Kurz gefragt: Schweizer Botschafter Ivo Sieber

BANGKOK: Seit dem 14. September 2015 bekleidet Ivo Sieber das anspruchsvolle Amt des Schweizer Botschafters in Thailand, Laos und Kambodscha. Nach beinahe 28 Jahren im schweizerischen Außenministerium sammelte Seine Exzellenz weitreichende Erfahrungen als Diplomat: Neben Tätigkeiten an der Zentrale in Bern war er in Zimbabwe, an der Schweizer UNO-Mission in New York, in Thailand, Großbritannien, Schweden und die letzten fünf Jahre als Schweizer Botschafter auf den Philippinen tätig. Zudem sekundierte ihn das Schweizer Außenministerium nach seinem ersten Einsatz in Bangkok für zwei Jahre zum schweizerischen Industriekonzern Sulzer, wo er seine Kenntnisse zur Unterstützung der Schweizer Privatwirtschaft durch eine praktische Tätigkeit erweitern konnte. DER FARANG stellt seiner Leserschaft den neuen Schweizer Botschafter näher vor. 

Herr Botschafter, bitte stellen Sie sich unserer Leserschaft näher vor:

Ich bin ein in einem Zürcher Vorort aufgewachsener Ostschweizer und pflege immer noch eine enge Beziehung mit meiner Herkunftsregion, dem Rheintal. In Zürich und Sydney habe ich Recht studiert und an beiden Orten auch praktiziert. Verheiratet bin ich seit 23 Jahren und habe mit meiner Frau Gracita zusammen zwei Töchter. Unsere ältere Tochter Katrin studiert in Rotterdam Kommunikation und Journalismus, während unsere jüngere Tochter Nina im kommenden Frühjahr in Manila ihren Schulabschluss mit einem internationalen Bakkalaureat absolvieren wird.

War Thailand für Sie eine Wunschdestination?

Nachdem ich Mitte der 90er Jahre bereits vier Jahre als Stellvertreter des Botschafters in Thailand gearbeitet hatte, war es für mich und meine Familie immer ein Traum, hierher zurückzukehren. Dass mir diese Gelegenheit geboten wurde und ich zudem meine in den Philippinen gewonnenen Erfahrungen durch einen Einsatz in einem anderen ASEAN-Mitgliedstaat – mit Seitenakkreditierung in zwei weiteren ASEAN-Ländern, nämlich Laos und Kambodscha - auch in meiner neuen Fuktion nutzen kann, ist aus meiner Sicht ein Glücksfall.

Wie wurden Sie im Königreich aufgenommen?

Sehr herzlich und mit der bekannten – und in jeder Hinsicht gerechtfertigten – thailändischen Gastfreundschaft. Die Rückkehr nach Bangkok erlaubte mir zudem, die zahlreichen Freundschaften, welche ich bereits vor 20 Jahren in Thailand schließen durfte, ohne Hilfe des Telefons oder gelegentlicher Besuche wieder neu zu knüpfen.

Sie sind Botschafter in Thailand Laos und Kambodscha. Wie lässt sich dieses breite Aufgabenfeld stemmen?

So kurz nach meiner Ankunft bin ich mich immer noch am Einarbeiten. Was ich jetzt aber bereits sagen kann ist, dass mein hervorragendes und sehr professionell arbeitendes Team an der Botschaft in Bangkok - wie auch meine Kolleginnen und Kollegen in den schweizerischen Kooperationsbüros in Vientiane und Phnom Penh - außerordentlich wertvolle Arbeit leisten, um die vielfältigen Aufgaben der Botschaft zu erledigen. Zudem kann ich mich hier in Thailand neben unseren beiden Honorarkonsuln in Chiang Mai und Phuket auch auf eine Schweizer Gemeinde verlassen, die in diversen Schweizer Clubs organisiert ist und an zahlreichen Orten des Landes die schweizerischen Interessen fördert und somit auch die Botschaft in ihrer Tätigkeit in vielfältiger Weise unterstützt.

Wie unterscheidet sich Ihr Aufgabenfeld in diesen drei Ländern?

