Fraport setzt Passagier-Prognose für 2022 hoch

Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt am Main auf ihren Check-In. Foto: Boris Roessler/dpa
Passagiere warten auf dem Flughafen in Frankfurt am Main auf ihren Check-In. Foto: Boris Roessler/dpa

FRANKFURT/MAIN: Der Frankfurter Flughafen brummt noch nicht wieder wie vor der Corona-Krise. Die Rückkehr läuft aber dynamischer als gedacht. Jetzt drücken die Folgen des Ukraine-Kriegs auf den Gewinn.

Trotz des Abfertigungschaos der vergangenen Wochen nutzen wieder deutlich mehr Passagiere den Frankfurter Flughafen. Der börsennotierte Betreiber Fraport hat daher am Dienstag seine Jahresprognose deutlich auf 45 bis 50 Millionen Gäste hochgesetzt. Zuvor war man für das größte deutsche Drehkreuz von 39 bis 46 Millionen Passagieren ausgegangen. Den Rekord markiert das Vor-Corona-Jahr 2019 mit mehr als 70 Millionen Fluggästen.

Im Juni wurde erstmals wieder die 5-Millionen-Monatsgrenze überschritten und damit mehr als 75 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. Die dabei aufgetretenen Mängel bei der Abfertigung haben jedoch zu langen Wartezeiten, Gepäckverlusten und Flugausfällen geführt. «Diese sehr dynamische Erholung fordert uns operativ extrem viel ab und führt immer wieder zu nicht befriedigenden Unpünktlichkeiten», erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte dazu. Man sei noch weit von den eigenen Qualitätsanforderungen entfernt.

Die ergriffenen Maßnahmen hätten aber gewirkt und zu einem «im Großen und Ganzen» stabilen und geregelten Betrieb geführt, meinte Schulte. Im Juli drückte neben den planmäßigen Flugstreichungen auch der eintägige Verdi-Warnstreik des Lufthansa-Bodenpersonals auf die Zahlen, so dass nach vorläufigen Angaben nur 72,5 Prozent des Vorkrisenwertes erreicht wurden.

Bei der Fracht registrierte Fraport für Frankfurt im ersten Halbjahr einen Rückgang um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hier wirken sich der gesperrte Luftraum über Russland sowie die Null-Covid-Strategie in China negativ aus.

Zwei Sondereffekte beeinflussen zudem die Gewinnerwartungen. So lässt der Verkauf der Anteile am chinesischen Flughafen Xi'an den Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) voraussichtlich auf 400 bis 520 Millionen Euro steigen (zuvor: 320-440 Mio). Gleichzeitig hat Fraport aber sein Engagement am Flughafen in St. Petersburg wegen der Sanktionen gegen Russland vollständig abgeschrieben. Deshalb werde unter dem Strich der Konzerngewinn statt 50 bis 150 Millionen lediglich null bis 100 Millionen Euro erreichen.

Buchhalterisch gibt Fraport damit seine Darlehensforderung in Höhe von 163,3 Millionen Euro gegenüber der Thalita Trading Ltd verloren, welche die Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Flughafens in St. Petersburg hält. Die Wertberichtigung sei aber nicht mit einem Anteilsverkauf zu verwechseln, erklärte Schulte. «Wir halten an unseren Ansprüchen vollumfänglich fest. Vertraglich ist ein Verkauf weiterhin bis 2025 ausgeschlossen.»

Im zweiten Quartal steigerte Fraport seinen Umsatz im Vergleich zum pandemiegeprägten Vorjahreszeitraum überraschend stark um 90 Prozent auf 809 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 14 Prozent auf knapp 338 Millionen Euro zu und fiel damit höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn ging jedoch infolge der Russland-Abschreibung um mehr als 30 Prozent auf gut 59 Millionen Euro zurück.

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