Massenflucht nach Thailand nach Razzia

Myanmarisches Militär stürmt Scam-Komplex – Hunderte fliehen über Grenze

Thailändische Soldaten bewachen geflüchtete Männer aus dem Betrugszentrum KK Park nach ihrer Festnahme. Foto: Royal Thai Army
Thailändische Soldaten bewachen geflüchtete Männer aus dem Betrugszentrum KK Park nach ihrer Festnahme. Foto: Royal Thai Army

TAK: Nach einem militärischen Einsatz in Myanmar sind fast 700 Menschen aus einem der berüchtigtsten Betrugszentren des Landes über den Moei-Fluss in die thailändische Provinz Tak geflohen. Wie Gouverneur Sawanit Suriyakul Na Ayutthaya mitteilte, handele es sich um 677 Personen, die aus dem sogenannten KK Park geflohen seien. Laut dem thailändischen Militär befanden sich unter den Festgenommenen 618 Männer und 59 Frauen – überwiegend aus Indien und China, daneben aus Vietnam, Pakistan, Indonesien und weiteren Ländern.

Das myanmarische Militär habe die Kontrolle über das Gelände übernommen und eine Inspektion eingeleitet, teilte es in einer Erklärung mit. Zahlreiche Personen seien daraufhin in Richtung Thailand geflohen. Am Donnerstagmorgen (23. Oktober 2025) versammelten sich nach AFP-Angaben mehr als 100 weitere Menschen mit Koffern und Rucksäcken an einem Grenzübergang auf der myanmarischen Seite. Ein örtlicher Fahrer schätzte, dass insgesamt etwa 700 Personen in der Nacht illegal die Grenze überquert hätten.

Betrugsnetzwerke nutzen Satelliteninternet

Betrugszentren, in denen Internetkriminelle Opfer mit Liebes- oder Geschäftsmaschen täuschen, haben sich entlang der schwer kontrollierbaren Grenzregionen Myanmars seit dem Militärputsch 2021 stark verbreitet. Eine im Februar gestartete Großrazzia führte zur Rückführung von rund 7.000 Beschäftigten, woraufhin Thailand eine grenzüberschreitende Internetblockade verhängte. Dennoch ergab eine AFP-Recherche im Oktober, dass der Ausbau mehrerer Anlagen weitergeht – inzwischen mit zahlreichen Starlink-Satellitenempfängern. SpaceX teilte diese Woche mit, rund 2.500 Starlink-Geräte deaktiviert zu haben, nachdem sie möglicherweise für illegale Zwecke genutzt worden seien.

Militär- und Provinzbeamte in Tak koordinieren nach dem Grenzübertritt humanitäre Sofortmaßnahmen. Foto: Royal Thai Army
Militär- und Provinzbeamte in Tak koordinieren nach dem Grenzübertritt humanitäre Sofortmaßnahmen. Foto: Royal Thai Army

Während viele Arbeiter in die meistbefestigten Anlagen verschleppt werden, schließen sich andere freiwillig an, in der Hoffnung auf höhere Einnahmen im milliardenschweren Betrugsgewerbe. Gouverneur Sawanit erklärte, dass Einwanderungsbeamte und Militär „gemeinsam humanitäre Hilfe geleistet“ hätten. Alle Personen würden nun überprüft, um festzustellen, ob sie Opfer von Menschenhandel sind oder wegen illegalen Grenzübertritts belangt werden.

Weitere Flüchtlinge werden erwartet

Nach Angaben der Provinzverwaltung Tak handelt es sich bei den Geflüchteten um ausländische Staatsangehörige beiderlei Geschlechts, und weitere Übertritte werden erwartet. Die indonesische Nachrichtenagentur Antara berichtete unter Berufung auf die Botschaft in Yangon, dass bis Mittwochabend (22. Oktober 2025) etwa 20 Indonesier erfolgreich den Moei-Fluss überquert hätten.

Flüchtlinge aus Myanmar warten in einem provisorischen Zeltlager auf ihre Registrierung durch die Behörden. Foto: Royal Thai Army
Flüchtlinge aus Myanmar warten in einem provisorischen Zeltlager auf ihre Registrierung durch die Behörden. Foto: Royal Thai Army

Beobachter werfen Myanmars Militär seit Langem vor, Betrugszentren zu dulden, die den mit der Armee verbündeten Milizen hohe Gewinne verschaffen. Trotz chinesischen Drucks, gegen die kriminellen Netzwerke vorzugehen, gelten viele der militärischen Razzien als symbolische Aktionen, um Peking zu beschwichtigen, ohne die lukrativen Geschäfte ernsthaft zu gefährden. Nach UN-Angaben wurden allein 2023 Opfer in der Region um bis zu 37 Milliarden US-Dollar betrogen – weltweit dürften die Verluste deutlich höher liegen.

Rücktritt nach Vorwürfen zu Cyberbetrug

Auch andere Länder in der Region gehen gegen Cyberbetrug vor. In Thailand trat am Mittwoch Vizeminister für Finanzen Vorapak Tanyawong zurück, nachdem Medienberichte ihn mit Cyberscam-Operationen in Kambodscha in Verbindung gebracht hatten.

In Kambodscha wiederum deportierten die Behörden vergangene Woche 64 Südkoreaner, denen Beteiligung an Betrugsnetzwerken vorgeworfen wird, und nahmen am Donnerstag 57 weitere Südkoreaner sowie 29 Chinesen in Phnom Penh fest.

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