Alles Legenden

Eine Zuschrift zum Artikel „Immer noch verkaufen Eltern ihre Kinder“ (FA22/2015):

Immer und immer wieder die gleichen Geschichten, wenn es in deutschen Medien um Prostitution geht: Da sind die bösen Buben, die ahnungslosen Eltern die minderjährige Tochter abkaufen, wenn nicht gar rauben. Wenn so typischerweise die Karriere einer Prostituierten beginnt, warum ist mir in 66 Jahren noch keine begegnet? Auf welchem Planeten spielen sich solche Geschichten ab? Und in welchem Größenverhältnis stehen sie zu den Geschichten, die ich kenne? Die gehen so: Meine Freundin, die seit 2 Jahren in Pattaya in Bars arbeitet, hat eine gleichaltrige Cousine, die mit einem Thai aus ihrem Dorf verheiratet ist und derzeit in Bangkok studiert. Seitdem kriegt die Cousine mit, was meine Freundin in Pattaya erlebt. Und sie verdient auch noch Geld damit, mehr als die Cousine als Lehrerin jemals verdienen wird. Nun möchte sie auch in einer Bar arbeiten. Aber wie wird sie den Ehemann los? Die Legende, die sie später ihren Kunden erzählen wird, steht bereits fest: Der Mann war faul, fing an zu trinken und / oder fremdzugehen und ließ sie sitzen, darum musste sie nach Pattaya gehen, um ihre Familie durchzukriegen. Das arme Mädchen! Nun muss sie nur noch den Ehemann dahin bringen, sie entweder sitzen zu lassen oder mitzuspielen. Und dann kommt Johanna aus Deutschland! Was ist bloß los mit den Deutschen? Woher kommt nur diese Hilfs- und Spendenbereitschaft? Noch vor gar nicht so langer Zeit wollten wir den Rest der Menschheit ausrotten, jetzt wollen wir sie alle retten. Man stelle sich vor, eine junge Thailänderin mache sich auf ins ferne Europa, um uns bei was auch immer zu helfen. Man würde sie hier wie dort für geisteskrank erklären, oder etwa nicht? Steckt da in den Johannas nicht noch mehr drin als ein Helfersyndrom? Ist es nicht mal wieder dieses Gefühl der Überlegenheit?: Hey, ihr Thais, ihr kriegt das allein nicht auf die Reihe, wir sind da schon ein Stück weiter, ich komme und zeige euch, wie‘s geht. Man lasse sich von den Johannas dieser Welt nicht täuschen. Wir sind nicht in so kurzer Zeit zu einer gänzlich anderen Art mutiert. Was unter den Nazis möglich war, steckt noch immer in uns und nicht nur in uns Deutschen. Und nicht nur in wenigen Bestien und Sadisten. Die Bösartigkeit ist typisch menschlich. Wie gerne möchten wir glauben, Hitler habe sein Volk verführt, und alle waren eigentlich dagegen und nur verängstigte Mitläufer. Geht aber nicht. Alles Legenden.

Jürgen Hensgen, Pattaya

Die im Magazin veröffentlichten Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. DER FARANG behält sich darüber hinaus Sinn wahrende Kürzungen vor. Es werden nur Leserbriefe mit Namensnennung veröffentlicht!

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Leserkommentare

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Michael Hellwig 07.02.16 00:26
Was?
Wie meinen?
JOE Cabrio 01.01.16 12:46
UIH! Provozierst gerne? ...-- Überlegenheit der Deutschen? --
Nein! Als Deutscher kann man das Elend, die Lustlosigkeit, die Unwissenheit, die Unfähigkeit einfach nicht ertragen. GRINS! (Auch wenn es zu unserem eigenen Nachteil ist!) Am deutschen Wesen soll die Welt genesen! Deshalb auch deutsche Studienplätze, von deutschen Steuerzahlern finanziert, kostenlos für ausländische Studenten weltweit. Es lebe der Wettbewerb! Da war halt vor bald hundert Jahren der erste Gedanke ein Gnadenschuss! Sorry! Wir Deutschen legen die Latte auch gerne etwas sehr Hoch an. So groß, blond und blauäugig sind wir selber auch (noch) nicht. Aber das Ziel ist definiert! Es gibt so verdammt viele Beispiele. Aber ok! Ich verstehe schon etwas das Problem. Wie war das mit dem stinkenden Fisch nochmal? Bildungspolitik scheint nicht ganz einfach zu sein. Die "Deutschen" holen sich ihre Computerspezialisten auch gerne aus Indien. Warte mal "Industrie 4.0" ab! Da wird die Einführung des "mechanischen Webstuhles" ein Kindergeburtstag! 80% der Industriearbeitsplätze hinfällig!
JOE Cabrio 31.12.15 18:46
Die Deutschen! tsss! So sind se halt!
Merkel: „Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihrem Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen“, mahnte sie. Deutschland solle weiter ein Land bleiben, „in dem wir selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sind“.
Sitting Bull 30.12.15 21:59
Lieber Herr Hensgen
Ich bin immer wieder froh dort in Thailand zu wohnen wo man nicht zwangsweise auf so "aufgeklaehrte" Menschen wie Sie treffen muss. Diese "Weisheiten" muss man weder hoeren noch kennen. Ich lebe hier ein ganz normales Leben und bin froh drum. Man kann Asienanfaenger nur davor warnen diese Erguesse ernst zu nehmen. Selbst als zynische Satire taugen sie nicht. JA! Es gibt hier ein Leben jenseits der Bars und JA, es gibt hier auch Farangs deren IQ 85 uebersteigt.
Michael Hellwig 01.12.15 00:26
Andere "Legenden"
Der alte Farang-Sack, der in Thailand versucht, seine Potenzstowrungen mit Hilfe von Viagra und einer jungen Thaifrau zu bekaempfen, Ihr dafuer das Goldene vom Himmel verspricht und deshalb von seiner Deutschen Verwandschaft verachtet (und ggf. enterbt) wird - alles nur Legenden?