Dem Handel wird's beim Bier zu bunt

Foto: epa/Christian Charisius
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MÜNCHEN (dpa) - Land-, Keller- und Craftbier - mit immer mehr neuen Sorten versuchen die Brauer, den Deutschen ihr Bier wieder schmackhaft zu machen. Denn seit gut 30 Jahren sinkt die Nachfrage. «Gegenwärtig gibt es in Deutschland mehr als 1.400 Brauereien und über 6.000 Biermarken, und es werden von Monat zu Monat mehr», sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes. Aber nun scheint es dem Handel zu reichen. «Nicht alles kann ins Regal. Da wird es voraussichtlich in nächster Zeit eine Konsolidierung geben», meint Marcus Strobl, Bierexperte beim Marktforscher Nielsen.

Im Inland verkauften die deutschen Brauer im ersten Halbjahr ein Prozent weniger Bier, der Export brach sogar um sechs Prozent ein, so das Statistische Bundesamt. «Weizen, Pils und Export verlieren Marktanteile - Hell- und Spezialitätenbiere legen zu», sagt Strobl. «Die Konsumenten kaufen insgesamt weniger Bier, aber sie haben Lust auf etwas Neues.»

Im deutschen Handel macht das Pils im ersten Halbjahr zwar noch 54 Prozent des Absatzes aus, aber nur noch 49 Prozent des Umsatzes. Der Kunde finde immer eine Marke, die gerade zum Aktionspreis um die 10 Euro pro Kiste verkauft werde, sagt Strobl. Selbst klassische Pilsmarken schaffen es kaum, die Preise zu erhöhen. «Weizen, Helles, Alkoholfreies, Radler - alles ist teurer als Pils. Diese Entwicklung ist fatal.» Jetzt haben einige Brauereien Preiserhöhungen für nächstes Jahr angekündigt. Allerdings gab es schon mehrere erfolglose Anläufe. «Ich bin mal gespannt», sagt Strobl.

Dagegen sind viele Konsumenten bereit, auch mehr als 15 Euro für eine Kiste Bier zu zahlen - etwa für Helles oder Spezialitäten. Deshalb haben viele große und auch regionale Brauereien ihr Angebot stark ausgeweitet. Die Nachfrage nach alkoholfreien Bieren steigt, das Angebot ist auf mehr als 400 Marken angewachsen, wie Eichele sagt. Dazu kommen Hunderte Craft-Bier-Marken, die ebenfalls in den Handel wollen - auch wenn ihr Marktanteil unter 1 Prozent liegt.

Die Vielfalt im Biermarkt nimmt zu: «Für den Verbraucher ist das eine schöne Entwicklung, er hat heute ein Riesenangebot», sagt Strobl. Aber der Handel müsse schauen, wie er das wachsende Angebot unterbringt. Und auch für Brauereien lohne sich nicht jede Sorte, mitunter mit Bügelverschlüssen und speziellen Flaschen. «Irgendwann wird abgerechnet», sagt der Marktforscher: «Wir beobachten bereits, dass die Anzahl der Biermix-Produkte im Handel zurückgeht.»

Auf dem Münchner Oktoberfest kostet die Maß derzeit bis zu 10,95 Euro. Auch übers Jahr zahlen die Oberbayern im Handel am meisten für einen Liter Bier - laut Nielsen im Durchschnitt 1,49 Euro. In der Region Dresden dagegen ist der Liter im Durchschnitt schon für 1,07 Euro zu haben.

Der durchschnittliche Bundesbürger hat im vergangenen Jahr noch 104 Liter Bier getrunken. «Allein wegen der demografischen Entwicklung und des wachsenden Wettbewerbsdrucks werden sich Brauereien in den kommenden Jahren tendenziell auf sinkende Absatzzahlen einstellen müssen», sagt Eichele.

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Leserkommentare

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Hansruedi Bütler 10.09.17 11:25
6.000 Biersorten plus...Chemie
Ja, stimmt Khun Wilfried. Ein Cervisa gibt es immer noch ohne Visa. :-)
Khun Wilfried Stevens 09.09.17 23:32
Wikinger-Bier war besser...
...Met, einfach, rein und lecker, was braucht der Mensch 6.000 Biersorten plus...Chemie ?