Schiffsstau in Shanghai

​Industrie befürchtet schwere Folgen

Foto: epa/Alex Hofford
Foto: epa/Alex Hofford

BERLIN: Die deutsche Industrie stellt sich wegen eines Schiffsstaus im weltgrößten Containerhafen in Shanghai auf möglicherweise schwerwiegende Folgen ein. Industriepräsident Siegfried Russwurm sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Die deutsche Industrie befürchtet in den kommenden Wochen gestörte Produktionsabläufe. Getroffen sind vor allem Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen sowie den Versand ihrer Fertigprodukte über Seetransporte angewiesen sind.»

Der drohende Stillstand des weltgrößten Containerhafens wirble den globalen Container-Seeverkehr und die internationalen Lieferketten komplett durcheinander, so Russwurm. «Unternehmen und ihre Kundinnen und Kunden bekommen schon jetzt die internationalen Logistik-Turbulenzen zu spüren. Die Transportpreise haben sich in den vergangenen Monaten wegen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Folgen mehr als verdoppelt. Die Niederlassungen deutscher Unternehmen in China arbeiten aktuell bereits im Krisenmodus.»

Wegen eines andauernden Corona-Lockdowns in Shanghai kommt es zu einem Stau von Frachtschiffen im Hafen. Das Exportvolumen des größten Hafens der Welt ist Schätzungen zufolge schon um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Russwurm sagte: «Je länger die Ausgangssperren in China andauern, umso härter sind die wirtschaftlichen Folgen - für die Weltwirtschaft und für die deutsche Exportwirtschaft. Eine kurzfristige Entspannung der maritimen Lieferketten ist nicht in Sicht.»

Die Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft sind wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs und gestiegener Energiepreise bereits gedämpft. Erwartet wird, dass nach Instituten auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am kommenden Mittwoch bei der Vorlage der Frühjahrsprojektion die Prognose der Bundesregierung für das laufende Jahr deutlich herunterschraubt.

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Hartmut Wirth 24.04.22 15:10
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Ich verstehe das ganze Geheule und Gejammere der europäischen Wirtschaft nicht: erst begibt man sich aus "Geiz-ist-geil-Manier" in die totale Abhängigkeit und fann jammert man, wenn die Geschäfte nicht mehr so toll laufen.
Fas kommt eben davon, wenn man nur den Profit sieht (hat man ja im Studium gelernt und dabei offensichtlich den gesunden Menschenverstand verloren)
Und jetzt hat man eben in Europa keine Produktionslinien mehr, auf die man zurückgreifen kann.
Vielleicht lernen diese Manager nun, dass "Selbst ist der Mann" nichts Schlechtes sein muss. Und dass man konkurrenzfähig in Europa produzieren kann, beweisen ja einige große Unternehmen.
Und eas "just in time" bedeuten kann, sieht man ja jetzt.