Da gibt es schon einige Unterschiede. In Thailand lebt nicht nur die größte Auslandschweizergemeinde Asiens, es reisen auch jährlich über 200.000 Eidgenossen als Touristen oder zu geschäftlichen Zwecken ins Land. Zudem pflegen die Schweiz und Thailand umfassende politische, kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen. In Thailand sind zahlreiche Schweizer Unternehmen zum Teil bereits seit über 100 Jahren tätig und haben entscheidend zur engen und dynamischen Beziehung zwischen unseren beiden Ländern beigetragen. Anders als Thailand zählen Laos und Kambodscha zur Gruppe der sogenannten „am wenigsten entwickelten Länder“. Beide Länder unterstützt die Schweiz bereits seit vielen Jahren aktiv in ihren Entwicklungsbemühungen. Ziel dieses Engagements, für welches wir pro Jahr knapp 30 Mio. US-Dollar einsetzen, ist außer der Armutsbekämpfung die Förderung der nachhaltigen Entwicklung, die Unterstützung der demokratischen Regierungsführung sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft.

Ihre Vorgängerin, Christine Schraner Burgener, war als sehr bürgernahe Botschafterin in Thailand bekannt. Werden auch Sie den persönlichen Kontakt zu den Schweizer Residenten und Urlaubern in Thailand suchen?

Auf jeden Fall. Botschafterin Schraner Burgener hat die Beziehungen mit den Eidgenossen in Thailand intensiv und erfolgreich gepflegt, was natürlich auch mich motiviert. Zum einen möchte ich die Schweizer Botschaft nicht nur als Dienstleistungszentrum für die in Thailand wohnenden und durchreisenden Schweizer sehen, sondern auch als Begegnungsort positionieren, wo sich unsere Landsleute untereinander und mit unseren thailändischen Gastgebern treffen und austauschen können. Darüber hinaus werde ich so oft wie möglich auch das Land bereisen, um mich auch außerhalb Bangkoks mit den Schweizerinnen und Schweizern in Thailand zu treffen.

Darf man auch in Pattaya, Phuket oder Chiang Mai mit Ihnen rechnen?

Selbstverständlich. Ich traf mich hier in Bangkok bereits bei diversen Gelegenheiten mit Eidgenossen, zum Beispiel beim traditionellen Racletteabend oder auch beim Networking-Anlass der Swiss-Thai Chamber of Commerce (STCC), die beide in der Botschaftsresidenz stattfanden. Und bereits in der zweiten Woche nach meiner Ankunft besuchte ich zusammen mit meinem deutschen Kollegen die Schweizer Schule in Minburi. Zudem habe ich am 4. Dezember die Mitglieder der Swiss Society Phuket zu einem Cocktail eingeladen und nehme am 19. Dezember an der diesjährigen Weihnachtsfeier der Swiss Lana Society in Chiang Mai teil. Ich freue mich darauf, auch im kommenden Jahr möglichst viele meiner Landsleute auch außerhalb Bangkoks treffen zu können.

Bitte beschreiben Sie die Beziehungen zwischen der Schweiz und Thailand:

Die Beziehungen sind eng und freundschaftlich auf allen Ebenen, von der zwischenmenschlichen bis zur politischen, im bilateralen Verhältnis und auch multilateral bei der Zusammenarbeit etwa in UNO-Gremien. Unsere Länder unterhalten seit 83 Jahren diplomatische Beziehungen. Thailand ist zweitwichtigster Handelspartner der Schweiz im ASEAN-Raum. Die Schweiz ist stolz darauf, dass Mitglieder der thailändischen Königsfamilie regelmäßig in der Schweiz zu Gast sind. Seine Majestät, König Bhumibol Adulyadej, hat gar 17 Jahre seiner Jugend- und Ausbildungszeit in Lausanne verbracht. Experten gehen davon aus, dass die Schweizer Erfahrungen des Königs direkt in die von ihm entwickelte Theorie der Suffiziensökonomie eingeflossen sind, welche zum Maßhalten in der Wirtschaftsentwicklung aufruft. Tugenden wie die weitverbreitete Bescheidenheit und Zurückhaltung verbinden unsere beiden Völker.

Welche Beziehungen zwischen der Schweiz und Thailand sind noch ausbaufähig?

Einerseits die Wirtschaftsbeziehungen. Der bilaterale Handel hat sich abgekühlt und die Schweiz ist bei den Exporten nach Thailand im letzten Jahr etwas zurückgefallen. Auch bei den Investitionen sehen wir, dass sich seit einigen Jahren keine Schweizer Firma mehr neu für den Produktionsstandort Thailand entschieden hat. Umgekehrt fördern wir gezielt das Interesse thailändischer KMUs, für ihre Aktivitäten in Europa den Standort Schweiz in Erwägung zu ziehen. Andererseits wäre eine verstärkte Zusammenarbeit unserer Länder im Bildungsbereich wünschbar, namentlich bei der Berufsbildung, wo Thailand ein großes Entwicklungspotenzial hat, sowie bei der Forschung und Entwicklung.

