Nachrichten aus der Wirtschaft am Montag

Porsche-Chef Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobile Holding SE. Foto: epa/Ronald Wittek
Porsche-Chef Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobile Holding SE. Foto: epa/Ronald Wittek

VW-Großaktionär Wolfgang Porsche: «Mannschaftsleistung» entscheidend

WOLFSBURG: Volkswagen-Großaktionär Wolfgang Porsche hat Führung und Mitarbeiter des Konzerns nach dem schwierigen Corona-Jahr zu enger Zusammenarbeit und Ausdauer beim Umbau aufgerufen. «Nur mit einer starken Mannschaftsleistung von Belegschaft, Vorstand und Aufsichtsrat kann man einen Konzern und eine Marke wie Volkswagen durch eine Krise solchen Ausmaßes tragen und in eine neue Richtung bewegen», erklärte er am Montag per Video bei einer Online-Veranstaltung zur Information der Beschäftigten.

Die Annahme des Branchenwandels sei - mit der kurzfristig dazu gekommenen Pandemie - nicht leicht gewesen. «Einmal mehr standen wir alle vor großen Herausforderungen und einer sehr schwierigen Phase für unser Unternehmen», meinte Porsche, der den Aufsichtsrat der VW-Dachgesellschaft Porsche SE leitet. Das sei «mit großer Entschlossenheit und Konsequenz angepackt» worden. Konzernchef Herbert Diess ergänzte, Arbeit im Homeoffice oder unter Hygieneregeln in der Produktion sei für alle anstrengend: «Vielen Dank für Ihren Einsatz und dass wir alle an einem Strang ziehen.»

Laut Betriebsratschef Bernd Osterloh war es ein Kraftakt, den hohen Verlust nach dem zweiten Quartal am Ende noch in einen Gewinn für die VW-Kernmarke zu drehen: «Ihr habt um jedes Fahrzeug gekämpft, ob in Wolfsburg oder anderswo.» Mit dem Hochlauf neuer E-Modelle werde man die EU-Klimaschutzvorgaben umsetzen. In der Hauptmarke war das Flottenziel 2020 schon erreicht worden, während der Gesamtkonzern seine Vorgabe noch knapp gerissen hatte.


EZB-Wertpapierkäufe ziehen deutlich an

FRANKFURT/MAIN: Die Europäische Zentralbank scheint ihre Ankündigung erhöhter Wertpapierkäufe in die Tat umzusetzen. In der vergangenen Woche zogen die Käufe spürbar an, wie aus Daten der EZB vom Montag hervorgeht. Demnach beliefen sich die gesamten Wertpapierkäufe auf 28,7 Milliarden Euro. Die Käufe über das Corona-Kaufprogramms PEPP betrugen 21,1 Milliarden Euro. Das sind jeweils die höchsten Werte seit Anfang Dezember. In der Vorwoche hatten die Käufe deutlich niedriger gelegen.

Die EZB hatte auf ihrer jüngsten Zinssitzung Anfang März angekündigt, die Wertpapierkäufe über ihr Corona-Notprogramm übergangsweise zu beschleunigen. Hintergrund ist der aus den USA nach Europa drängende Anstieg der Kapitalmarktzinsen, der die Finanzierung von Haushalten und Unternehmen verteuert und die wirtschaftliche Entwicklung zu belasten droht. Bisher hatten sich die wöchentlichen Käufe der Notenbank allerdings nicht nennenswert beschleunigt.


Stimmung an den Börsen trotz Lockdown-Sorgen gut

FRANKFURT/MAIN: Am frühen Nachmittag hat der Dax um 0,11 Prozent auf 14.637,19 Punkte zugelegt. Der MDax schaffte es am Montag mit 0,34 Prozent in die Gewinnzone, er stand zuletzt bei 31.729,61 Zählern. Beim Eurozonen-Kursbarometer EuroStoxx standen zeitgleich aber noch moderate Verluste auf der Kurstafel. Der Euro stieg wieder über die Marke von 1,19 US-Dollar, zuletzt wurden 1,1913 Dollar gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1891 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,36 Prozent am Freitag auf minus 0,37 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,07 Prozent auf 145,06 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,11 Prozent auf 171,37 Punkte.


