Mango – die heilende Frucht

Foto: epa/Piyal Adhikary
Foto: epa/Piyal Adhikary

Schon vor 4.000 Jahren soll die Mango in Indien und den Mittelgebirgen Burmas kultiviert worden sein, weswegen sie früher oft als die indische Mango bezeichnet wurde. Deshalb ist es kein Wunder, dass es besonders in Indien viele verschiedene Märchen, Sagen und Volkserzählungen über die Mango bzw. den Mangobaum gibt. Dabei geht es immer um die besonderen Eigenschaften einer Mango, sei es, dass sie ewige Jugend verspricht, die Heilung von Krankheiten oder sogar umgekehrt giftig sein kann.

Nach einer dieser alten Legenden wandelten einst die göttlichen und starken Zwillinge Dasra und Nasatya (bekannt als die beiden Ashvins) unter den Menschen, um sie zu beobachten. Um ihren goldenen Hautschimmer zu verbergen, bedeckten sie diese mit schmutzigen Schlamm und trugen alte Bettlerkleidung mit einer Kapuze. Sie wurden wegen ihres Aussehens von den Menschen verachtet und manche Jugendliche wollten sie von der Straße stoßen. Schon dachten sie daran, diesen eine Lektion zu erteilen, als ein greiser Bauer sich plötzlich zwischen ihnen stellte, um die beiden Bettler zu beschützen, sodass die jungen Leute beschämt davonliefen. Der Bauer nahm sie mit zu sich nach Hause, und obwohl er selber kaum was zu essen hatte, schlachtete er sein letztes Huhn, und servierte es den unerkannten Zwillingen, dass sie zu Kräften kamen und weiter wandern konnten. Von solch Mut und Mitgefühl beeindruckt, gaben sie dem Bauern beim Abschied einen Mangosamen aus dem Götterwald Himavanta (Thai-Version Himmaphan), den er am Abend bei Vollmond einpflanzen sollte, und wenn er die erste Frucht sähe, solle er diese bei Vollmond essen. Als es der Bauer tat wie ihm erklärt wurde, brauchte der Samen nur einen Monat, denn am nächsten Vollmond wurde aus dem Samen ein junger Baum der unter der Last einer einzigen goldigen Mango-Frucht (Nam dok mai) schon fast zerbrach. Als der Bauer die Frucht zu sich nahm, wandelte er sich zum gesunden Jüngling zurück, und erkannte nun in den Zwillingen, dass die Götter ihm es gut dankten.

Der Mangobaum in der Heilkunst

Ein Mangohändler im indischen Bangalore. Jagadeesh Nv
Ein Mangohändler im indischen Bangalore. Jagadeesh Nv

Vielleicht waren die alten Sagen und Erzählungen ein Grund mehr, dass die Hindus schon in frühen Zeiten die Mango-Frucht so verehrten und sie zur Nationalfrucht Indiens wurde. Mangoblüten werden mit hinduistischen Gottheiten in Verbindung gebracht und sind ein wichtiges Liebesmotiv in der hinduistischen Dichtung. In den hinduistischen Veden wird sie sogar als Götterspeise beschrieben, woraus die Götter den Unsterblichkeits- oder auch den Lebenstranktrank Amrita herstellten, ähnlich wie das sagenhafte Ambrosia der griechischen Götter. Von gläubigen Buddhisten wird der Mangobaum auch als ein besonderer Baum angesehen, soll doch Buddha einst im Schatten eines Mangobaumes meditiert haben. In der alten indischen Heilkunst Ayurveda und in de Volksmedizin ist der Mango-Baum ein Symbol für Kraft und Stärke und nimmt seit Tausenden Jahren deshalb einen besonderen Platz unter den heilenden Kräutern, Früchten und Pflanzen ein. So werden nicht nur der Frucht, sondern allen Bestandteilen eines Mangobaumes unterschiedliche Heilwirkungen zugeschrieben. So mag es kein Wunder sein, dass es etliche Rezepte und Empfehlungen gibt:

Das rötliche Harz der Zweige soll schweißtreibend wirken, den Körper reinigen und den Kreislauf anregen, und der Baumsaft sogar äußerlich bei Hautpilz heilend wirken. Ein Sud aus jungen Blättern und Zweigen hilft gegen Mandelentzündung und Zahnschmerzen, und wer es regelmäßig gurgelt, pflegt damit Zähne und Zahnfleisch. Bei Verdauungsproblemen wirkt das Fruchtfleisch beruhigend, weil es gut verdaulich und säurearm ist. Mangoblüten können gegen Durchfall, Wurmbefall und Blasenentzündung wirksam sein. In der Rinde befindet sich der Wirkstoff Chionin (Mangiferin), der bis heute in der indischen und chinesischen traditionellen Medizin verwendet wird, er soll u.a. gegen Rheuma, unsauberes Blut und Diphterie heilend wirken. Sogar die Asche der verbrannten Blätter wurden in früheren Zeiten als ein Mittel gegen Verbrennungen eingesetzt. Und es gibt viele weitere Heileigenschaften und Rezepturen, die man nicht alle in einen Beitrag aufführen kann.

