Immigrationsschlangen: Ein Machtwort des Generals

Prayuth Chan-o-cha rügt kundenfeindliche Zustände bei Einreise

‚Normale Warteschlange‘ am Flughafen Suvharnabumi Anfang August: hier stehen Passagiere nach der morgendlichen Landung zwei Stunden in der Schlange – ein Drittel der Immigrationsschalter sind nicht besetzt.
‚Normale Warteschlange‘ am Flughafen Suvharnabumi Anfang August: hier stehen Passagiere nach der morgendlichen Landung zwei Stunden in der Schlange – ein Drittel der Immigrationsschalter sind nicht besetzt.

BANGKOK: Vier Stunden in der Warteschlange bei der Einreise am Don Mueang Flughafen, ‚normale‘ zwei Stunden Beine in den Bauch stehen vor der Immigration am Airport Suvharnabumi – seit Tagen erhitzen Meldungen über unzureichend besetzte Einreise-Schalter der Immigrationspolizei die Gemüter von Thailändern und Urlaubern. Nun hat Ministerpräsident Prayuth Chan-o-cha ein Machtwort gesprochen: Er fordert ein nachhaltiges Konzept der Behörde, wie solche Verhältnisse künftig vermieden werden können.

Wie berichtet war es am vergangenen Freitag am kleineren Flughafen Don Mueang nach Flugverspätungen und zu vieler nacheinander gelandeter Maschinen zu katastrophalen Zuständen bei der Einreise gekommen. Manche Passagiere klagten, sie seien sogar fast fünf Stunden in den Immigrationsschlangen gestanden, bevor sie endlich zu den Gepäckbändern durchdrangen. Sprecher der Immigration sowie der Airports of Thailand (AoT) entschuldigten den Supergau später mit unvorhersehbaren Flugverzögerungen.

Thailands Armeechef Prayuth Chan-o-cha ging diese Erklärung offensichtlich nicht weit genug. Er fordert nun von seinem eigenen Transportministerium, der Immigration sowie der AoT ein gemeinsames Konzept, wie zu künftigen Spitzenzeiten professioneller mit den Menschenmengen umgegangen werden kann. Der General sagte, es sei den Einreisenden nicht zuzumuten, fast so viel Zeit vor der Immigration zu verbringen wie zuvor im Flugzeug. Es müsse eine bessere Koordinierung aller beteiligten Behörden geben, sagte Chan-o-cha.

Unerwähnt blieb, dass es auch am neuen und größeren Flughafen Suvharnabumi täglich unerträgliche Bedingungen für Passagiere von internationalen Flügen gibt. Seit Monaten sind Wartezeiten bis zu zwei Stunden vor allem zwischen 5 und 8 Uhr morgens sowie am frühen Nachmittag keine Seltenheit. Flugpassagiere berichteten unserer Redaktion, dass sie häufig unzureichend besetzte Schalter der Immigration gesehen hätten – ein Vorwurf, den die kritisierte Behörde mit Personalmangel gekontert hatte.

Der Aufruf des Junta-Chefs zur Vorlage eines Konzepts, direkt auch an die Immigrationspolizei gerichtet, birgt so zusätzliche Brisanz. General Prayuth Chan-o-cha hat sich in der Vergangenheit mit deutlicher Kritik an der Immigrationspolizei in Thailand nicht zurückgehalten und sie einst sogar als ‚korrupteste Behörde Thailands‘ bezeichnet.

Immer wieder geraten Immigrationsbeamte durch wenig kundenfreundliche Umfangsformen in die öffentliche Kritik. Nicht nur an den Flughäfen sind lange Wartezeiten üblich. Auch und vor allem bei der jährlichen Visaerteilung für Langzeitresidente in Thailand werden Willkür und Abzockerei bei der Gebührenerhebung beklagt.

Der Ruf Thailands als Urlaubsdestination und investitionsfreundliches Land erleidet nicht zuletzt durch die wenig motivierte Arbeit der Immigration stetigen Schaden. Lange in Thailand lebende und arbeitende Gastarbeiter hoffen, dass General Prayuth Chan-o-cha die Einwanderungsbehörde weiter kritisch im Auge behält – bis dato noch vergeblich.

Fotos: Sam Gruber
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Leserkommentare

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Alois Amrein 11.08.17 03:45
Haarsträubende Zustände
Thailand beweist schon bei der Einreise, dass Touristen, die dringend benötigtes Geld ins Land bringen, nicht willkommen sind. Stundenlanges Warten bei der Immigration ist eine absolute Zumutung, ich habe das noch in keinem anderen Land erlebt, weder in Asien noch sonstwo. In Vietnam ist man nach 10 Minuten durch die Immigration, sowohl in Hanoi wie auch in Ho Chi Minh City, in Laos ebenfalls. Auch in Singapur, Penang und Kuala Lumpur geht das sehr viel schneller.
Jürgen Franke 09.08.17 18:24
Herr Stoll, auf diese Idee muß der
General kommen, nicht Sie. Noch ist die nutzlose 90-Tage Meldung kostenlos, bin gespannt, wann sie kostenpflichtig wird.
Konrad Stoll 09.08.17 17:59
90 Tage Meldung
Wenn man auf die völlig nutzlose 90 Tage Meldung verzichten würde, hätte es genügend Personal für die Schalter an Flughäfen.
Hartmut 09.08.17 13:29
Bin am 21 Juni auf Airport Suvharnabumi gelandet. Abfertigung dauerte 90 Minuten. Es waren 2 Schalter besetzt, nach kurzer Zeit kamen 2 weitere Beamte, die die am Schalter arbeitenden ersetzten, die dann wohl erstmal was essen mussten. Einfach nur lächerlich.