DGB-Institut: Ohne Tarifvertrag längere Arbeit und weniger Lohn

DÜSSELDORF: Betriebe mit Tarifvertrag bieten ihren Beschäftigten nach einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bessere Arbeitsbedingungen als vergleichbare Unternehmen ohne Tarifbindung. Vollzeitbeschäftigte in tariflosen Betrieben arbeiteten bundesweit im Schnitt wöchentlich 54 Minuten länger und verdienten 11 Prozent weniger als Beschäftigte in Betrieben mit Tarifbindung, heißt es in der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung.


Studie: Nutzung von digitalem Banking steigt in Pandemie kräftig

FRANKFURT/MAIN: Digitales Banking hat in der Corona-Pandemie einen Schub bekommen. Im vergangenen Jahr haben in Deutschland drei Millionen mehr Menschen als im Vorjahr Bankgeschäfte über das Internet oder eine Banking-App getätigt, zeigt eine am Montag veröffentliche Studie der Direktbank ING Deutschland und der Beratungsfirma Barkow Consulting. Die Zahl der Nutzer wuchs von 43,8 Millionen auf 46,8 Millionen. Digitales Banking habe den Höhepunkt in Deutschland aber noch lange nicht erreicht, heißt es in dem Papier.


Verbraucher gaben 2020 deutlich mehr für ihre Haustiere aus

DÜSSELDORF: Die Verbraucher in Deutschland haben im Corona-Jahr 2020 deutlich mehr Geld für ihre Haustiere ausgegeben. Insgesamt stieg der Umsatz der deutschen Heimtierbranche um gut 5 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro, wie der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZFF) am Montag mitteilten. Die Zahl der Haustiere erhöhte sich in der Pandemie um fast eine Million auf knapp 35 Millionen. Die Pandemie habe spürbaren Einfluss auf die Entwicklung gehabt, betonte der ZFF-Präsident Norbert Holthenrich. «Heimtiere sind für viele Menschen Familienmitglieder, für deren Gesundheit Tierhalter bereit sind, Geld auszugeben.»


Milliardeninvestition: Deutsche Post DHL will CO2-Ausstoß senken

BONN: Der Logistikriese Deutsche Post DHL will deutlich mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen schicken als bisher. Der Anteil der Stromer auf der letzten Meile - also auf der Strecke bis zur Paketabgabe - soll von 18 Prozent Ende 2020 auf 60 Prozent im Jahr 2030 steigen, teilte der Konzern am Montag in Bonn mit. Sollte der Plan umgesetzt werden, wären Ende dieses Jahrzehnts weltweit mehr als 80.000 E-Fahrzeuge für das Unternehmen unterwegs, derzeit sind es etwa 15.500 in Deutschland. Die Zahl aller DHL-Transporter wird in den kommenden Jahren steigen, die Branche boomt.


NRW verschärft Corona-Auflagen für Buchhandlungen und Gartenmärkte

DÜSSELDORF: Nordrhein-Westfalen hat die Corona-Auflagen für Schreibwarengeschäfte, Buchhandlungen und Gartenmärkte verschärft. Auch für sie gilt künftig - wie zuvor bereits für Modehändler oder Elektronikmärkte - die Pflicht zur Terminvereinbarung und eine Personenbegrenzung von je einem Kunden je 40 Quadratmeter Verkaufsfläche, wie das NRW-Gesundheitsministerium mitteilte. Mit dem Schritt reagierte das Düsseldorfer Gesundheitsministerium auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen, das am Montag alle Kundenbegrenzungen im Einzelhandel und auch die Pflicht zur Terminvereinbarung außer Kraft gesetzt hatte. Nach Auffassung des Gerichts verstießen die Regelungen gegen den verfassungsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz.


Chef der Schweizer Finanzaufsicht soll neuer Bafin-Chef werden

BERLIN: Der Chef der Schweizer Finanzaufsicht Finma, Mark Branson, soll neuer Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin werden. Das teilte das Bundesfinanzministerium am Montag in Berlin mit. Demnach wird der 52 Jahre alte studierte Mathematiker sein neues Amt Mitte des Jahres antreten, nach dpa-Information soll er spätestens am 1. August anfangen. Übergangsweise soll der Chef der Bankenaufsicht Raimund Röseler die Bafin leiten, wie es in informierten Kreisen hieß. Die Bafin war zuletzt im Bilanzbetrugsskandal um das frühere Dax-Unternehmen Wirecard heftig in die Kritik geraten.


