BANGKOK: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen bleibt der Tourismusmarkt in Südostasien im Jahr 2026 auf Wachstumskurs. Das erklärte Chattan Kunjara Na Ayudhya, Country Representative Thailand der Reiseplattform AirAsia MOVE. Vor allem die Spannungen im Nahen Osten hätten Auswirkungen auf Ölpreise, Luftfahrtkosten und das Vertrauen vieler Reisender weltweit. Dennoch bleibe die Nachfrage nach Reisen innerhalb der ASEAN-Region hoch.
Nach Angaben von AirAsia MOVE entfielen im ersten Quartal 2026 mehr als 89 Prozent aller Buchungen auf Reisen innerhalb Südostasiens. ASEAN habe sich damit als wichtiger globaler Reisekorridor etabliert, insbesondere in einer Zeit, in der viele Touristen bei Fernreisen zurückhaltender seien. Besonders hohe Buchungszahlen verzeichneten Malaysia und Thailand.
Unsicherheit prägt Buchungsverhalten
Chattan erklärte, dass Reisende derzeit deutlich flexibler agieren würden als in den vergangenen Jahren. Viele Menschen warteten zunächst die Entwicklung von Ölpreisen, Sicherheitslage und Sonderangeboten ab, bevor sie eine Reise buchten. Der durchschnittliche Buchungszeitraum liege inzwischen nur noch zwischen 14 und 30 Tagen vor Reisebeginn.
Zu den beliebtesten Reisezielen innerhalb der ASEAN-Region zählen laut AirAsia MOVE Kuala Lumpur in Malaysia, Bangkok in Thailand sowie Bali in Indonesien. Außerhalb Südostasiens gehörten Kunming in China, Tokio in Japan und Neu-Delhi in Indien zu den gefragtesten Destinationen. Gleichzeitig bleibe das Interesse von Reisenden aus Europa und Nordamerika an Thailand und Bali weiterhin hoch.
ASEAN-Region punktet mit Preisvorteilen
Als besondere Stärke der ASEAN-Region bezeichnete Chattan die Kombination aus kultureller Vielfalt, Natur, Gastronomie und vergleichsweise günstigen Preisen. Selbst bei einer schwächeren Weltwirtschaft entscheide sich deshalb weiterhin eine große Zahl von Touristen für Reisen nach Südostasien.
Für Thailand sieht AirAsia MOVE einen der stärksten digitalen Reisemärkte der Region. Millennials machen demnach 48 Prozent der Nutzer aus, weitere 25 Prozent entfallen auf die Generation Z. Auffällig sei zudem der hohe Anteil von Alleinreisenden mit 35 Prozent sowie Reisen von Paaren mit 30 Prozent. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer thailändischer Reisender liegt bei 3,8 Tagen. Gleichzeitig buchen Thais ihre Reisen im Durchschnitt nur 21 Tage im Voraus – der niedrigste Wert innerhalb der ASEAN-Staaten.
Reisende suchen gezielt Rabatte
Nach Einschätzung des Unternehmens spiegelt dies jedoch nicht mangelnde Planung wider, sondern vielmehr ein stark ausgeprägtes Preisvergleichsverhalten und die gezielte Suche nach Sonderangeboten. Thailändische Touristen gelten zudem als ausgabefreudig, insbesondere in den Bereichen Shopping, Gastronomie, Cafés und Lifestyle-Angebote.
Malaysia entwickelt sich laut AirAsia MOVE weiterhin stark im Familienreisemarkt. Rund 65 Prozent aller Reisen erfolgen dort als Familienreisen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 4,2 Tage, gebucht wird im Schnitt 28 Tage vor Reisebeginn. Gleichzeitig gilt Malaysia als besonders digital affiner Markt mit hoher Nutzung von Reise-Apps und Online-Paketen.
Erlebnisreisen statt Luxusurlaub
Indonesien zählt nach Angaben des Unternehmens zu den am schnellsten wachsenden Reisemärkten der Region. Besonders stark sei dort der Anteil junger Reisender. Die Generation Z stellt bereits 32 Prozent der Nutzer, während der Anteil von Alleinreisenden binnen eines Jahres um 30 Prozent auf 58 Prozent gestiegen sei. Indonesische Reisende bevorzugten vor allem Erlebnisse, lokale Aktivitäten und Gastronomie statt luxuriöser Unterkünfte.
