Sonne, Mond und Sterne im Mai 2019

Sehtest mit Mizar und Alkor

Foto: epa/Anthony Anex
Foto: epa/Anthony Anex

STUTTGART (dpa) - Das Reiterlein «Alkor» reitet auf seinem Pferd «Mizar» über den Nachthimmel. Sternenkonstellationen erzählen oft kleine Geschichten. Und können sogar als eine Art Sehtest dienen.

Nach Einbruch der nun spät einsetzenden Dunkelheit sieht man im Mai die sieben Sterne des Großen Wagens hoch über unseren Köpfen. Der mittlere Stern in der Wagendeichsel wird Mizar genannt. Er gilt schon seit alten Zeiten als Möglichkeit, die eigene Sehkraft zu testen. Normalsichtige Menschen sehen knapp neben Mizar ein lichtschwaches Sternchen, Alkor oder das Reiterlein genannt. Der arabische Name Mizar bedeutet «das Pferd», auf dem Alkor reitet.

Im Fernglas oder kleinen Teleskop sieht man ab etwa 25-facher Vergrößerung bei Mizar sogar zwei Lichtpunkte. Mizar wurde als erster Doppelstern 1650 von Giovanni Riccioli entdeckt. Beide Sonnen laufen in fünftausend Jahren in elliptischen Bahnen umeinander. Gegenwärtig sind sie fünfzig Milliarden Kilometer voneinander entfernt, dies entspricht der 335-fachen Distanz Erde – Sonne. Aus spektroskopischen Beobachtungen entlarvte man beide Mizarsonnen als jeweils eigene Doppelsterne. Mizar entpuppte sich somit als Vierfachsonne, die 78 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Im Fernglas erkennt man zwischen und Alkor ein weiteres, feines Lichtpünktchen, das von dem Nürnberger Astronomen Georg Christoph Eimmart 1691 Sidus Ludoviciana getauft wurde - zu Ehren von Ludwig V., Landgraf von Hessen–Darmstadt.

Wie ein riesiger Zeigefinger weist die Deichsel der Großen Wagens auf einen hellen, orangenen Stern. Er heißt Arktur, der Bärenhüter, und ist der Hauptstern im Bild des Bootes oder Rinderhirt. Arktur gehört zu den fünf hellsten Fixsternen am irdischen Firmament. Diese rote Riesensonne trennen 38 Lichtjahre von der Erde.

Hoch im Südwesten nimmt der Löwe seinen Platz ein. Er ist das Leitsternbild des abendlichen Frühlingshimmels. Sein bläulicher Hauptstern heißt Regulus, der kleine König, und ist 77 Lichtjahre entfernt. Er befindet sich fast exakt auf der Sonnenbahn.

Im Süden passiert gerade die Jungfrau die Mittagslinie. Ihr bläulich-weißer Hauptstern Spica ist 260 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die drei Sterne Arktur, Regulus und Spica bilden das Frühlingsdreieck.

Im Sternbild Jungfrau blickt man tief in das Universum auf einen ganzen Haufen ferner Milchstraßensysteme, sogenannter Galaxien. Eine riesige elliptische Galaxie, die im Katalog des französischen Astronomen Charles Messier die Nummer 87 trägt, war gerade erst prominent in den Schlagzeilen. Mit weltweit zusammengeschalteten Radioteleskopen machten Forscher erstmals ein Bild eines sechs Milliarden Sonnenmassen schweren Schwarzen Loches und seiner umgebenden Millionen Grad heißen Gasscheibe. Es befindet sich im Zentrum von Messier 87. Die Galaxie ist rund 55 Millionen Lichtjahre entfernt von der Erde.

Südlich der Deichsel des Großen Wagens befindet sich das lichtschwache und unauffällige Sternbild der Jagdhunde. Lediglich der hellste Stern in den Jagdhunden ist leicht zu erkennen. Er heißt Cor Caroli, das Herz Karls, nach dem englischen König Charles I von England. Das Drachenviereck aus den Sternen Cor Caroli, Arktur, Spica und Denebola im Löwen wird als Diamant im Geschmeide der Jungfrau betrachtet. Die Amerikaner nennen diese Figur «The Diamond of Virgo».

Weit im Westen erinnern noch die beiden Sternenketten der Zwillinge mit Kastor und Pollux an vergangene Wintertage. Auch der Planet Mars hält sich zurzeit in diesem Gebiet auf. Er ist nach wie vor am Abendhimmel vertreten. Anfang Mai geht der rote Planet eine Stunde nach Mitternacht unter, Ende des Monats bereits eine Viertelstunde vor Mitternacht. Am 8. Mai zieht die Sichel des zunehmenden Mondes an Mars vorbei.

Gegen Mitternacht taucht im Südosten Jupiter im Sternbild Schlangenträger auf. Der Riesenplanet beherrscht nach seinem Aufgang mit seinem Glanz den Nachthimmel. Allmählich wird Jupiter zum Planeten der gesamten Nacht. Er geht immer früher auf und erscheint Ende Mai schon um zehn Uhr abends. Am 20. besucht der noch fast volle Mond den Riesenplaneten.

Saturn im Sternbild Schütze ist Planet der zweiten Nachthälfte. Der abnehmende Mond begegnet dem Ringplaneten in der Nacht vom 22. auf 23. Mai.

Venus kann noch am Morgenhimmel in der Dämmerung gesehen werden. Besonders auffällig ist unser Nachbarplanet allerdings nicht mehr. Am 18. zieht Venus ein Grad südlich am fernen Uranus vorbei, der mit bloßen Augen nicht zu sehen ist. Am Monatsanfang geht Venus eine Viertelstunde nach fünf Uhr auf, Ende Mai bereits um halb fünf Uhr morgens. Am 2. Mai ist neben Venus die schmale Sichel des abnehmenden Mondes zu sehen.

Der flinke Merkur bleibt im Mai unsichtbar.

Bis Mitte Mai ist der Sternschnuppenstrom der Aquariden aktiv. Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Wassermann. Der Höhepunkt der Aquaridentätigkeit wird in den Morgenstunden des 6. Mai erreicht, wo bis zu 60 Meteore pro Stunde aufflammen. Die Mai-Aquariden sind schnelle Objekte mit Geschwindigkeiten um 60 Kilometer pro Sekunde.

Neumond wird in der Nacht vom 4. auf 5. um 0.46 Uhr erreicht. Die Vollmondphase tritt am 18. um 23.11 Uhr im Sternbild Waage ein. Mit 369 010 Kilometer kommt der Mond am 13. um Mitternacht in Erdnähe, während ihn in Erdferne am 26. am frühen Nachmittag 404 140 Kilometer von uns trennen.

Die Sonne steigt im Tierkreis immer höher. Am 14. verlässt sie das Sternbild Widder und wechselt in das Sternbild Stier. Im letzten Maidrittel passiert sie das Goldene Tor der Ekliptik, das von den beiden Sternhaufen Plejaden und Hyaden im Stier gebildet wird. Am 21. tritt die Sonne in das Tierkreiszeichen Zwillinge. Ihre Mittagshöhe nimmt um knapp sieben Grad zu, die Tageslänge wächst im Mai um eineinhalb Stunden.

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