RIAD: In Saudi-Arabien vermittelten die USA zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe im Schwarzmeer-Konflikt. Details zur zweiten Gesprächsrunde blieben zunächst unklar. Bereits zuvor hatten Delegationen aus den USA und Russland intensiv verhandelt. Dabei ging es auch um einen 30-tägigen Waffenstillstand und das Ende gegenseitiger Angriffe auf Energieanlagen.
Erste Vereinbarungen sehen vor, jegliche militärische Gewalt gegen zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer zu unterlassen. Laut offiziellen Mitteilungen aus dem Weißen Haus sollen Handelsschiffe auch nicht für militärische Zwecke eingesetzt werden. Die USA versprachen Russland zudem Unterstützung beim Export von Getreide und Düngemitteln, wozu niedrigere Versicherungsraten und vereinfachte Hafengebühren gehören sollen, berichteten staatliche russische Agenturen wie Tass und Ria Nowosti.
Moskau fordert Lockerung der Sanktionen
Russland knüpft seine Zusage jedoch an weitreichende Bedingungen. Moskau fordert die Aufhebung westlicher Sanktionen, insbesondere den Zugang russischer Banken zum Finanzsystem Swift sowie die Aufhebung von Importverboten für Landwirtschaftstechnik. Die Regierung von Präsident Putin legte außerdem eine detaillierte Liste von Energieanlagen vor, deren Beschuss eingestellt werden soll. Diese umfasst Raffinerien, Kraftwerke sowie Atom- und Wasserkraftwerke. Laut Kreml gelte die Liste seit einem Telefonat zwischen US-Präsident Trump und Präsident Putin am 18. März bereits als abgesprochen.
Die USA wollen den Konflikt diplomatisch schnell beenden. Der US-Sondergesandte Steve Witkoff deutete an, dass die Ukraine möglicherweise auf einen Nato-Beitritt verzichten und Gebietsverluste akzeptieren müsse. Über die Zugeständnisse, die Washington von Moskau fordert, wurde nichts bekannt.
Russischer Angriff überschattet Gespräche
Die Verhandlungen wurden überschattet von einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Sumy, bei dem mindestens 88 Menschen, darunter 17 Kinder, verletzt wurden. Laut ukrainischer Stadtverwaltung wurden eine Schule, ein Krankenhaus und mehrere Wohngebäude beschädigt. Präsident Selenskyj betonte, solche Angriffe machten den Frieden umso dringender, und Russland müsse zum Frieden gezwungen werden.
Das US-Außenministerium erklärte, dass Vorfälle wie der Angriff auf Sumy die Notwendigkeit der laufenden Gespräche verdeutlichten. Gleichzeitig beklagte Russland den Tod von drei russischen Journalisten nahe der Front in der Ostukraine. Moskau beschuldigte die ukrainische Armee des vorsätzlichen Angriffs und forderte eine Sitzung des Weltsicherheitsrates.
Fortsetzung der Gespräche geplant
Bereits zuvor hatten Vertreter aus Moskau und Washington über zwölf Stunden über technische Fragen zur Sicherheit der Schifffahrt verhandelt. Beide Seiten bezeichneten die Gespräche als konstruktiv und kündigten eine Fortsetzung an. Dabei sollen künftig auch die Vereinten Nationen und weitere Staaten beteiligt werden.
Parallel zu diesen diplomatischen Bemühungen unterstützen westliche Länder, darunter Großbritannien, seit Monaten ukrainische Exporte über einen alternativen Seekorridor, nachdem Russland die Schwarzmeer-Initiative verlassen hatte. Dank internationaler Hilfe gelang es der Ukraine, im Jahr 2024 fast 100 Millionen Tonnen Fracht über Odessa zu exportieren, trotz der anhaltenden Bedrohung durch russische Angriffe.
Die Lage im Schwarzen Meer bleibt kritisch. Erst kürzlich starben mehrere syrische Seeleute bei einem russischen Angriff auf ein Frachtschiff in Odessa. Dennoch wecken die jüngsten Gespräche Hoffnung auf eine weitere Deeskalation.
Die USA sagten der Ukraine zudem Unterstützung bei der Rückholung gefangener Soldaten und verschleppter Kinder zu, was angesichts internationaler Aufmerksamkeit und Kritik an Russland zunehmend in den Fokus rückt.
Das Schwarze Meer bleibt trotz diplomatischer Fortschritte ein angespanntes Krisengebiet, in dem internationale Bemühungen zur dauerhaften Befriedung weitergehen.