Irlands Premier gegen EU-Exportbeschränkungen auf Impfstoffe

DUBLIN: Der irische Regierungschef Michael Martin hat sich vehement gegen Exportbeschränkungen der EU für Impfstoffe oder Impfstoffkomponenten ausgesprochen. «Ich bin sehr dagegen, ich denke es wäre ein sehr rückwärtsgewandter Schritt», sagte Martin dem irischen Rundfunksender RTÉ am Montag. Es sei von elementarer Bedeutung, die Lieferketten nicht zu unterbrechen. Andere Länder könnten sonst nachziehen. «Wenn wir damit anfangen, sind wir in Schwierigkeiten», so der Taoiseach, wie der Premier in Irland genannt wird.

Den Vorstoß von Ursula von der Leyen befürworte er nicht, betonte Martin. Die EU-Kommissionschefin hatte am Wochenende vor allem dem britisch-schwedischen Hersteller Astrazeneca damit gedroht, Exporte zu verbieten. Dabei könnte es um Astrazeneca-Impfstoff gehen, der in den Niederlanden produziert wird. Die EU wirft Großbritannien vor, keine Impfstoffe zu exportieren, während das Land aber von Lieferungen aus EU-Ländern profitiert.

Er verstehe das Problem mit Astrazeneca, es gebe dort erhebliche Spannungen, weil der Hersteller seine Verträge mit der Europäischen Union nicht erfüllt habe, so Martin. Er warnte aber davor, die Lieferketten anderer Impfstoffproduzenten wie Moderna und Johnson & Johnson zu untergraben.


Ikea-Frankreich wegen Vorwurfs der Personal-Bespitzelung vor Gericht

PARIS: Ikea-Frankreich muss sich gut neun Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe wegen des Verdachts auf Ausspähen von Beschäftigten vor Gericht verantworten. Am Montag startete in Versailles bei Paris der Prozess gegen den französischen Ableger des schwedischen Möbelhausgiganten, wie die Deutsche Presse-Agentur von der örtlichen Staatsanwaltschaft erfuhr. Demnach soll der Prozess bis zum 2. April dauern.

Das französische Enthüllungsblatt «Canard Enchaîné» hatte 2012 über eine systematische Bespitzelung berichtet. Die Sicherheitsabteilung der französischen Ikea-Tochter hatte demnach 2003 ein privates Sicherheitsunternehmen gegen Bezahlung beauftragt, dem Unternehmen teils vertrauliche Daten über Personal und Bewerberinnen und Bewerber zu übermitteln - etwa Angaben zu möglichen Vorstrafen oder Bankauszüge. Ähnliche Auskünfte sollen auch zur Kundschaft verlangt worden sein, die mit Ikea im Rechtsstreit lag.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft Versailles berichtete, soll sich das Ausspähsystem über das gesamte Gebiet Frankreichs erstreckt haben. Die externe Sicherheitsfirma soll AFP zufolge zwischen 30.000 und 600.000 Euro im Jahr von Ikea-Frankreich erhalten haben.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Gewerkschaft FO 2012 Anzeige gegen Unbekannt wegen der illegalen Verwendung von Personaldaten erstattet. Neben Ikea-Frankreich müssen sich nun auch Einzelpersonen vor Gericht verantworten, laut AFP allerdings lediglich für den Zeitraum zwischen 2009 und 2012.


Merck-Chef Oschmann warnt vor Impfstoffkrieg

DARMSTADT: Der Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, Stefan Oschman, warnt vor möglichen Exportbeschränkungen für Impfstoffe aus der EU. «Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung, über die ich mir große Sorgen mache. Ein Impfstoffkrieg wird allen schaden», sagte der Manager dem «Handelsblatt» (Montag).

Die Europäische Union lässt bisher die Ausfuhr von Corona-Impfstoffen zu, obwohl in der EU Mangel herrscht. Das könne man den Bürgern kaum noch erklären, hatte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kürzlich gesagt und mit weiteren Exportbeschränkungen, vor allem gegen Astrazeneca und Großbritannien, gedroht. Von der Leyen hatte auch neue Exportauflagen ins Spiel gebracht und dabei auch Exporte in solche Länder infrage gestellt, in denen ein höherer Anteil der Bevölkerung geimpft ist als in der EU - das wären auch die USA.

