Flüchtlingsaufnahme ändert Klima in ostdeutschen Orten nicht

Die Gäste sitzen in einem Restaurant in Mannheim. Foto: epa/Ronald Wittek
Die Gäste sitzen in einem Restaurant in Mannheim. Foto: epa/Ronald Wittek

MANNHEIM: Die Aufnahme von Asylbewerbern in ostdeutschen Dörfern und Kleinstädten hat ausländerfeindliche Einstellungen in diesen Gemeinden einer Umfrage zufolge insgesamt weder verstärkt noch reduziert.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam aus Mannheim, Berlin und New York, das Gemeinden, in denen Asylbewerber untergebracht wurden, mit solchen verglichen hat, in denen keine Ausländer ankamen.

Die in den ländlichen Gemeinden im Osten weit verbreiteten und seit 2015 noch stärkeren Vorbehalte gegen Migration «scheinen sich also weniger auf die Situation vor Ort, als vielmehr auf die Gesellschaft als Ganzes zu beziehen», erklärt Johanna Gereke vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Auch auf das Wahlverhalten hat sich der Zuzug in den 236 untersuchten Ortschaften nicht stark ausgewirkt. Für die Studie wurden demnach 1320 Menschen befragt.

Die Forscher stellten lediglich in fünf Gemeinden, in denen eine im Vergleich zur ursprünglichen Wohnbevölkerung eine relativ hohe Zahl von Flüchtlingen (200-600 Schutzsuchende pro 1000 Einwohner) untergebracht worden war, eine etwas größere Unterstützung für die AfD («Alternative für Deutschland») fest als in Gemeinden, die weniger oder gar keine Flüchtlinge aufgenommen hatten. Die im Herbst 2015 von Frauke Petry und Jörg Meuthen geführte populistische Partei hatte sich 2015 klar gegen Asyl-Zuwanderung positioniert.

Und noch etwas fiel den Wissenschaftlern auf: Bei Menschen mit politisch eher rechten, zuwanderungsfeindlichen Einstellungen wirkte sich die Anwesenheit von Flüchtlingen vor Ort etwas mäßigend aus. Umgekehrt seien Menschen mit eher linken, zuwanderungsfreundlichen Einstellungen nach der Ansiedlung von Flüchtlingen in ihrer Gemeinde in Bezug auf Migration etwas kritischer geworden. In der Summe änderten sich die Einstellungen aber nicht.

Flüchtlinge, die in ländlichen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen angesiedelt wurden, stießen dort insgesamt auf ein «feindseliges Klima», stellten die Forscher fest.

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