Sommerurlaub im Ausland rückt näher - Fortschritte bei Beratungen

Sommerurlaub im Ausland rückt näher - Fortschritte bei Beratungen

BERLIN: Die Hoffnung auf Grenzöffnungen für den Sommerurlaub wächst von Tag zu Tag. Doch die Reiselust hält sich bei vielen Deutschen noch in Grenzen. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, die wegen Corona bereits geplatzt ist, der kann sein Geld zurückfordern.

Bei den Beratungen innerhalb der Europäischen Union zum Abbau der Reisebeschränkungen vor den Sommerferien gibt es erste Fortschritte. Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigte sich am Mittwoch nach Videokonferenzen mit den Nachbar- und Urlaubsländern der Deutschen zuversichtlich, dass die weltweite Reisewarnung nach dem 14. Juni zumindest für die Europäische Union aufgehoben werden kann. In den ersten beiden Beratungsrunden sei man diesem Ziel «ein gutes Stück näher gekommen».

Maas hatte am Montag mit seinen Amtskollegen aus zehn der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen und am Mittwoch mit den Außenministern der neun Nachbarländer beraten. Beide Videokonferenzen dienten dazu, die Aufhebung von Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie und die Lockerung von Quarantänemaßnahmen mit Blick auf den Sommerurlaub vorzubereiten. Außerdem ging es darum, wie der Schutz der Urlauber vor einer Infektion gewährleistet werden kann.

«Wir wollen auch in diesem Jahr der Corona-Krise einen europäischen Sommerurlaub möglich machen - aber unter verantwortbaren Umständen», sagte Maas. Er betonte erneut, dass die Sicherheit dabei im Vordergrund stehen müsse und nicht der Profit: «Klar ist: Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen.»

Auch die EU-Tourismusminister berieten am Mittwoch über den Sommerurlaub. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), sagte, er sehe «gute Chancen, dass die Menschen im Sommer in ihre liebsten europäischen Urlaubsregionen» reisen könnten.

Der kroatische Tourismusminister Gari Cappelli machte deutlich, dass er eher von Vereinbarungen zwischen einzelnen Ländern als von einer Lösung für die gesamte EU ausgehe. Wann immer die Virus-Situation in zwei Ländern miteinander vergleichbar sei, sollten zwischen diesen Ländern Absprachen getroffen werden, sagte er. Einige Länder hätten in den Gesprächen deutlich gemacht, dass sie auf striktere Maßnahmen bei der Ein- oder Ausreise - etwa medizinische Tests - von Touristen bestünden. Andere seien für einen «entspannteren Ansatz». Dies hänge von der epidemiologischen Lage in den jeweiligen Ländern ab.

Die Bundesregierung strebt ein koordiniertes Vorgehen in der EU an. Ausgerechnet das besonders stark von der Corona-Pandemie betroffene Italien prescht aber jetzt schon vor und will seine Flughäfen ab dem 3. Juni wieder öffnen. Dann soll es auch keine Quarantäne mehr für EU-Bürger geben.

Die italienische Region Venetien mit der Unesco-Stadt Venedig wirbt bereits offensiv um deutsche Urlauber. «Wir sind geöffnet, wir sind die Region, die sofort wieder die Strände geöffnet hat», sagte Regionalpräsident Luca Zaia am Mittwoch vor Auslandsjournalisten in Rom. «Wir sind bereit, Menschen aus aller Welt zu empfangen.» Venetien sei für Deutsche und Österreicher wie «ein Zuhause». Viele Menschen in der Region würden auch Deutsch sprechen. Er garantiere allen Reisenden einen «Covid-freien» Urlaub, weil das Gesundheitssystem der Region exzellent sei. «Ich bin optimistisch, was die Sommersaison angeht.»

In der norditalienischen Region war im Februar einer der beiden ersten Corona-Ausbrüche in Italien bekanntgeworden. Im Gegensatz zur Lombardei bekam Venetien die Krise allerdings besser in den Griff, auch weil viel getestet wurde. Die Region zählt insgesamt rund 19.000 Infektionen und 1800 Tote. Italien will ab dem 3. Juni die Grenzen für Besucher aus dem Ausland wieder öffnen.

Die Reiselust der Deutschen lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Nach einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag der Sendung «ARD Extra» will die Hälfte derjenigen, die sich über ihre Reisepläne bereits im Klaren sind, im Sommer zu Hause zu bleiben. Im vergangenen Jahr hat nur jeder Vierte aus dieser Personengruppe keine Urlaubsreise gemacht.

Für all jene, deren Pauschalreise wegen Corona bereits geplatzt ist, gibt es unterdessen gute Nachrichten: Sie sollen ihr Geld zurückverlangen können. Eine zunächst von der Bundesregierung geplante Gutschein-Lösung soll es nur noch als freiwillige Möglichkeit für Verbraucher geben. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) appellierte allerdings an Betroffene, einen Gutschein zu akzeptieren: «Wer sich für einen Gutschein entscheidet, leistet auch einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt der Angebote und Dienstleistungen im Reisesektor zu erhalten.»

Der Reiseverband DRV sprach von einer «Scheinlösung», die die Probleme der Branche nicht löse. Die Grünen im Bundestag mahnten Unterstützung für die Reisebranche an und der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sagte, Insolvenzen müssten so weit wie möglich vermieden werden.

Die ursprünglichen Berliner Pläne waren am Widerstand der Brüsseler EU-Kommission gescheitert, weil europäisches Reiserecht für derartige Fälle einen Anspruch auf Erstattung vorsieht. Mit einer verpflichtenden Gutschein-Lösung wollte die Regierung Reiseveranstalter und Reisebüros vor Insolvenzen schützen.

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