor Weihnachten bekannt»
Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem perfiden Vorgehen. Im Dezember hatte Verdi an den Standorten Erfurt und Mönchengladbach zum Streik aufgerufen. Bis heute habe es keinerlei Signal gegeben, dass eine Schließung des Erfurter Standorts überhaupt im Raum stehe, sagte Matthias Adorf, Verdi-Gewerkschaftssekretär Handel in Thüringen.
«Das war sicherlich vor dem Weihnachtsgeschäft schon bekannt. Das haben die sich wahrscheinlich nicht in der Neujahrsnacht ausgedacht», sagte Adorf. Aus Sicht des Gewerkschaftsvertreters hat der Konzern die Beschäftigten im Dunkeln gehalten, um das wichtige Weihnachtsgeschäft abzusichern. «Statt in den Erhalt der Infrastruktur zu investieren und mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Möglichkeiten der Zukunftssicherung des Standortes zu sprechen, schafft Zalando Tatsachen», kritisierte Adorf weiter.
Logistikzentrum seit rund 16 Jahren
Das Logistikzentrum Erfurt war 2012 eröffnet worden. Es ist der einzige konzerneigene Logistikstandort in dieser Größe in Ostdeutschland, so Schmidt. Weitere große Logistikzentren betreibt Zalando in Gießen, in Lahr im Schwarzwald und in Mönchengladbach. Insgesamt sollen nach dem geplanten Umbau 14 Logistikzentren in sieben Ländern verbleiben.