Zwischen Fußball und Verantwortung

Ex-Trainer Hagen Hübner konzentriert sich auf Jugendprojekt in Phuket

Hagen Hübner mit den Kindern des Youth Football Home Phuket – ein Projekt, das Perspektiven schafft, weit über den Fußball hinaus. Foto: Hübner
Hagen Hübner mit den Kindern des Youth Football Home Phuket – ein Projekt, das Perspektiven schafft, weit über den Fußball hinaus. Foto: Hübner

PHUKET: Hagen Hübner, 45 Jahre alt, geboren im hessischen Warburg, lebt seit 2012 in Thailand, zunächst als wiederkehrender Besucher, später mit dauerhaftem Lebensmittelpunkt. Als aktiver Spieler lief er bis zur Verbandsliga auf. Der Inhaber der A-Lizenz war in Deutschland als DFB-Stützpunkttrainer tätig und sammelte anschließend umfassende Erfahrungen im thailändischen Fußball. Er arbeitete in Nachwuchs-Nationalteams, im Trainerstab des Erstligisten Nakhon Ratchasima FC sowie in der Akademie von Bangkok United, wo er tausende Talente sichtete. Seit fünf Jahren leitet er das Youth Football Home Phuket. Eine Rückkehr in den Profibereich schließt er aus – zu ernüchternd sind seine Einblicke in Strukturen und Arbeitsweisen. Privat ist er Vater eines 22-jährigen Sohnes, der in Bangkok studiert.

Hagen Hübner ist keiner, der laut geworden ist im Fußball. Keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Und vielleicht erklärt gerade das seinen Weg. Seit 2012 lebt der A-Lizenz-Inhaber in Thailand, zunächst als wiederkehrender Besucher, später mit festem Lebensmittelpunkt. Er hat den Fußball des Landes aus nahezu jeder Perspektive gesehen: Nachwuchs-Nationalmannschaften, Stationen im Profibereich, Co-Trainer beim Erstligisten Nakhon Ratchasima FC sowie die Arbeit in der Akademie von Bangkok United, wo er mehr als 5.000 Kinder sichtete – eine Zahl, die weniger für Statistik als für Erfahrung steht. Und doch ist es nicht diese klassische Trainerkarriere, die ihn heute definiert, sondern die Distanz dazu. „Nach zehn Jahren Tätigkeit in verschiedenen Positionen, habe ich einen relativ guten Durchblick. Es gibt keine Struktur, es ist nicht professionell und wird es auch nicht werden. Bei den meisten Vereinen wollen alle mitreden.“ Ein nüchterner Befund mit klarer Konsequenz: Der Profifußball ist für ihn kein Ziel mehr. Vielleicht, weil er dort zu oft gesehen hat, wie viel geredet wird und wie wenig sich bewegt. Seine Gegenwart liegt an einem Ort, der sich dem schnellen Urteil entzieht. Das Youth Football Home Phuket ist keine klassische Akademie, eher ein Zwischenraum. Gegründet wurde sie im Juni 2006 von dem deutschen Unternehmer Henrik Lorenz, der noch im selben Jahr verstarb und einen Teil seines Vermögens hinterließ. Aus 15 Jungen wurden 65 Kinder: 33 Mädchen und 32 Jungen im Alter zwischen fünf und 18 Jahren, die in getrennten Häusern leben. Erst seit 2013 werden auch Mädchen aufgenommen.

Ein Leben jenseits des Profifußballs

Hagen Hübner.
Hagen Hübner.
​Geboten wird mehr als Fußball: Schulbildung, Krankenversicherung, drei Mahlzeiten am Tag und ein sicherer Ort. Für fast alle ist diese Verläss­lichkeit neu. Sie kommen aus Verhältnissen, in denen Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist, viele haben früh belastende Erfahrungen gemacht. Und diese Verantwortung endet nicht mit der Volljährigkeit. „Wir unterstützen weiter, die die Mädchen und Jungs im Berufsleben landen und ihr eigenes Geld verdienen. Wir haben Kooperationen mit Universitäten, wo wir jedes Jahr zwei bis drei Mädchen ermöglichen auf die Universität zu gehen.“ Rund 30 ehemalige Bewohner werden aktuell weiter begleitet – parallel zu den 65 Kindern im Projekt.

Hübner leitet die Einrichtung seit fünf Jahren. „Ich bin viel mehr als Fußballtrainer. Man stößt schon an seine Grenzen und darüber hinaus. Es ist nicht einfach, aber es bringt sehr viel Spaß. Ich hoffe, dass wir das Niveau so halten können. Ich bin kein Mensch, der nach dem Motto, höher, schneller, weiter denkt. Ich habe alles was ich im Leben brauche. Schön wäre es, wenn wir noch Psychologen dazu bekämen. Eine Arzt haben wir, aber auf der psychologischen Seite haben wir noch Bedarf.“

Zwischen Fürsorge und Training

Hier geht es nicht um das Versprechen vom großen Durchbruch, sondern um Realität. Talent spielt eine Rolle, ist aber nicht entscheidend. Auch Kinder mit großer sozialer Not erhalten eine Chance. Fußball wird zum Werkzeug für Struktur, Verantwortung und Perspektive. Dennoch hinterlässt die Arbeit auch sportliche Spuren: Zwischen zehn und 15 Nachwuchsnationalspielerinnen und -spieler Thailands stammen aus dem Projekt. Auch international ist man präsent, zuletzt in Singapur, wo die Mädchen das Finale erreichten und die U13 der Jungen gewann. Die nächs-te Reise führt nach Finnland.

„Es gibt sehr viele Kinder in Thailand mit sehr viel Talent. Mehr sogar als in Deutschland. Allerdings hapert es oft an der Einstellung zum Sport und dem Leben für den Sport.“ Eine Beobachtung, die seine tägliche Arbeit prägt. Finanziell gilt das Projekt als stabil und nicht abhängig von Spenden, auch wenn Unterstützung im Alltag angenommen wird – etwa bei Ausrüstung. Die Haltung bleibt pragmatisch, ohne Inszenierung.

So entsteht ein Bild jenseits klarer Kategorien. Das Youth Football Home Phuket ist keine klassische Talentschmiede und kein Waisenhaus. Sie ist etwas dazwischen. Ein Ort, an dem Fußball eine Rolle spielt, aber nicht die wichtigste. Vielleicht ist das der Grund, warum jemand wie Hagen Hübner hier geblieben ist – nicht, weil es einfacher ist, sondern weil es bedeutender ist.

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