Flughafen Tegel schließt

viele Gäste kommen zum Abschied von TXL

esucher fotografieren den Flughafen Tegel am letzten Tag des regulären Betriebs. Der feierliche letzte Flug ist für den 8.11. geplant. Foto: Fabian Sommer/dpa
esucher fotografieren den Flughafen Tegel am letzten Tag des regulären Betriebs. Der feierliche letzte Flug ist für den 8.11. geplant. Foto: Fabian Sommer/dpa

BERLIN: Zeit für einen Abschied: Der Flughafen Tegel macht dicht. Zuvor ist es aber noch einmal voll geworden im Hauptterminal und auf den Besucherterrasen. Manche sind wehmütig, einige auch froh.

Hunderte von Menschen sind schon am Samstagvormittag zum Flughafen Tegel gekommen, um sich noch einmal zwischen Tower und Terminal A umzusehen. Und am Nachmittag sind es noch einmal deutlich mehr geworden. Eine Woche nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER schließt Tegel an diesem Wochenende. Der Andrang sei vor allem auf der Besucherterrasse groß gewesen, sagte Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, am Samstag.

Dort sind jeweils nur 100 Gäste zeitgleich erlaubt. Die für das Betreten der Terrasse notwendigen kostenlosen Tickets seien seit Tagen ausgebucht gewesen, sagte Tolksdorf. Insgesamt sei bis zum Abend mit mehreren Tausend Besuchern auf dem Flughafengelände zu rechnen.

Von der Terrasse aus waren noch etliche Starts und Landungen zu sehen - insgesamt standen für Samstag 70 Flugbewegungen an, ein gutes Dutzend Maschinen sollte beim Abflug mit Wasserfontänen verabschiedet werden. Starts und Landungen waren aber auch aus dem Terminal A heraus zu beobachten.

Etliche Familien seien vorbeigekommen und auch auffällig viele Besucher, die mit der Kamera und nicht mit dem Smartphone fotografieren wollten, sagte Tolksdorf. Vielen sei es weniger um Selfies gegangen als darum, Erinnerungen an den Flughafen mit dem in Berlin seit Jahrzehnten vertrauten Kürzel TXL festzuhalten.

«Die Hinweistafel mit den Ankünften und Abflügen ist ein gefragtes Motiv», sagte Tolksdorf. Aber auch der TXL-Bus, den viele Fluggäste gut kennen, der Tower oder das berühmte sechseckige Terminal A seien oft fotografiert worden. Die Besucher waren nach Tolksdorfs Beobachtung überwiegend Berlinerinnen und Berliner.

Das Aus für den Flughafen bleibt auch am Wochenende seiner Schließung umstritten. Der Berliner FDP-Vorsitzende Sebastian Czaja nennt sie «ein Denkmal demokratischer Ignoranz». Seine Partei hatte zusammen mit dem Verein Pro Tegel 2015 eine Initiative gestartet, Tegel offen zu halten. Bei einem für den Senat nicht bindenden Volksentscheid gab es 2017 für das Anliegen fast eine Million Stimmen und damit eine knappe Mehrheit.

«Tegel ist und bleibt nicht nur ein Stück Berlin, sondern war auch immer die Cashcow der Flughafengesellschaft FBB», teilte der FDP-Politiker am Samstag mit. «Der Berliner Senat muss nun erklären, wie er die FBB vor einer möglichen Insolvenz retten will.» Rot-Rot-Grün warf er vor, wer so unverfroren einen erfolgreichen Volksentscheid ignoriere, zerstöre das Vertrauen in die Demokratie.

Das Bündnis «Tegel schliessen. Zukunft öffnen» sieht das ganz anders: «Wir freuen uns - endlich himmlische Ruhe. Kein Aufschrecken aus dem Schlaf um 6.00 Uhr morgens, keine dauernde Unterbrechung von Gesprächen draußen im Park», teilte es am Samstag mit. «Und keine Flieger werden den Genuss beim Glas Wein auf dem Balkon am Abend mehr stören.»

Am Samstagabend soll beim letzten regulären Abflug ab Tegel eine Lufthansa-Maschine nach München starten. Am Sonntagnachmittag hebt dann noch einmal eine Maschine der französischen Fluggesellschaft Air France mit Ziel Paris ab. Damit schließt sich der Kreis: Den ersten Linienflug nach Tegel absolvierte ebenfalls eine Air-France-Maschine. Sie landete am 2. Januar 1960.

Am Abend wird das Licht ausgeschaltet, wie die Flughafengesellschaft am Samstag mitteilte - und zwar um 19.45 Uhr. Das übernimmt Katy Krüger, Leiterin Terminalmanagement bei der FBB. «Mit dem symbolischen «Licht aus» enden dann mehr als sieben Jahrzehnte Luftfahrtgeschichte in Tegel.»

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Thomas Sylten 11.11.20 01:07
@Wolfgang
Schon klar. Aber die 20er wollen wir jetzt nicht ernsthaft komplett als 7.Tegel-Existenzjahrzehnt zählen, oder?
Thomas Sylten 08.11.20 15:07
Wenn TXL im Januar 1960 eröffnet wurde -
dann zähle ich bis 2020 sechs Jahrzehnte..(?)

Mein bislang letzter Flug startete im Februar von Tegel Richtung Bangkok -
heimkehren werde ich dann wohl 1 Jahr später tatsächlich über den neuen BER, was ich schon vor 8 Jahren mal erwartet hatte, wo die Eröffnung dann kurzfristig gecancelt worden war und aus der Verschiebung um zunächst 6 Monate weit mehr als 6 Jahre wurden.

TXL war einer der letzten Flughäfen die benutzerfreundlich mit möglichst kurzen Wegen für die Passagiere gebaut waren -
"modernere" Flughäfen werden mit extra langen Wegen geplant, um möglichst viel Ladenfläche verpachten zu können.

RIP TXL -
ich und viele andere werden dich vermissen..

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