Zeit für direkte Gespräche mit Russland

​Finnlands Präsident 

Finnlands Präsident Alexander Stubb spricht bei der Konferenz «Europe as a Task» auf der Prager Burg. Foto: EPA/Martin Divisek
Finnlands Präsident Alexander Stubb spricht bei der Konferenz «Europe as a Task» auf der Prager Burg. Foto: EPA/Martin Divisek

HELSINKI: Europas Staatenlenker bereiten sich nach den Worten des finnländischen Präsidenten Alexander Stubb auf Gespräche mit Russland vor. Vieles ist noch offen.

Im Ukraine-Krieg rät Finnlands Präsident Alexander Stubb zu direkten Gesprächen mit Russland. «Es ist Zeit, Gespräche mit Russland aufzunehmen. Wann es dazu kommen wird, weiß ich nicht», sagte er der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» in einem Interview.

Format laut Stubb noch offen

Wenn die amerikanische Politik gegenüber Russland und der Ukraine nicht im Interesse Europas sei - wie ihm scheine - dann müsse man sich direkt engagieren, sagte Stubb. «Wir haben mit den europäischen Staats- und Regierungschefs darüber geredet, wer den Kontakt herstellen wird, wir wissen es noch nicht.»

Am wichtigsten sei die Abstimmung aller untereinander, insbesondere zwischen Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Polen sowie den nordischen und baltischen Staaten mit einer Grenze zu Russland, führte Stubb aus. «Ob es dann ein Sonderbeauftragter oder eine Gruppe von Staats- und Regierungschefs sein wird, werden wir sehen.»

Drei Szenarien

Es gebe drei mögliche Szenarien im Ukraine-Krieg, sagte Stubb. Der Krieg gehe weiter, es gebe eine Waffenruhe und dann eine Friedensvereinbarung, oder eine der beiden Parteien kollabiere, wahrscheinlich Russland. «Ich glaube, dass die Möglichkeit eines Friedens zumindest für dieses Jahr nicht auf dem Tisch liegt.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Jörg Obermeier 14.05.26 12:20
Es wäre doch schon schön wenn es wenigstens zuerst einmal überhaupt zu einem Waffenstillstand kommen würde. Einer der die Türen für echte Verhandlungen führt, egal wer bei wem und für wen am Verhandlungstisch sitzt. Und unter echten Verhandlungen verstehe ich nicht nur die jeweiligen maximalen Forderungen vorzutragen. Das mag für beide Seiten schmerzhaft werden. Nur wir leben in keiner Welt mehr in der das Recht und insbesondere das Völkerrecht noch irgendeine große Rolle spielen würde. Das einzige was wir aus diesem unsäglichen Krieg lernen können, ist meines Erachtens uns wieder bis an die Zähne zu bewaffnen und wehrfähig werden in der Hoffnung, dass das die neuen Warlords dieser Welt ausreichend abschreckt.
Thomas Sylten 14.05.26 12:00
@Chris
Tatsächlich vermute ich, dass auch die Ukrainer lieber heute als morgen Frieden hätten - natürlich einen gerechten. Ein gerechter Frieden kann aber nur durch Verhandlungen, nicht mit dem Durchmarsch einer Seite, hergestellt werden.

Sicher steht Schröder in einem speziellen Verhältnis zu Putin - eben dies öffnet ja die Tür. Und niemand fordert, dass Schröder als Verhandler gleichzeitig Ergebnisbevollmächtigter sein soll - aber er könnte den Weg dorthin ebnen.

An diesem ersten Schritt fehlt es bislang - ein VerhandlungsRESULTAT liegt noch in weiter Ferne und müsste selbstredend von der Ukraine mitgetragen werden.
Chris Jomtien 14.05.26 04:20
@Thomas Sylten
Putin ist im erweiterten Sinne Arbeitgeber von Herrn Schröder.
Daher kann letzterer nicht die Seite der Europäischen Union vertreten sondern Putin säße durch ihn dann an beiden Seiten des Tisches.
Ein Kompromiss kann zudem niemals echten Frieden bringen. Oder glauben Sie das die um ihr Eigentum gebrachten und die Angehörigen der ermordeten Ukrainer sich damit abfinden würden das die Täter belohnt statt bestraft werden?
Thomas Sylten 13.05.26 00:30
Deutschland hat einen Riesen-Trumpf in der Hand und erkennt es nicht: Schröder ist einer der ganz wenigen, die einen Draht zu Putin haben. Dass dieser Joker nicht gespielt, sondern konsequent diskreditiert wird, ist unverzeihlich - und kann nur im Sinn von Menschen sein, die an einer Verhandlungslösung nicht interessiert sind.

Aber was ist die Alternative zu Verhandlungen? Die Fortsetzung des Krieges, des elenden Sterbens, des Ruins der Ukraine. Auch Russlands - aber das ist ja nicht unsere Sorge, so zynisch das sein mag.

Aber genau SO macht es Sinn: Den Leuten, denen Verhandlungen suspekt sind, geht es nicht um möglichst baldigen Frieden - sondern um die Zerstörung Russlands. Dafür nehmen sie das zwangsläufig damit einhergehende Aussterben der Ukraine gern in Kauf. Welch kranke Welt..!!
Dracomir Pires 12.05.26 15:09
Worüber verhandeln?
Putin hat mehrfach erklärt, dass er erst zufrieden ist, wenn er mehrere Teile der Ukraine gestohlen hat. Daran hat sich nichts geändert. Friede wird dann einkehren, wenn Russland seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg nicht mehr bezahlen kann.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.