Mango-Holz hat eine große Nachfrage

Ein ausgewachsener Mangobaum erreicht eine Wuchshöhe von über 40 Metern. Foto: epa/Mohamed Messara
Ein ausgewachsener Mangobaum erreicht eine Wuchshöhe von über 40 Metern. Foto: epa/Mohamed Messara

Ein großer ausgewachsener Mangobaum erreicht eine Wuchshöhe von über 40 Metern, einen Durchmesser von 1 bis 1,5 Meter und einer mächtigen Baumkrone von etwa 20 bis 25 Metern. Es gibt auf etlichen Privatgrundstücken ein oder mehrere Mangobäume, die übrigens ein beliebter Aufenthaltsort für rote Baumameisen sind. Diese bauen ihre Nester aus den schmalen bis zu 15 cm langen Blättern. Bei der Ernte bzw. dem Pflücken einer Mango muss man deshalb aufpassen, nicht ein Nestblatt auf den Kopf zu bekommen. Die Baumameisen werden dabei sehr aggressiv. Solche Prachtexemplare können dabei bis zu 10.000 prächtige weiße und rosafarbene Blüten haben, von denen aber nur ein geringer Teil bestäubt wird. Bis aus den Blüten dann wohlgeformte Früchte werden, kann es, je nach Sorte, 3 bis 6 Monate bis zur Ernte dauern. In der Regel ist der Baum ganzjährig voller dunkelgrüner Blätter, die immer nachwachsen, wobei die nachwachsenden Blätter zunächst rötlich-grün sind und nach kurzer Zeit dunkelgrün werden. Die meisten Mangobäume auf Obstfarmen haben eine Durchschnittshöhe von etwa 12 bis 20 Metern und eine dortige Lebensdauer von maximal 10 bis 15 Jahren. Bilden dann die Bäume immer weniger Früchte, dann werden sie gefällt. Diese „Nebenprodukt“ der Mango-Plantagen wurde früher nur als Brennholz verwendet, inzwischen aber wird es rentabel verkauft. Das Holz des Baumes ist hell, faserig, relativ weich und wird heute sehr gerne zur Herstellung von Möbeln, Fußböden, Kisten und Booten genutzt. Seit einigen Jahren ist die Nachfrage nach dem hellen „modernen“ Holz auch in Europa gestiegen, auch weil es eine ähnliche Festigkeit wie Teak-Holz und eine besondere einmalige Maserung hat. Unter den Harthölzern ist Bambus und Eiche härter als Teakholz, und Mango-Holz hat eine ähnliche Härte wie Teak.

Die fruchtige Mango-Frucht

Mangos sind bei Groß und Klein gleichermaßen Beliebt. Foto: epa/Jagadeesh Nv
Mangos sind bei Groß und Klein gleichermaßen Beliebt. Foto: epa/Jagadeesh Nv

In Thailand ist die Mango-Saison von etwa März bis etwa Ende Juni. Weltweit soll es bereits bis zu tausend Mangosorten geben. Mindestens ein Dutzend verschiedener Sorten von Mangos werden heute alleine in Thailand angebaut. Viele davon sind eigene Züchtungen, die so beliebt geworden sind, dass Thailand zu einem der größten Exportländer Asiens gehört, nach Indien und China. Die thailändischen Mangos haben ein Durchschnittsgewicht von 300 bis 700 Gramm, aber es gibt auch Sorten, die zwischen 700 Gramm bis 1,5 Kilogramm wiegen. Je nach Sorte kann das aromatische Fruchtfleisch grünlich, gelblich und, meistens bei Überreife, auch rötlich sein. Eine überreife Mango erkennt man daran, dass sich auf der Schale schwarze Punkte gebildet haben. Die Farbe der Schale ist grün bis rötlich und der Geschmack sauer bis süß; je nach Reifegrad und Sorte. Mangos sind oval, werden bis zu 20 cm lang und kommen der europäischen Obstsorte Pfirsich am nächsten, allerdings ist das Fruchtfleisch der normal reifen Mangos etwas fester. Die dünne und glatte Schale, die übrigens NICHT essbar ist und zu einer allergischen Reaktion führen könnte, lässt sich leicht mit einem Messer oder Obstschäler entfernen. Wer generell hautempfindlich ist, sollte die Schale vor dem Schälen abwaschen oder Einweghandschuhe anziehen. Um möglichst viel Fruchtfleisch zu erhalten, empfiehlt sich ein Sparschäler. Zur Mitte hin kann, je nach Sorte, das Fruchtfleisch faseriger werden. Dieses Fruchtfleisch ist bei einigen Sorten nur schwer vom großen, flachen Kern zu lösen und wird meisten vom Kern abgeknabbert.