Auf den Philippinen zeigt sich dagegen ein anderer Trend. Dort verzeichnen Reisende mit durchschnittlich 6,8 Tagen die längsten Aufenthalte innerhalb der ASEAN-Region. Gleichzeitig buchen philippinische Touristen ihre Reisen mit durchschnittlich 35 Tagen Vorlauf deutlich früher als Reisende in anderen südostasiatischen Ländern. Die Ausgaben konzentrieren sich vor allem auf Hotels der mittleren und gehobenen Kategorie.
Steigende Ölpreise belasten Airlines
Als eine der größten Herausforderungen für die Tourismusbranche bezeichnete Chattan die steigenden Ölpreise. Zeitweise seien die Treibstoffkosten um bis zu 300 Prozent gestiegen. Mehrere Fluggesellschaften hätten deshalb ihr Streckennetz angepasst oder Flüge reduziert, um Kosten zu kontrollieren. Die weitere Entwicklung im Nahen Osten müsse insbesondere in der zweiten Jahreshälfte genau beobachtet werden.
Auch mögliche Erhöhungen von Flughafengebühren in Thailand sowie zusätzliche Tourismusabgaben könnten sich laut AirAsia MOVE auf Reiseentscheidungen auswirken. Reisende seien derzeit besonders preissensibel. Höhere Kosten könnten dazu führen, dass Touristen alternative Reiseziele in Betracht ziehen. Das Unternehmen lehne Gebührenerhöhungen zwar nicht grundsätzlich ab, halte jedoch einen späteren Zeitpunkt angesichts der fragilen Wirtschaftslage für sinnvoller.
AirAsia MOVE baut Netzwerk aus
Im Zuge seiner Expansion baut AirAsia MOVE derzeit sein Angebot in China und Indien aus. Kürzlich wurden unter anderem China Southern Airlines und China Eastern Airlines in die Plattform integriert. Nach Angaben des Unternehmens können inzwischen Tickets von mehr als 700 Fluggesellschaften weltweit gebucht werden. AirAsia MOVE positioniert sich damit zunehmend als vollständige Online-Reiseplattform und nicht mehr ausschließlich als Vertriebskanal für AirAsia-Flüge.
Zudem bereitet das Unternehmen gemeinsam mit der Thailändischen Tourismusbehörde (TAT) die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding für den 23. Juni 2026 vor. Ziel der Zusammenarbeit sind gemeinsames Marketing, der Austausch von Reisedaten sowie die Förderung des Thailand-Tourismus. Laut Chattan verfüge AirAsia MOVE über umfangreiche Daten zum Reiseverhalten innerhalb der ASEAN-Staaten, die auch lokalen Tourismusunternehmen bei der strategischen Planung helfen könnten.
Tourismusbranche soll flexibler werden
Gleichzeitig empfiehlt AirAsia MOVE der Tourismusbranche, sich stärker auf neue Reisegewohnheiten einzustellen. Dazu zählen flexiblere Buchungsbedingungen, spezielle Angebote für Familien oder Alleinreisende sowie stärker erlebnisorientierte Reisepakete mit lokaler Gastronomie, Workshops und regionalen Aktivitäten. Auch Preisstaffelungen von günstigen bis hin zu Premium-Angeboten seien wichtig, um unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.
Besonders großes Potenzial sieht das Unternehmen im Wellness- und Gesundheitstourismus. Thailand verfüge bereits über eine starke Position im Bereich Medizintourismus und könne diese im Bereich Prävention, Wellness und Langlebigkeit weiter ausbauen.
Sicherheit prägt Tourismus in Thailand
Abschließend betonte Chattan, dass Sicherheit derzeit der wichtigste Faktor für den thailändischen Tourismus sei. Negative Schlagzeilen könnten das Vertrauen internationaler Reisender unmittelbar beeinträchtigen. Regierung, Privatwirtschaft und Tourismusbranche müssten deshalb gemeinsam daran arbeiten, Vertrauen aufzubauen und die Wettbewerbsfähigkeit Thailands langfristig zu sichern.