Aufregung in aller Munde

Von Curry-Gate bis Hawaii-Kritik

Ein Mann hält einen Löffel mit Currywurst-Gewürz. Immer mehr Gerichte und ihre Namen werden infrage gestellt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Ein Mann hält einen Löffel mit Currywurst-Gewürz. Immer mehr Gerichte und ihre Namen werden infrage gestellt. Foto: Marcus Brandt/dpa

Wenig bringt das Internet dermaßen in Wallung wie angeblicher „Woke-Wahnsinn“, der liebgewonnene Speisen trifft. Mit „Woke“ werden Leute bezeichnet, die für sich ein „erwachtes“ Bewusstsein in Sachen Gerechtigkeit, Klimaschutz, diskriminierende Sprache oder auch Rassismus in Anspruch nehmen.

Das zeigte mal wieder die Aufregung um ein künftig vegetarisches Restaurant bei VW in Wolfsburg. Im Zuge des sogenannten Currywurst-Gate, in das sich auch Altkanzler Gerhard Schröder einmischte, als er gegen vegetarische Kost für „Arbeiter“ protestierte (#RettetDieCurrywurst), tauchte auch grundsätzliche Kritik am Begriff „Curry“ auf. Ist das vielfach verwendete Wort eine Verkürzung asiatischer Küche? Ist der Begriff gar rassistisch?

Beim Thema Ernährung hört der Spaß bekanntlich seit längerem auf. Längst verläuft ein Riss durch die Gesellschaft, der öfter für hitzige Debatten rund ums Essen sorgt. Es geht dann etwa um Klimaschutz und Fleischkonsum oder rassis­tische Schokobezeichnungen.

Currywurst-Gate und Curry-Debatte

Einige andere Bezeichnungen als Schokokuss werden für diese Süßigkeit von vielen Menschen als  rassistisch aufgefasst. Foto: Oliver Berg/dpa
Einige andere Bezeichnungen als Schokokuss werden für diese Süßigkeit von vielen Menschen als rassistisch aufgefasst. Foto: Oliver Berg/dpa

Zuletzt schwappte mit Verzögerung eine kleine Curry-Debatte nach Deutschland. Zusammengefasst: Die kalifornische Food-Bloggerin Chaheti Bansal wird kritisiert, weil sie schon vor Monaten thematisiert hatte, dass im Westen alles Mögliche „Curry“ genannt werde, obwohl doch etwa in Indien die regionalen Spezialitäten alle 100 Kilometer wechselten und die Bezeichnung Curry wohl auf Kolonialherren-Bequemlichkeit zurückgehe.

Schnell steht bei Debatten dieser Art auch die Behauptung im Raum, dass Aktivisten alles verbieten wollten und dass zu leichtfertig mit dem Rassismusvorwurf umgegangen werde.

Rassismus im Zusammenhang mit Essen kannte man in Deutschland bislang in erster Linie von den altbekannten Schokoküssen und ihrem früher gängigen Namen sowie von einer Schnitzel-Art und gleichnamigen Soßen.

Ungarische Art statt Zigeunersoße

or dem Hintergrund der Diskussion über rassistische Namen und Begriffe wurde die Zigeunersauce der Marke Knorr umbenannt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
or dem Hintergrund der Diskussion über rassistische Namen und Begriffe wurde die Zigeunersauce der Marke Knorr umbenannt. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wir erinnern uns: 2020 kündigten Marken wie Knorr, Homann und Bautz'ner an, ihre sogenannten Z-Saucen umzubenennen, etwa in „Paprikasauce Ungarische Art“.

Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßte diesen Schritt. Der Begriff „Zigeuner“ sei eine alte Sammelbezeichnung für Volksgruppen, „eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird“. Er sei immer negativ besetzt und mit Ausgrenzung verbunden gewesen. Mit Wohlwollen könnte man zwar den bewundernden Schlager „Zigeunerjunge“ von 1967 anbringen, doch sehen den viele auch als Romantisierung und Verkitschung von oben herab.

Während das Wiener Schnitzel tatsächlich aus Wien stammt und Pekingenten eine echte chinesische Herkunftsgeschichte haben, geht es beim Hinterfragen anderer Gerichte und ihrer Namen in erster Linie um den Aspekt, dass es unreflektierte Fremdbezeichnungen seien.

Exotik oder koloniale Stereotype?

Immer mehr Gerichte und Produkte scheinen dabei in den Fokus zu geraten und werden problematisiert. Und viele Leute fühlen sich dann bedroht oder gar ihrer Jugenderinnerungen beraubt.

Pizza Hawaii – der Name solle einen exotischen Touch verleihen, hat aber nichts mit hawaiianischer Küche zu tun. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Pizza Hawaii – der Name solle einen exotischen Touch verleihen, hat aber nichts mit hawaiianischer Küche zu tun. Foto: Angelika Warmuth/dpa

So wird zum Beispiel auch der Name „Pizza Hawaii“ für einen gebackenen Teigfladen mit gekochtem Schinken und Ananas angezweifelt. Der Name sei mit einer „Geschichte des Kolonialismus und der Aneignung verbunden“, hieß es etwa bei der Gruppe PoC/Migrantifa. Der Name solle einen exotischen Touch verleihen, habe aber nichts mit hawaiianischer Küche oder Kultur zu tun. Die Inseln Hawai'i seien kriegerisch von den USA annektiert worden. Die Bevölkerung sei von weißen Siedlern mit dem Ananas-Anbau ausgebeutet worden. „Pizza Hawaii“ sei nicht explizit rassistisch, zeige aber „viele koloniale Stereotype“ auf. Man sage also vielleicht besser „Pizza mit Ananas“.