Mangos enthalten die wichtigen Vitamine A, B und C, Calcium, Kalium, Folsäure und Magnesium sowie etwas Betacarotin und polyphenolische Antioxidantien.

Mango-Zubereitung in Thailand

Die Thais essen Mangos auf vielerlei Weise. Manche werden auf herkömmliche Art im vollen Reifezustand als Nachtisch oder zwischendurch gegessen. Dabei wird die Mangofrucht meistens längsseits in drei Scheiben geschnitten. Andere werden als Salat zubereitet oder dienen als Zutat für weitere Speisen. Hierzu wird die Sorte khiao sa woei oft verwendet. Wieder andere Sorten dienen der Herstellung von u.a. Marmelade, Trockenobst oder Gewürztunken. Eine weit verbreitete Art ist es auch, gereifte Mango mit gesüßter Kokosmilch übergossenem Klebereis zu essen. Hierzu eignet sich am besten die hellgelbe Sorte ok rong und die Sorte nam dok mai. Die Sorten ok rong und nam dok mai werden meistens im voll ausgereiften Zustand gegessen. Zu beachten ist, dass der gleichzeitige Verzehr von Mangos mit Milch oder Alkohol bei einigen Leuten zu kurzfristigen Magenkrämpfen führen kann!

Den reifen Zustand kann man bei einigen Sorten an den klebrigen Flecken auf der Haut erkennen. Schwarze Punkte auf der Haut bedeutet, dass die Frucht überreif ist und ihren Geschmack größtenteils verloren hat. Sehr lecker schmecken auch die getrockneten Mangos (mamuang khem), die man auf vielen Märkten angeboten bekommt. Auch in Essig eingelegte Mangos (ma-muang dong) und in Zuckerwasser gesüßte Mangos (ma-muang chä im) sind in Thailand beliebt. Eine kleine Verwandte der Mango-Familie ist übrigens die Mombinpflaume, die in Südostasien, Mittel- und Südamerika sowie im indischen Raum angebaut wird. Die reife Frucht kann, je nach Sorte goldgelb, tiefrot oder violett sein, wird etwa 4 cm lang und 2 bis 3 cm breit. Wie die große Mango hat sie einen großen Kern und eine weiche Schale. Das feste Fruchtfleisch ist leicht säuerlich und wird deshalb gerne mit Zucker gesüßt gegessen, meistens jedoch in Curry-Gerichten verwendet. Man wird sie häufiger auf Märkten im indischen Viertel finden.

Mangokernöl und Mangokernbutter

In Indien eher und in Deutschland weitaus weniger bekannt ist, dass aus den getrockneten Mangokernen, die bei uns in der Regel im Müll landen, auch Mango-Kernöl sowie Mango-Butter hergestellt werden kann und hergestellt wird! In seiner Eigenschaft ist es mit Kakaobutter zu vergleichen, weshalb es auch zur Herstellung von Schokolade verwendet wird. In Indien wird es als Margarine und Backfett verkauft und in Deutschland eher als Kosmetikprodukt bzw. als Zusatzstoff in Kosmetik- und Pflegeprodukten.

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Leserkommentare

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TheO Swisshai 01.10.17 14:56
Überdosis
Mit 18 ging ich für 6 Monate nach Südamerika. Die erste Station war Brasilien. Ich ladete bald in Arajal d' Achuda, eine kleine Ortschaften bei Porto Securo im Staat Bahia. Ich fand eine günstige und schöne Unterkunft, nicht weit vom Strand und blieb 2 Monate dort. Zum Frühstück gab es nur Kaffee, Mangosaft, frische Mango, Toastbrot mit Mangokonfitüre und Mangojoghurt, wobei ich Kaffee nicht mag. Vermutlich hatte ich damals eine Überdosis erwischt, jedenfalls hab ich seither niemals mehr Mangos angerührt, gesund hin oder her.
Hansruedi Bütler 30.09.17 21:54
"Nong-Pau, Mangos und ein Dieselkanister"
Khun Wilfried, jetzt ist mir alles klar, warum Nong-Pau so süchtig nach Mangos war. Noch heute, wenn sie meine Stimme hört, kommt sie angerannt. Neulich war ich mit dem Nachbarn bei einem Gespräch, als mich plötzlich etwas von hinten anstupste - natürlich Nong-Pau.