Dass die Vereinigten Staaten Millionen Impfdosen von Astrazeneca lagern, obwohl ihn die US-Arzneimittelbehörde FDA noch gar nicht zugelassen hat, verteidigte Oschmann: «Mit Blick auf eine erwartete Markteinführung für ein solches Produkt ist das durchaus rational.» Merck produziert unter anderem Einweg-Reaktoren und Filter für die Biotech- und Impfstoffproduktion überwiegend in den USA. «Wenn die EU jetzt anfängt, Exportverbote in die USA zu verhängen, könnte die US-Regierung darauf leicht reagieren und vieles in der europäischen Pharma- und Biotechindustrie lähmen», befürchtet der Merck-Chef.

Auch der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) warnte vor Exportstopps. Für einen Corona-Impfstoff brauche man Hunderte Bestandteile und Hilfsmittel, die von überall auf der Welt geliefert und in Vorbearbeitungsstufen zwischen verschiedenen Ländern ausgetauscht würden. Wenn nun immer mehr Länder zu einseitigen Exportstopps griffen, komme irgendwann die ganze Logistikkette ins Straucheln, so der vfa. «Das können weder Deutschland noch die EU, obwohl sie starke Produktionsstandorte sind, wegstecken.»


E-Tankstelle mit Strom aus Tidenhub öffnet auf Shetland-Insel

CULLIVOE: Die Kraft der Gezeiten können Fahrer von E-Autos jetzt auf der Shetland-Insel Yell in der Nordsee nutzen. Im Ort Cullivoe eröffnete eine Tankstelle, die Energie aus dem Tidenhub des Meeres in Strom verwandelt, wie das Unternehmen Nova Innovation am Montag mitteilte. Es handele sich um die erste Tankstelle ihrer Art. Auf den zu Schottland gehörenden Inseln wird die Energiequelle schon seit mehreren Jahren für die Versorgung von Häusern genutzt.

Der schottische Verkehrsminister Michael Matheson lobte: «Diese Art von Innovation ist der Schlüssel, um auf den globalen Klimanotfall zu reagieren.» Die schottische Metropole Glasgow richtet im November die internationale Klimakonferenz aus.

Lob kam auch von Umweltschützern. «Unsere Inseln verfügen über eine Fülle erneuerbarer Ressourcen, einschließlich Wind, Gezeiten und Sonne», sagte Fabrice Leveque von der Organisation WWF. «Wenn sie sorgfältig genutzt werden, können sie abgelegenen und ländlichen Gemeinden in ganz Schottland zahlreiche wirtschaftliche und soziale Vorteile bringen.»


EU-Kommission: Millionen Menschen profitieren von EU-Corona-Hilfe

BRÜSSEL: Die EU-Kommission hat ein positives Zwischenfazit zu einem 100-Milliarden-Corona-Programm für Kurzarbeiterhilfen gezogen. Es habe dazu beigetragen, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit in teilnehmenden Mitgliedstaaten während der Krise deutlich geringer ausgefallen sei als während der weltweiten Finanzkrise, teilte die Brüsseler Behörde am Montag mit. Demnach wurden 2020 zwischen 25 und 30 Millionen Menschen aus 18 EU-Ländern durch Mittel aus dem Sure-Programm unterstützt.

Mit dem Programm nimmt die Kommission mit Hilfe von Garantien der EU-Staaten Kredite am Finanzmarkt auf und reicht sie weiter. Günstig ist das für Staaten, die selbst - anders als Deutschland - am Finanzmarkt mehr Zinsen bezahlen müssten. Die EU-Kommission schätzt, dass so rund 5,8 Milliarden Euro Zinsen eingespart wurden.

Neben den Menschen hätten geschätzt 1,5 bis 2,5 Millionen Unternehmen von dieser Form der Corona-Hilfe profitiert. Von möglichen 100 Milliarden Euro wurden nach Angaben der EU-Kommission bis Anfang Februar mehr als 90 Milliarden zugesagt und 53,5 Milliarden ausgezahlt.

Das Sure-Programm ist der bislang am stärksten genutzte Teil des zu Beginn der Corona-Krise von den EU-Staaten vereinbarten Hilfspakets im Umfang von 540 Milliarden Euro. Neben Sure gibt es den für rasche Hilfe an den Mittelstand angekündigten Europäischen Garantiefonds, der allein 200 Milliarden Euro mobilisieren sollte sowie den Eurorettungsfonds ESM im Umfang bis zu 240 Milliarden Euro. Sowohl der Garantiefonds als auch der ESM sind bislang kaum in Anspruch genommen worden.