Apropos Pizza: Die klassische Pizza mit Tomate, Mozzarella und Basilikum ist nach der früheren italienischen Königin Margarethe benannt. Sie lebte von 1851 bis 1926 und war antiparlamentarisch eingestellt. Sie galt als Unterstützerin des späteren Diktators Benito Mussolini. Ist „Pizza Margherita“ also eine Faschistenspeise?

Vielen kommen solche Debatten absurd und besserwisserisch vor. Der Gesundheits- und Ernährungspsychologie Cristoph Klotter sagte der „Welt“: „Es gibt leider manchmal die Tendenz, dass sozial besser gestellte sich regelrecht über andere Menschen erheben.“

Das neue Bewusstsein trifft auch manche Markennamen: Pepsico machte vergangenes Jahr mit seiner Marke „Aunt Jemima“ (Tante Jemima) Schluss. Jahrzehntelang wurde mit dem Logo einer rundlichen schwarzen Frau mit Kopftuch für Frühstückspfannkuchen und Sirup geworben.

Sklavenklischee soll verschwinden

Auch aus „Uncle Ben's Reis“ wird bald „Ben's Original“. Das Bild des schwarzen „Onkels“, der für den Reis warb, soll verschwinden. Wie „Tante Jemima“ gilt „Onkel Ben“ als herabwürdigendes Sklavenklischee. „Wir haben die Ungerechtigkeiten, die mit dem Namen und dem Gesicht der Marke verbunden wurden, verstanden und beschlossen, dies zu ändern“, sagt eine Sprecherin von Mars Food in Deutschland. Nach der Entscheidung, die globale Marke zu erneuern, habe man sichergehen wollen, alles richtig zu machen. Es gebe deshalb unterschiedliche Zeitpläne in den Ländern. In Deutschland sei es aber bald soweit.

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Rüdiger Huber 05.10.21 13:10
und es geht weiter
Ich habe mal ein großen Fehler gemacht und mich mit 2 sehr politisch aktiven Menschen belanglos unterhalten. Ich erzählte ohne Hintergedanken ,das ich in dem Staat Südafrika war und im Krüger Nationalpark eine kleine Touristen Photo -Safari mitgemacht habe . Und das es sehr schön war. Als ich aus Versehen noch den Staat Südwestafrika nannte gab es kein Halten mehr. Grund : eine Safari wäre kolonialistisch und das Wort Safari wäre Aneignung von fremder Kultur . Desweiteren heist der Staat nicht Südwestafrika sondern Namibia und damit wäre ich ein ........... Ich ging dann weg.
Michael Meier 05.10.21 05:50
@ Josef, 100% richtig !
Ihre letzten 3 Zeilen sind ein perfekter Nachweis für die Verblödung der Menschheit !
Josef Siebert 05.10.21 05:00
Die Menschheit verblödet
Alles nur hausgemachte Propleme von Leuten, die nichts besseres zu tun haben. Curry ist meines
Wissens nach eine Gewürzmischung und von Region zu Region sehr unterschiedlich. Gerade Leute
die schon längere Zeit in Thailand ansässig sind wissen genau, welches Curry ihnen am besten
schmeckt. Für mich bleibt ein Mohrenkopf ein Mohrenkopf, ein Zigeunerschnitzel ein Zigeunerschnitzel
und schwäbische Spätzle bleiben schäbische Späzle
Joerg Obermeier 05.10.21 02:39
Ich bilde mir ein
wirklich kein Rassist zu sein. Wie auch? Meine Familie kommt aus der ganzen Welt und lebt schon wieder verteilt über diesen Erdball. Selber habe ich fast die Hälfte meines Lebens im Ausland verbracht. Davon fast schon 10 Jahre in Thailand. Und da bilde ich mir ein, beurteilen zu können was rassistisch ist.

Aber diesen Schwachsinn alles und jedes auf den Prüfstand zu stellen und künstlich umzubenennen geht mir ja sowas auf den Senkel. Genauso wie ich keine Gendersternchen in meiner Sprache und Schrift brauche. Zusammengefasst, für diesen Scheiß bin ich eindeutig schon zu alt!
Walter Bucher 05.10.21 02:35
Aufregung in aller Munde
Es gibt wirklich Leute, die haben keine anderen Probleme!
Hans-Dieter Volkmann 04.10.21 15:50
Rene Amiguet 04.10.21 02:43 Echt doof
Recht so Herr Amigguet, auch für mich ist ein Mohrenkopf, Neger oder sonstige Nennung kein Antirassismus sondern eine ganz wertfreie Ausdrucksweise. Ich glaube vielmehr das jene Menschen, die diese Wörter von mir hören und nicht damit einverstanden sind, enorme Probleme mit ihrer eigenen Fantasie haben und diese nicht unter Kontrolle bekommen.
Rene Amiguet 04.10.21 02:43
Echt doof
Es ist unglaublich zu welchen Auswüchsen von Antirassismus Fanatikern ad Absurdum führen kann. Diese Leute haben eine vollkommen krankhafte Fantasie. Für normale Menschen wird wohl ein Mohrenkopf immer so heissen und der Curry sicherlich auch, wie soll man den diese Gewürzmischung sonst benennen? Nur Idioten können auf solche absurde Ideen kommen.