Zverev kämpft in fünf Sätzen vergeblich

Djokovic im US-Open-Finale

Der Deutsche Alexander Zverev in Aktion gegen Novak Djokovic aus Serbien. Foto: epa/Jason Szenes
Der Deutsche Alexander Zverev in Aktion gegen Novak Djokovic aus Serbien. Foto: epa/Jason Szenes

NEW YORK: Alexander Zverev zeigte erneut überragendes Tennis - das erhoffte perfekte Spiel gegen die Nummer eins der Welt gelang im Halbfinale der US Open aber nicht. Nach fünf Sätzen zog Novak Djokovic ins Finale ein und kann dort am Sonntag Tennis-Geschichte schreiben.

Nach einem Kampf über fünf Sätze ist Tennis-Olympiasieger Alexander Zverev bei den US Open im Halbfinale gegen Topfavorit Novak Djokovic ausgeschieden. Sechs Wochen nach seinem Erfolg in Tokio unterlag der 24 Jahre alte Hamburger dem zehn Jahre älteren Serben am Freitagabend (Ortszeit) in New York 6:4, 2:6, 4:6, 6:4, 2:6. «Er spielt das beste Tennis dann, wenn er muss. Viele Spieler tun das nicht», sagte Zverev nach der Partie. Er haderte vor allem mit dem schnellen zweiten Break gegen sich im entscheidenden letzten Satz: «Unglücklicher kann es echt nicht laufen.»

Djokovic trifft nun im Endspiel am Sonntag (22.00 Uhr MESZ) auf den Russen Daniil Medwedew, der sich zuvor 6:4, 7:5, 6:2 gegen den Kanadier Felix Auger-Aliassime durchgesetzt hatte. Der «Djoker» hat damit die Chance, als erster Spieler nach 52 Jahren den Grand Slam aus allen vier Major-Turnieren in einem Kalenderjahr zu gewinnen. Zuletzt gelang das Rod Laver 1969. «Es ist nur noch ein Spiel übrig. All in. All in. Packen wir es an», sagte Djokovic in seinem Interview auf dem Platz. «Ich werde mein Herz und meinen Körper da reinpacken. Ich werde das nächste Spiel so behandeln, als wäre es das letzte Spiel meiner Karriere.»

Im Gegensatz zum Halbfinal-Sieg bei den Olympischen Spielen, als Zverev den ersten Satz 1:6 gegen Djokovic verloren hatte, war er im Arthur Ashe Stadium vom ersten Ballwechsel an voll da. Beide dominierten ihr Aufschlagspiel, ehe Zverev beim Stand von 3:3 nach einem lautstark von den Zuschauern bejubelten Hin und Her erstmals die Chance zum Break hatte - und sie vergab. Doch schon bei der nächsten Gelegenheit schlug er zu, holte sich das Break zum 5:4 und kurz darauf mit dem dritten Satzball den ersten Durchgang.

Für Djokovic war es der vierte Satzverlust zu Beginn einer Partie in Serie. Medien und Fans wollten zwar vor allem ein Stück Geschichte und damit einen Sieg Djokovics auf dem Weg zum Grand Slam sehen - doch die Klasse Zverevs fand Anerkennung und bekam Applaus.

Der große Rod Laver beobachtete im weißen Hemd von der Tribüne aus, wie ein ärgerlicher Doppelfehler Zverevs seinem Gegner das erste Break im zweiten Satz und eine 2:0-Führung ermöglichte, die Djokovic rasch auf 3:0 ausbaute. «Tennis ist ein Sport, in dem Selbstvertrauen ein Schlüsselfaktor ist», hatte Zverev beim Betreten des Platzes in der Billie-Jean-King-Anlage gesagt - seines schrumpfte etwas im Verlauf des zweiten Satzes, den er schließlich mit 2:6 abgeben musste.

Die zwischenzeitliche Frustration Zverevs wurde erstmals sichtbar, als er ein 30:0 zum Start in den dritten Satz nicht zum schnellen Break nutzen konnte und seinen Schläger wütend durchschwang. Beim Stand von 2:2 hatte er bei 40:15 zwei Breakbälle und musste den Punkt trotzdem abgeben. Seine drei Siege über Djokovic - bei Olympia, den ATP-Finals und im Endspiel des Masters von Rom - hatte Zverev alle über zwei Gewinnsätze geholt. In einem Major über drei Gewinnsätze hatte noch immer der zehn Jahre ältere Djokovic die Nase vorn, zuletzt bei den Australian Open im Viertelfinale. Auch da hatte Zverev den ersten Satz gewonnen.

Zu Beginn des Duells hatte Djokovic im Turnierverlauf schon rund viereinhalb Stunden mehr Zeit auf dem Platz verbracht als Zverev, von Müdigkeit war bei dem 20-maligen Major-Sieger aber nichts zu sehen. Nach gut zwei Stunden Spielzeit verlor er zwar einen Mammutballwechsel, als Zverev nach 53 Schlägen den zweiten Satzball abwehrte - den dritten aber nutzte Djokovic nach 16 Schlägen zur 2:1-Satzführung.

Auch im vierten Satz, in dem ihn etwas im Auge zunächst behinderte, spielte Zverev weiter bärenstarkes Tennis und vergab einen Breakball - dieses Mal aber holte er sich im zweiten Versuch den Punkt zum 2:1 trotzdem und brüllte danach laut mit geballter Faust. Als er mit 6:4 den Satzausgleich schaffte und den entscheidenden fünften Satz erzwang, standen die Fans in Flushing Meadows zum wiederholten Mal auf und bejubelten den Deutschen - wie auch das Niveau der beiden Profis.

Das frühe Break gegen sich zum 0:2 und der folgende Punkt zum 0:3 setzten Zverev dann sofort enorm unter Druck. Ein misslungener Schmetterball bescherte ihm das zweite Break gegen sich im letzten Satz und zwischenzeitlich einen 0:5-Rückstand, von dem er sich trotz eines eigenen Breaks und etwas Ergebniskosmetik nicht mehr erholte. Letztlich verlor Zverev die Partie nach 3:33 Stunden.

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