Russland will Flüssiggas-Produktion verdreifachen

MOSKAU: Russland will in den kommenden 15 Jahren die Produktion von Flüssiggas verdreifachen. Jährlich sollen dann 140 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas (LNG) hergestellt werden. Das beschloss die russische Regierung am Montag in der Hauptstadt Moskau. Um das Ziel zu erreichen, will Russland künftig Unternehmen stärker fördern, mehr russische Technologien bei der Herstellung einsetzen und Anreize für die Erkundung der rohstoffreichen Arktis schaffen. Potenzial für einen Ausbau der Produktion sieht Moskau beispielsweise am Nordpolarmeer und am Pazifik.

20 Prozent des weltweit verfügbaren Flüssiggases sollten in Zukunft aus Russland kommen, sagte Vize-Regierungschef Alexander Nowak. LNG werde zur Stromerzeugung genutzt, aber auch als Treibstoff für Fahrzeuge und Schiffe. Die Nachfrage nach Flüssiggas werde schneller wachsen als die nach Pipeline-Erdgas, prophezeite Nowak.

Russland beliefert etwa Europa über Leitungen mit Erdgas. Gestritten wird derzeit über die Fertigstellung der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die die USA auf den letzten Metern verhindern wollen. Befürworter der Gasleitung werfen den Amerikanern vor, nur ihr Flüssiggas in Europa verkaufen zu wollen. Die US-Regierung ist gegen das Projekt, weil sie eine zu große Abhängigkeit ihrer Partner in Europa von Russland befürchtet.


Notenbankchef-Entlassung lässt türkische Finanzmärkte abstürzen

ISTANBUL: In der Türkei haben die Finanzmärkte mit drastischen Kurseinbrüchen auf die überraschende Entlassung des Notenbankchefs des Landes reagiert. Am Montag gerieten die türkische Währung, die Börse in Istanbul und Staatsanleihen des Schwellenlandes massiv unter Druck. Zeitweise verlor die türkische Lira über 15 Prozent an Wert.

Am Vormittag machte die Lira allerdings einen Teil der frühen Verluste wieder wett. Zuletzt wurden am Devisenmarkt für einen US-Dollar 7,93 Lira gezahlt. Auch zum Euro stand die Lira stark unter Druck und wurde zuletzt für 9,44 Lira je Euro gehandelt.

Eine ähnlich verheerende Wirkung zeigte der überraschende Wechsel an der Spitze der türkischen Notenbank bei der Kursentwicklung von Staatsanleihen. Die in der heimischen Währung begebenen Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren erlitten einen heftigen Kurseinbruch, während die Rendite im Gegenzug um mehr als drei Prozentpunkte anstieg. Auch am türkischen Aktienmarkt gab es einen Ausverkauf. Der türkische Aktienindex BIST National 100 fiel im Vormittagshandel um 9,66 Prozent auf 1381,22 Punkte.

In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Zentralbankchef Naci Agbal nach nur wenigen Monaten im Amt entlassen. Die Entscheidung erfolgte kurz nachdem die türkische Notenbank den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation überraschend deutlich um 2,0 Prozentpunkte auf 19 Prozent angehoben hatte. Neuer Notenbankchef wird der staatliche Nachrichtenagentur Anadolu zufolge Sahap Kavcioglu, ehemaliger Abgeordneter von Erdogans Regierungspartei AKP. Zuvor hatte sich Erdogan immer wieder für niedrigere Zinsen stark gemacht.


Büronachfrage eingebrochen - Unternehmen halten sich zurück

FRANKFURT/MAIN: Die Nachfrage nach Büros in deutschen Großstädten ist in der Corona-Krise und im Trend zu mehr Homeoffice eingebrochen. Die Nachfrage gemessen an der Fläche ging 2020 in den sieben größten Städten um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück, berichtete der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) am Montag in Frankfurt. Auch die ersten Wochen des neuen Jahres zeigten allenfalls eine verhaltene Entwicklung. Im Jahresverlauf dürfte sich die Nachfrage zwar um 10 bis 15 Prozent erholen, aber das Minus nicht mehr ausgleichen.

