Gegen Rassismus und für kulturelle Traditionen

Rio feiert Karneval

Angehörige der Sambaschule Mangueira paradieren am zweiten Tag des Karnevals von Rio de Janeiro auf dem Sambadrom in Rio de Janeiro. Foto: epa/Andre Coelho
Angehörige der Sambaschule Mangueira paradieren am zweiten Tag des Karnevals von Rio de Janeiro auf dem Sambadrom in Rio de Janeiro. Foto: epa/Andre Coelho

RIO DE JANEIRO: Exotische Kostüme, aufwendig gestaltete Wagen und mitreißende Samba-Musik: Rios Karneval zeigt sich in vielen Facetten. Und würdigt vor allem die afrobrasilianische Bevölkerung.

Die zwölf Top-Sambaschulen haben zum Abschluss der weltberühmten Umzüge im Sambodrom die Zuschauer begeistert. Bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag (Ortszeit) sind die letzten Gruppen durch das Samba-Stadion mit Platz für mehr als 70.000 Zuschauer aufgetreten. Zu den Höhepunkten gehörten Handlungen, die an Persönlichkeiten, kulturelle Traditionen und Geschichten der afrobrasilianischen Bevölkerung erinnerten.

Die Sambaschule «Mangueira» beispielsweise würdigte die Karriere der schwarzen brasilianischen Sängerin Alcione, die in dem südamerikanischen Land zu einer Frauenikone geworden ist. Sie setzt sich für religiöse Vielfalt und Respekt ein. Die Sängerin selbst war im letzten Wagen mit einer Krone auf dem Kopf anwesend. Die Schule «Portela» erzählte vom Kampf der Schwarzen in Brasilien und zeigte deren Errungenschaften.

«Paraíso do Tuiuti» erzählte die Geschichte des brasilianischen Seemannes João Cândido, der 1910 die «A Revolta da Chibata» (Revolte der Peitsche) anführte. Über 2000 überwiegend schwarze Seeleute rebellierten damals gegen die Bestrafung mit physischer Gewalt - vor allem durch Peitschen - durch ihre weißen Vorgesetzten. In die Rolle des Anführers schlüpfte Max Angelo dos Santos - ein schwarzer Mann, der als Essenslieferant im vergangenen Jahr selbst von einer weißen Frau mit einer Hundepeitsche ausgepeitscht wurde, nachdem es zwischen ihnen zum Streit gekommen war.

Die Staatsanwaltschaft stufte den Fall kürzlich «aufgrund der Schwere der diskriminierenden Beleidigungen» als Rassismusdelikt ein, wie die brasilianische Zeitung «O Globo» unter Berufung auf den Anwalt von dos Santos berichtete. «Wir werden den Karneval nutzen, um eine Botschaft zu übermitteln», sagte dos Santos dem Nachrichtenportal «G1». «Wir wissen, dass Brasilien eine Mischung aus Rassen und Kulturen ist. Wir können nicht zulassen, dass solche Dinge weiterhin passieren», sagte er weiter.

Bereits am Sonntag sind sechs der zwölf Sambaschulen der ersten Liga im Sambodrom aufgetreten, am Freitag und Samstag in zwei Gruppen die Schulen der Aufstiegsklasse. Am Mittwoch kürt nun eine Jury, die wie beim Eiskunstlauf Noten vergibt, die Siegerin.

Aber die größte Party der Welt ist damit noch nicht beendet: Am Samstag ziehen die sechs bestplatzierten Sambaschulen erneut durch das Sambodrom. Die Tribünenstraße, die der berühmte brasilianische Architekt Oscar Niemeyer 1984 entworfen hatte, feiert dieses Jahr 40-jähriges Jubiläum. Und beim Straßenkarneval sind in vielen Stadtvierteln immer noch Karnevalsgruppen - die sogenannten Blocos - unterwegs.

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