Europol identifiziert 731 organisierte Verbrechernetzwerke

Die Exekutivdirektorin von EUROPOL, Catherine De Bolle. Foto: epa/Daniel Kasap
Die Exekutivdirektorin von EUROPOL, Catherine De Bolle. Foto: epa/Daniel Kasap

DEN HAAG/BRÜSSEL: Hunderte von kriminellen Gruppen sind aktiv in Europa. Eingriffe der Polizei haben nur kurzfristig Erfolg, zeigt ein Bericht von Europol. Rasend schnell organisieren Banden sich neu.

In Europa sind nach einer Untersuchung von Europol 731 kriminelle Netzwerke aktiv. Sie haben mehr als 400.000 Mitglieder mit 118 Nationalitäten, geht aus der Studie der europäischen Polizeibehörde mit Sitz in Den Haag hervor. Die Zusammenfassung des Berichts lag dpa vorab vor.

Banden operieren demnach oft grenzüberschreitend und hochprofessionell. 85 Prozent nutzten für ihre Verbrechen legale Geschäftsstrukturen. Sie seien im gesamten Spektrum des Verbrechens aktiv wie Drogenhandel, Cybercrime, Migrantenschmuggel, Menschenhandel, Betrug oder Geldwäsche. Das organisierte Verbrechen nutze den digitalen und technologischen Fortschritt, den globalen Handel und geopolitische Instabilität für seine Geschäfte.

Harter Kern von 198 Banden

Vor zwei Jahren hatte Europol die erste umfassende Studie über kriminelle Netzwerke in Europa vorgelegt. Nun zeigt sich in der Folgestudie, dass 76 Prozent der Netzwerke neu sind. Europol identifizierte aber einen harten Kern von 198 Banden. Vor zwei Jahren waren 821 Netzwerke festgestellt worden.

Die Veränderung ist nach Angaben der Experten nicht unbedingt ein Zeichen der Erfolge von Ermittlern. Es zeige, wie flexibel die Netzwerke seien und wie schnell sie sich etwa unter Druck von polizeilichen Ermittlungen neu organisierten. «Das spiegelt den fließenden und dynamischen Charakter der organisierten Kriminalität in der EU wider,» heißt es in dem Bericht.

Kriminelle reagierten schnell auf Eingriffe von Justiz und Polizei. Netzwerke würden neu strukturiert, Aktivitäten verlegt oder auch abgestoßen. Die Festnahme von Schlüsselfiguren könne zwar ein Netzwerk destabilisieren, heißt es in dem Bericht. Andererseits würden neue Akteure auftauchen und das Führungsvakuum ausnutzen.

Daher reiche es nicht aus, nur gegen die Schlüsselfiguren vorzugehen. Ermittler müssten auf eine Zerstörung krimineller Systeme abzielen und Schwachstellen in der logistischen, finanziellen und digitalen Infrastruktur abdichten.

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