Die Rückgänge 2020 gingen demnach quer durch die Bank. Besonders stark sei der Büromarkt in Stuttgart mit einem Nachfragerückgang von 56 Prozent getroffen worden. Berlin und München (minus 25 Prozent) kamen etwas glimpflicher davon. Nach Jahren des Aufschwungs am Büromarkt hielten sich Unternehmen angesichts des Wirtschaftseinbruchs in der Pandemie zurück, erklärte JLL.

«Fakt ist, dass wir an einem Wendepunkt stehen mit steigenden Leerständen», schrieb Helge Scheunemann, Head of Research JLL Deutschland. Wichtig sei nun, was auf der Angebotsseite passiere. «Ein zu hohes Bauvolumen könnte bei einer schwachen Nachfrage einen Mietpreisruck nach unten auslösen.» Vermieter kämen Unternehmen bereits mit Nachlässen entgegen.

Es sei davon auszugehen, dass der Leerstand im Schnitt der sieben größten deutschen Städte von zuletzt 3,7 Prozent auf 4,5 Prozent in diesem Jahr steigen werden. Der Leerstand sei im historischen Vergleich aber niedrig und stütze den Markt. Bei vielen Unternehmen liefen nun Mietverträge aus den Boomjahren aus, was sie zum Handeln zwinge. Bei Firmen gebe es eine gewisse Homeoffice-Müdigkeit. «Die Euphorie zu Beginn der Pandemie hat sich gelegt», sagte Heunemann.


Kylie Jenner muss für Spendenaufruf viel Kritik einstecken

BERLIN: TV-Sternchen und Jungunternehmerin Kylie Jenner ist auf Twitter für einen Spendenaufruf heftig kritisiert worden. Wie das Promiportal «TMZ» und die britische Boulevardzeitung «The Sun» berichteten, rief die 23-Jährige in einer Instagram-Story dazu auf, die Spendenseiten ihres ehemaligen Visagisten zu besuchen. Nach einem Unfall versuche seine Familie 120.000 Dollar (knapp 100.900 Euro) für die medizinische Behandlung zu sammeln. Auf der Liste der Spender steht auch der Name Kylie Jenner. Darunter die Summe: 5000 Dollar. Beide Medien posteten einen Screenshot der Instagram-Story.

Der Aufruf erzürnte mehrere Twitter-User. Ein Nutzerin nannte es kühn, um Spenden zu bitten, obwohl sie eine Milliarde Dollar wert sei: «Ich schäme mich so für sie». Ein anderer wandte sich direkt an die Unternehmerin: «Ich gebe Dir eine #Milliarde Gründe, warum du das Geld selber zahlen solltest.» Eine andere merkte an: «Kylie Jenner hat ihrem kleinen Kind eine Handtasche für 15.000 Dollar gekauft, fragt ihre Fans aber nach Geld.»

Als jüngstes Mitglied des Jenner-Kardashian-Familienclans, der derzeit wohl berühmtesten TV-Familie der USA, hat Kylie Jenner alle anderen übertroffen. «Forbes» hatte sie im Juni 2020 zum bestbezahlten Promi des Jahres erklärt. Nach Aufstellung des US-Wirtschaftsmagazins verdiente Jenner in den vergangenen zwölf Monaten mit 590 Millionen Dollar mehr als jeder andere Prominente weltweit. Im Jahr zuvor hatte «Forbes» Jenners Reichtum auf eine Milliarde Dollar geschätzt.


Ölpreise geben nach

SINGAPUR: Die Ölpreise sind am Montag leicht gesunken. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete am Morgen 64,22 US-Dollar. Das waren 31 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass amerikanisches Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) fiel um 26 Cent auf 61,16 Dollar.

Damit konnten sich die Ölpreise nach starken Verlusten in der Vorwoche zunächst nicht erholen. In der vergangenen Woche waren die Ölpreise wegen Sorgen vor einem zu hohen Angebot auf Wochensicht so stark gefallen wie seit dem vergangenen Oktober nicht mehr.

Marktbeobachter verwiesen außerdem auf jüngste Entwicklungen in der Corona-Krise. Mit Deutschland steuert eine der führenden Volkswirtschaften auf eine Ausweitung der Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie zu. Damit haben Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturerholung und eine stärkere Nachfrage nach Rohöl einen Dämpfer erhalten.

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