Le Pens Partei provoziert Streit

​«Weg mit den EU-Flaggen» 

Marine Le Pen spricht in der Nationalversammlung während einer Debatte zum Nahostkonflikt und positioniert ihre Partei. Foto: EPA/Christophe Petit Tesson
Marine Le Pen spricht in der Nationalversammlung während einer Debatte zum Nahostkonflikt und positioniert ihre Partei. Foto: EPA/Christophe Petit Tesson

PARIS: Frisch gewählte rechte Bürgermeister in Frankreich holen die EU-Flagge ein - und lösen Empörung aus. Kritiker sprechen von «Verrat» und «Pseudo-Patriotismus».

In Frankreich gibt es Aufregung, weil einige frisch gewählte Bürgermeister des rechtsnationalen Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen die Europaflagge an ihren Rathäusern eingeholt haben. Der neue Bürgermeister des südfranzösischen Carcassonne etwa ließ sich dabei filmen, wie er die neben der französischen Flagge hängende blaue EU-Fahne abnahm. «Weg mit den europäischen Flaggen am Rathaus! Platz für die französischen Flaggen», schrieb Christophe Barthès dazu auf der Plattform X.

«Es gibt nur eine einzige Flagge, die in der Verfassung anerkannt ist, nämlich die dreifarbige Flagge in Blau, Weiß und Rot», sagte der Bürgermeister des nordfranzösischen Harnes, Anthony Garénaux-Glinkowski, der die Europaflagge ebenfalls einholte. Der neue rechte Bürgermeister von Cagnes-sur-Mer in Südfrankreich, Bryan Masson, postete ebenfalls ein Foto, das das Rathaus ausschließlich mit französischen Flaggen zeigt.

Marine Le Pen, RN-Fraktionschefin und mehrfache Kandidatin bei den Präsidentschaftswahlen, verwies im Interview mit der Zeitung «Le Parisien» darauf, dass 2005 die Mehrheit der Franzosen in einem Referendum die EU-Verfassung abgelehnt habe. «Seitdem gibt es keine gesetzliche Verpflichtung mehr, die Europaflagge am Giebel des Rathauses zu hissen.» Die Bürgermeister könnten dies frei entscheiden. «Ich kann mich mit dieser Flagge nicht identifizieren, die, auch wenn sie ursprünglich sicherlich von guten Absichten getragen war, heute zum Symbol einer Form der Unterdrückung unserer Demokratie geworden ist, die ich ablehne.»

Außenminister sieht «Verrat»

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot beklagte «einen Verrat an dem, was wir sind». Frankreich habe die Europäische Union gewollt. «Das sind wir.» Es gebe keine Auflösung der nationalen Identität in der europäischen Identität.

Die liberale französische Europaabgeordnete Valérie Hayer sprach von einer «pseudo-patriotischen Geste». «Sie sind gegen die Europäische Union und wollen die französischen Beiträge einstellen. Ein regelrechter Frexit, der nur nicht so genannt wird.» Als Frexit wird ein Austritt Frankreichs aus der EU bezeichnet. Auch wenn Le Pens rechte Partei diesen nicht mehr offiziell anstrebt, laufen ihre politischen Pläne in diese Richtung.

Rückgabe von EU-Fördermillionen?

Europaminister Benjamin Haddad gab dem Bürgermeister von Carcassonne kontra: «Die 3,4 Millionen Euro an EU-Mitteln für das Krankenhaus von Carcassonne geben wir dann auch zurück? Ganz zu schweigen von den Mitteln für die Schulen der Stadt, für die Sanierung des Stadtteils Viguier oder für die technische Hochschule?»

Die blaue EU-Flagge wurde 1955 erstmals vom Europarat angenommen. 1985 übernahm die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, der Vorgänger der EU, die Flagge als offizielles Logo. Französische Rathäuser sind nicht verpflichtet, die Flagge zu hissen. 2023 wurde ein Gesetz, das dies vorschreiben sollte, von der Nationalversammlung verabschiedet, doch der Senat hat es bis heute nicht geprüft.

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Michael R. 01.04.26 16:20
@Dracomir Pires
Sehr zum Leidwesen von euch EU-Hassern stimmt das nicht, was Sie hier erzählen!
Die Flagge mit den gelben Sternen auf blauem Grund wurde 1955 vom Europarat als europäische Flagge eingeführt und erst dreißig Jahre später von der EU übernommen.
Dem Europarat gehören 46 Staaten an, also erheblich mehr als der Europäischen Union. Die Flagge wird auch von europäischen Staaten verwendet, die nicht der EU angehören. Also ist der Ausdruck Europaflagge voll und ganz richtig auch wenn Ihresgleichen das nicht in den Kram passt.
Roman Knöpfel 01.04.26 16:10
@ Dragomir
Wieviele von Deinen gut 20 Staaten sind denn in Verhandlungen über einen EU Beitritt? Es sind 10! Zu den Nicht EU Mitgliedern zählen Russland, Belarus, Vatikan, Monaco & Kasachstan. Ich würde mal meinen mindestens die ersten 2 haben in der EU nichts verloren. Aber da Du immer wieder mit Halbwahrheiten glänzt, leidet Deine Glaubwürdigkeit.
Dracomir Pires 01.04.26 14:50
Europaflagge?
Das gibt es nicht, das Ding heisst EU-Flagge. Als Schweizer kenne ich natürlich den Unterschied zwischen Europa und EU. Die Schweiz gehört gottseidank nur zu einem. Gut 20 europäische Länder sind übrigens nicht in der EU. Wer das nicht glaubt - googeln hilft.

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