Polizeichef: „Koh Tao DNA ist nicht verschwunden“

Berater des Verteidigerteams um Chefjurist Nakhon Chomphuchat (Mitte): Menschenrechtsaktivist Andy Hall von der Organisation ‚Reprieve‘ (links) wurde von wütenden Polizisten aus Phangan und Koh Tao bedrängt.
Berater des Verteidigerteams um Chefjurist Nakhon Chomphuchat (Mitte): Menschenrechtsaktivist Andy Hall von der Organisation ‚Reprieve‘ (links) wurde von wütenden Polizisten aus Phangan und Koh Tao bedrängt.

KOH SAMUI/KOH TAO: Der dritte Prozesstag im Doppelmordfall von Koh Tao ist heute der Tag der Anklagevertreter. Fünf Zeugen, allesamt Polizeiermittler und Mitarbeiter des Polizeilichen Gerichtsmedizinischen Institutes in Bangkok, werden voraussichtlich bis tief in die Nacht hinein detailliert über ihre Morduntersuchungen und Spurenermittlung zwischen dem Mordtag, 15. September und dem Abschluss ihrer Arbeit, dem 30. September 2014 befragt.

Der erste Zeuge, Polizeimajor Sanprasert (33), erklärte dreieinhalb Stunden lang anhand von Protokollen und Tatortfotos der ermordeten Briten Hannah Witheridge (23) und David Miller (24), wie er nach dem Anflug mit einem Polizeihelikopter um 10 Uhr den Tatort sowie entsprechende Spuren vorgefunden hatte. Der leitende Staatsanwalt und der Richter protokollierten jedes auch noch so kleines Detail für die Prozessakten. Und die sieben Verteidiger lauschten sichtlich angespannt.

Für den Vater und Bruder der ermordeten und mehrfach vergewaltigten Urlauberin Hannah Witheridge war das zu viel – sie verließen gegen 10.30 Uhr die Verhandlung und zogen sich zurück. Polizeimajor Sanprasert berichtete auch über die Spurensicherung außerhalb des Fundortes der Leiche sowie die damals weltweit verfolgten Massen-DNA-Tests an mehr als 300 Personen. Erst Anfang Oktober konnten trotz mehrfacher Erfolgsmeldungen der Polizei auf Koh Tao die heute vor Gericht stehenden Tatverdächtigen präsentiert werden: die burmesischen Gastronomie-Hilfsarbeiter Zaw Lin und Wai Phyo (22), die vor Gericht ihre Unschuld beteuern.

Probleme gab es gestern für das Verteidigerteam und ihren britischen Berater Andy Hall von der Menschrechtsorganisation ‚Reprieve‘. Hall berichtete, wie sich Polizeibeamte aus Koh Phangan und Koh Tao massiv beklagten, weshalb er und die Verteidiger „bösartige Menschen unterstützen“ und diese „ihrer gerechten Strafen entziehen“ wollten. Andy Hall versuchte den erzürnten Polizeibeamten zu vermitteln, dass die Verteidiger sehr wohl das Gericht und die Landessitten respektieren. Es sollte im Interesse aller sein, verteidigte sich Hall, dass die tatsächlichen Mörder von Hannah Witheridge und David Miller anhand zweifelsfreier Beweise überführt und verurteilt würden.

In der Mittagspause des heutigen Prozesstages gab Generalmajor Somkiat Kaewmuk, Leiter der Polizeidirektion Region 8 (südliche Provinzen Surat Thani, Nakhon Si Tammarat, Phuket und Chumphon) vor dem Gerichtsgebäude eine Erklärung an die Presse. Somkiat sagte, die Polizeiermittler hätten keine Beweismittel verfälscht oder gar unterschlagen und manipuliert. „Die Auswertung ist nicht unsere Aufgabe“, so Somkiat Kaewmuk, „wir haben die von uns gesammelten Beweismittel an die zuständigen forensischen Institute weitergeleitet.“

Die Verteidiger und die Menschenrechtsorganisation ‚Reprieve‘, die dieses Gerichtverfahren aktiv und mit Spenden unterstützt, hoffen auf eine neutrale Neuuntersuchung der noch vorhandenen DNA-Proben. Laut Auskunft der Polizei soll DNA am und im Körper von Mordopfer Witheridge gefunden worden sein sowie an einer möglichen Tatwaffe, außerdem an Zigarettenstummeln in der Nähe des Fundortes der Leichen von David Miller und Hannah Witheridge.

Entscheidend sei außerdem, sagte Andy Hall gegenüber dem FARANG, dass die später von britischen Ermittlern gesammelten DNA-Spuren ebenfalls von einem unabhängigen, nicht polizeilichen Forensischen Institut ausgewertet werden. Im Laufe des heutigen Verhandlungstages könnte die Entscheidung des Gerichtes fallen, ob das ‚Thai Forensische Institut“ in Bangkok mit seiner renommierten Leiterin Dr. Pornthip Rojanasunand in den Mordfall einsteigen wird.

Der FARANG berichtet weiter.

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