Wie verhalten Sie sich als diplomatischer Partner und Freund des Königreichs in dieser schwierigen Transition?

Als Freunde steht man sich bei, in guten wie auch in schwierigen Zeiten. In unseren Beziehungen mit Thailand ist das nicht anders. Wie bereits erwähnt, pflegen wir intensive Kontakte mit unserm Gastland, die wir gerade auch in der aktuellen Transitionsphase weiter führen. Es ist eine Maxime der schweizerischen Diplomatie, dass wir mit allen Seiten sprechen, um in konstruktiver Weise und nicht ohne unkritisch zu sein zur Lösungsfindung auch in schwierigen Situationen beizutragen. Dabei zeigt die Erfahrung, dass ein diskretes Vorgehen in den meisten Fällen erfolgversprechender ist, als die Verlautbarungsdiplomatie. Die Geschichte Thailands zeigt, dass das Land in der Vergangenheit seinen Weg immer gefunden hat. Dass die Regierung unter Premier Prayut in Aussicht gestellt hat, möglichst bald demokratische Wahlen durchzuführen, stimmt grundsätzlich zuversichtlich.

Auf welche Bereiche legen Sie den Fokus?

Die Schweiz ist politisch und wirtschaftlich auf ein stabiles Thailand angewiesen. Deshalb unterstützen wir die Reformbestrebungen der Regierung und den Prozess zu einer Rückkehr zu einer demokratischen Regierungsform auf der Basis einer Verfassung, hinter welcher eine Mehrheit der thailändischen Bevölkerung stehen kann. Wir achten darauf, dass Thailand seinen traditionell guten Ruf im Bereich der Menschenrechte nicht verspielt.

Welche Rolle spielt die Botschaft für in Thailand agierende Schweizer Unternehmen?

Zusammen mit der STCC unterstützt die Botschaft Schweizer Unternehmen durch Beratung und Herstellung von Kontakten. Thailand ist eines der Länder, wo die Unternehmen nicht zwingend auf die klassische „Türöffnerfunktion“ der Botschaft angewiesen sind. Es gibt jedoch immer wieder Fälle, in denen die Botschaft zuguns­ten von besseren rechtlichen Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen bei den Behörden intervenieren muss, zum Teil in Abstimmung mit anderen betroffenen Ländern.

Auf welche Veranstaltungen der Schweizer Botschaft darf man sich freuen?

Wie jedes Jahr zeigt die Schweizer Botschaft auch 2016 zwei Filme beim „Deutschsprachigen Open-Air-Kino“ im Goethe-Institut. Am 12. Januar 2016 wird „Dr Goalie bin ig“ („Der Torwart bin ich“) sowie der Kurzfilm „Elite“, und am 9. Februar 2016 der für den Oskar nominierte Film „Der Kreis“ gezeigt. Ferner unterstützt die Schweizer Botschaft den durch die deutschsprachigen Kirchen sowie die Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Tschechischen Republik organisierten Gastvortrag von Dr. Margot Kässmann, Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, für das Reformationsjubiläum 2017. Dieser findet am 23. Februar 2016 zwischen 15 und 18 Uhr an der Chulalongkorn-Universität zum Thema „Transforming Society and Spirituality. The Heritage of the 500th Anniversary of Reformation in Europe” statt. In der zweiten Märzwoche wird die Botschaft ein Konzert mit den beiden Schweizer Jazzmusikern Laurent Brunetti (Gesang) und Mario Pacchiolini (Klavier) organisieren. Im Oktober unterstützen wir das zum vierten Mal in Bangkok stattfindende Kurzfilmfestival „Shnit“, welches 2003 in Bern lanciert wurde. Wie Sie sehen, sind wir auch 2016 bedacht, ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zu offerieren. Alle Veranstaltungen werden jeweils auf unserer neuen Facebook-Seite (www.facebook.com/SwissEmbassyBangkok) sowie auf der Botschaftswebsite (www.eda.admin.ch/Bangkok) aufgeschaltet.

Wie verbringen Sie das Weihnachtsfest in den Tropen?

Unser erstes Weihnachtsfest zurück in Thailand werden wir mit einer Familienzusammenkunft feiern. Meine Frau und unsere Tochter Nina, die beide zur Zeit noch in Manila wohnen, um dann nach Ninas Schulabschluss im kommenden Frühjahr definitiv nach Bangkok umzuziehen, werden mich ebenso wie unsere ältere Tochter Katrin in Bangkok besuchen. Wir werden die Festtage hier geniessen und zum gemeinsamen Entdecken unserer neuen Heimat nutzen. Darauf freuen wir uns sehr.

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