MOSKAU: Kiew setzt die Angriffe auf das russische Hinterland mit Langstreckendrohnen fort. Erneut werden Hafenanlagen zum Ziel. Doch die Attacke fordert auch Opfer in der Zivilbevölkerung.
Bei ihrer Abwehr der russischen Invasion hat die Ukraine das Hinterland des Gegners erneut mit Hunderten Kampfdrohnen angegriffen. Dabei kamen in der südrussischen Hafenstadt Rostow-am-Don zwei Zivilisten ums Leben, als eine Drohne in ein Hochhaus einschlug, wie Gouverneur Juri Sljussar mitteilte. Weitere fünf Menschen seien verletzt worden, schrieb er auf Telegram. Der Angriff galt vermutlich dem nahegelegenen Hafen der Stadt, über dem nach Augenzeugenberichten eine Rauchwolke aufstieg.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff auf Rostow. Als weitere Ziele nannte er Ölanlagen im Gebiet Jaroslawl nordöstlich von Moskau und in der russischen Teilrepublik Udmurtien, die etwa 1.300 Kilometer von der Ukraine entfernt vor dem Ural liegt. «Wir tragen den Krieg nach Russland zurück, damit letztlich ein gerechter Frieden eine Chance hat», schrieb Selenskyj auf der Plattform X.
Moskau spricht von mehr als 270 Drohnen
Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht seien insgesamt 276 ukrainische Kampfdrohnen über verschiedenen Landesteilen abgefangen worden. Diese Militärzahlen sind nicht unabhängig überprüfbar, sie deuten aber auf einen großangelegten ukrainischen Angriff hin. Zahlreiche russische Flughäfen mussten den Betrieb zeitweise einschränken. Drohneneinschläge wurden auch aus der russischen Großstadt Belgorod dicht an der Grenze zur Ukraine gemeldet. Es habe zwölf Verletzte gegeben.
Nach Kiewer Angaben griff die russische Armee die Ukraine über Nacht mit 147 Kampfdrohnen an, von denen 123 ausgeschaltet worden seien. Es habe Einschläge an zehn Orten im Land gegeben, teilte die Luftwaffe mit.