Kreml beklagt Hysterie nach Mobilmachung

Sicherheitskräfte nahmen eine Reihe von Demonstranten fest, die in Moskau gegen die Teilmobilisierung auf die Straße gingen. Foto: epa/Maxim Shipenkov
Sicherheitskräfte nahmen eine Reihe von Demonstranten fest, die in Moskau gegen die Teilmobilisierung auf die Straße gingen. Foto: epa/Maxim Shipenkov

MOSKAU: Nach dem Befehl von Kremlchef Wladimir Putin zur Teilmobilmachung für den Krieg in der Ukraine hat die Führung in Moskau «Hysterie» im Land beklagt. Zugleich schloss sie Reservisten mit bestimmten Berufen von der Zwangsrekrutierung aus. So würden etwa IT-Spezialisten, Experten zur Sicherung des Finanzsystems oder auch Mitarbeiter der Massenmedien, die zu den «systemerhaltenden» Berufen gehörten, nicht eingezogen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit.

Angesichts der Einberufung von Reservisten für den Krieg in der Ukraine verließen Tausende Männer fluchtartig das Land. Der Exodus gilt als Gefahr auch für die russische Wirtschaft. Schon nach dem von Putin angeordneten Einmarsch in die Ukraine im Februar hatten Zehntausende Menschen das Land verlassen. Für den Krieg in dem Nachbarland will Putin mindestens 300.000 Reservisten einziehen lassen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow forderte dazu auf, sich ausreichend zu informieren. «Es lässt sich irgendwie verstehen, dass es in den ersten Stunden nach der Bekanntgabe und auch noch am ersten Tag eine hysterische, äußerst emotionale Reaktion gegeben hat, weil es tatsächlich unzureichende Informationen gab», sagte Peskow. Inzwischen aber gebe es auch Hotlines, um telefonisch Fragen zu klären.

Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass Beschäftigte im Hochtechnologiebereich nicht eingezogen werden sollten. Nicht in den Krieg müssen demnach auch die Mitarbeiter der staatlichen Propagandamedien. Sie befeuern den Krieg und hatten von Putin einen stärkeren Einsatz in der Ukraine gefordert. Geschützt sind demnach Redakteure, Verleger, Mitarbeiter von Fernsehen, Radio und Zeitungen. Sie gehören zu Putins wichtigen Machtstützen.

Der Chef des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, erklärte mit Blick auf die Flucht, dass zwar nach dem Gesetz zur Mobilmachung ein Ausreiseverbot für Reservisten bestehe. Weil es sich aber um eine Teilmobilmachung handelt, werde das Gesetz nicht angewendet. Reisen innerhalb Russlands und ins Ausland seien deshalb erlaubt. Er empfahl aber Reservisten, die unsicher sind, sich selbst an der Einberufungsstelle einzufinden, um zu klären, was erlaubt ist und was nicht.

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Klaus Olbrich 24.09.22 18:30
Es gibt ueberhaupt keine Gruende Soldaten in den Krieg zu senden oder zu mobilisieren.
Alles kommt nur davon weil Kriegstreiber Putin nicht einsehen kann, daß sich viele seiner Nachbarländer von Russland loesen.
Sie wollen frei leben und ohne Zwänge.
Es ist zu befürchten das es zu Stomschlaegen und dem Ende der Menschheit kommt.
Die Russen muessen Putin beseitigen und in die Hölle schicken..
Ingo Kerp 24.09.22 12:30
Na sowas aber auch, was soll denn diese Hysterie? Wie man auf obigem Bild doch wohl klar erkennen kann, werden die jungen Männer freundlich zu ihrer Sammelstelle gebracht. Diese wird natürlich freiwillig und mit Freuden aufgesucht, damit man es den Nazis in der Ukraine nachher heimzahlen kann. Oder, soll auch schon vorgekommen sein, man versucht schnell wieder abzuhauen, wenn die Luft rein ist.