Neulich, am Strand: Sexuelle Belästigung

„Na, was darf es denn sein?“, fragt mich Suai, die Bedienung, als ich in die Stammbar reinkomme. „Was ich wirklich will bekomme ich ja sowieso nicht, also bring mir was zu trinken“, lache ich, während ich mich zu meinen Kumpels an den Kartentisch setze. Die Herren der Runde warten gespannt auf die Reaktion der Lady. Mit gespielter Mimik und die Hände in die Hüfte gestemmt wackelt die Serviertochter mit dem Kopf hin und her.

„Bring ihm ein Glas Glyphosat“, schlägt einer vor. „Das tötet deine restlichen grauen Zellen ab!“ Die Herrenrunde ist amüsiert. „Aber bitte Jahrgang 2017. Der soll besonders gut sein“, versuche ich zu parieren und gebe Suai einen Klaps auf den von ihr demonstrativ hingehaltenen Po. Die hat zwar nix verstanden, geht aber hinter den Tresen mein übliches Bier holen. „Sei da mal ein bisschen vorsichtiger“, mahnt mich Luigi, einer aus der Mitspielerrunde. „Wieso?“, ich schaue ihn erstaunt an. „Ganz einfach. Wenn sie deine Sprüche mag, ist es flirten, wenn nicht, ist es sexuelle Belästigung!“ Klaus setzt hinzu: „Weißt du, sexuelle Belästigung ist Auslegungssache der Damen. Wenn du seit deinem Schulaustritt jemals einer Frau ein Kompliment über den Busen oder Po gemacht, oder mit einer herumgeknutscht hast, bist du grundsätzlich gefährdet, als sexueller Nötiger und Vergewaltiger angeklagt zu werden. Und in diesem Bereich bist du ja besonders exponiert. Bei deinem lockeren Mundwerk und Verschleiß an Begleiterinnen.“ „Ja, das weiß ich schon. Doch, ich sehe halt wirklich verdammt gut aus. Und ihr Mädels dürft das auch laut sagen“, rufe ich in die Richtung der Bedienung. Diese kommt gerade mit meinem Bier an den Tisch und stellt es hin. So, als ob sie sich mir auf meinen Schoss setzen will, haucht sie mir ins Ohr, ob ich ihr denn einen Ladydrink offeriere. „Nee, meine Kleine! Wenn du mich haben willst, musst du mich einladen. Ich bin käuflich“, gebe ich ihr zu verstehen. Ihre Freundlichkeit verfliegt augenblicklich. „Siehs­te, nun rennt sie dann gleich zur Polizei und heult ihr vor, dass sie einen Psychiater die nächsten 20 Jahre braucht, um diesen Klaps von vorhin zu verarbeiten“, erklärt mir Luigi. Doch Suai faucht nur: „Ihr Männer tut so, als ob ihr Krone der Schöpfung seid. Doch ihr könnt eh nur saufen. Oah, ah bah, Männer!“ Sie lässt ihre langen schwarzen Haare herumfliegen und stolziert weg. Die Stimmung am Tisch steigt. „Ja, ja, heute ist es Spaß und ein Kompliment, morgen hast du schlechte Laune, dann ist es Belästigung“, legt Luigi hinterher. „Also ich habe aufgehört, den Frauen die Türe aufzuhalten. Für Emanzen investiere ich nichts mehr“, protestiert Klaus.

Belästiger aller Länder, vereinigt euch!

