Ai Weiwei: «Deutschland ist keine offene Gesellschaft»

Foto: epa/Liselotte Sabroe
Foto: epa/Liselotte Sabroe

HAMBURG (dpa) - Dem chinesischen Künstler Ai Weiwei ist die Gesellschaft seiner aktuellen Wahlheimat Deutschland zu verschlossen. «Deutschland ist keine offene Gesellschaft», sagte der in Berlin lebende Ai Weiwei der Tageszeitung «Die Welt». «Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt», sagte der Künstler, der in China jahrelang unter Hausarrest stand.

«Die deutsche Kultur ist so stark, dass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert.» Es gebe kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen, sagte Ai Weiwei. «Meine Familie und ich haben sehr gern hier gelebt, aber ich verlasse trotzdem Berlin. Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist.»

Ai Weiwei, der seit vier Jahren in Berlin lebt und dort auch eine Gastprofessur an der Universität der Künste antrat, sagte nicht, wann er aus Berlin weggehen möchte und wo sein neuer Wohnort sein könnte.

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Heinz Jörg 10.08.19 14:10
"Dieses Land braucht mich nicht, ..."
Genau so ist es, das hat Herr Ai Weiwei ganz klar erkannt. Also ist es wohl besser er geht. Wohin ist die Frage? Das kann dann nur ein Land sein, dass so jemanden braucht. Nur wer braucht ihn?