Ich schlage vor, eine Männerprotestbewegung ins Leben zu rufen. „Wir könnten zum Beispiel einmal für eine Woche den Ladies nicht mehr hinterher pfeifen. Mal schauen, wie das ankommt.“ Belustigt ergänzt Luigi: „Stell dir vor, die Mädels in ganz Pattaya werden links liegen gelassen. Keine ‚Belästiger aus aller Welt‘, kommen mehr hierher. Das ganze Seebad wäre keusch!“ „Und statt knappe Miniröcke und Hotpants tragen die Mädels eine Burka“, ruft ein Herr vom Nebentisch, der die Unterhaltung mitbekommen hat. Nix mehr mit Bauchnabelschau! „Welch ein Graus. Warum sollte man dann überhaupt noch herkommen? Das wäre der Tod des Tourismus“, gebe ich zu bedenken. „Da bleibe ich gleich daheim in meinem Iglu auf Grönland“, meint der Herr vom Nebentisch. Er nimmt sein Bier und gesellt sich zu uns. „Vor 30 Jahren ist unser kleiner Kahn vor Rügen abgesoffen. Bei der Rettung auf der Stickleiter zu einem Trawler habe ich der übergewichtigen Dame vor mir mit beiden Händen am Arsch den nötigen kräftigen Stoß verpasst, dass sie überhaupt raufgekommen ist. Oben auf dem Khan dann hat sie mir dann eine runtergehauen. Was hätte ich tun sollen? Absaufen wegen dieser Ollen?“, berichtet er seine persönlichen Erfahrungen. Seine Empörung in seinen Augen wirkt echt. „Also, wenn jetzt Pattaya so werden sollte, wie gewisse Moralaposteln es gerne möchten, wird die Wirtschaft zusammenbrechen. Wer wird denn die Häuser im Isaan bauen, wenn kein Nachschub mehr an Investoren rekrutiert werden kann? Die kranken Mamas und Papas können nicht mehr medizinisch versorgt werden. Ganze Landstriche werden darben“, stelle ich fest. „Ja, genau. Und der kranke Büffel erst?“, ruft Klaus. Schallendes Gelächter. Da meldet sich Suai hinter dem Tresen: „Euch allein reisende Männer aus BKK sollte man alle gleich zu Hause am Zielflughafen verhaften! Mmännnner! Boah!“ Ok, denke ich. Wenn das so ist, überlege ich mir schwul zu werden. Männer, die Männer belästigen sind bisher noch was Neues. „Also, Suai. Dann möchte ich nun zahlen. Trinkgeld brauchst du ja als emanzipierte Frau nicht. Das wäre doch eine Beleidigung. Und ab morgen gehe ich in den 7/11 nebenan mein Bier holen. Nur weiß ich nicht, ob ich den Mädels da noch guten Tag wünschen kann, ohne angemacht zu werden“, erkläre ich. Da kommt Suai mit schwingenden Hüften daher, setzt sich auf meinen Schoss und flüs­tert mir zu: „Aber Tirak, du kannst doch nicht so grausam sein und mich unschuldiges, hilfloses Wesen alleine lassen. Ich brauche doch deine starken Hände.“ Dabei streicht sie mit der Hand immer tiefer über meinen Bauch hinunter. „Immer diese sexuellen Belästigungen!“, denke ich. Welch ein Genuss.

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Leserkommentare

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Mike Dong 14.01.18 17:14
Was ist eigentlich aus der Frau des Hauptakteurs geworden ? Hat die es nicht mehr ausgehalten ? Ach ja: "Männer, die Männer belästigen sind bisher noch was Neues.". Der Autor lebt wohl hinter dem Mond ? Noch nie den Namen Kevin Spacey gehört ? Oder katholische Kirche ? Hunderte, ja Tausende von zerstörten Leben. Und lustig ist das überhaupt nicht, und glücklich macht das, mich zumindest, nicht. Eher traurig über fehlende Empathie.
Norbert Kurt Leupi 14.01.18 12:42
Neulich am Strand
Wie immer " unterhaltend " diese Ansammlungen von Beobachtungen, Erfahrungen und Meinungen ! Stammtisch-Weisheiten mit fraglichem Wahrheitsgrad ! Aber immerhin erfrischender als eine Sonntagspredigt von einem Pfaffen von der Kanzel ! " Humor mit einer Prise Sarkasmus und einem Hauch Dreck " , das macht uns glücklich ?