Keine Eishockey-WM in Belarus

Internationaler Druck zu groß

Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus und Eishockey-Hobbyspieler, nimmt an einem Eishockeyspiel während republikanischer Amateurwettbewerbe teil. Foto: Andrei Pokumeiko/dpa
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus und Eishockey-Hobbyspieler, nimmt an einem Eishockeyspiel während republikanischer Amateurwettbewerbe teil. Foto: Andrei Pokumeiko/dpa

ZÜRICH: Spätestens seit der angedrohten Sponsorenflucht gab es für den Eishockey-Weltverband keine andere Wahl mehr: Belarus wird als Co-Ausrichter der WM in diesem Jahr gestrichen. Wo nun gespielt wird, soll in den kommenden Tagen entschieden werden.

Der wirtschaftliche Druck war am Ende zu viel: Nach monatelangen Protesten hat sich der Eishockey-Weltverband IIHF nun doch dazu durchgerungen, Co-Gastgeber Belarus die Weltmeisterschaft in diesem Jahr zu entziehen. «Aus Sicherheitsgründen, die außerhalb der IIHF-Kontrolle liegen», sei diese Entscheidung «unvermeidlich» gewesen, teilte der Weltverband am Montag nach einer Videokonferenz des Exekutiv-Komitees mit. Die Kritik an einer WM in Minsk war angesichts der Machenschaften von Machthaber Alexander Lukaschenko zuletzt immer größer geworden. Neben dem internationalen politischen Druck drohten am Wochenende gleich mehrere langjährige WM-Sponsoren mit ihrem Rückzug, sollte Belarus als Co-Gastgeber bestätigt werden.

Eigentlich war erst beim Meeting des Exekutiv-Komitees, dem auch der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, angehört, in einer Woche mit einer Entscheidung gerechnet worden. Stattdessen ging es nun ganz fix. Bei ihrem turnusmäßigen Videocall vor der Sitzung am 25. und 26. Januar gab es bereits keine Zweifel mehr.

«Die heute getroffene Entscheidung ist wohl überlegt, konsequent und logisch. Ausrichter Belarus kann die Voraussetzungen nicht garantieren, die notwendig sind, um in diesem Jahr ein würdiger Gastgeber einer Eishockey-WM zu sein», sagte DEB-Präsident Reindl. «Letztlich ist dieser Schritt in einer sehr sensiblen Lage ohne Alternative gewesen. Wir werden uns nun mit den verschiedenen Möglichkeiten weiter befassen, die hinsichtlich der WM 2021 auf dem Tisch liegen, und in den Gremien zeitnah zu den Entscheidungen kommen, die die Gastgeberrolle für das diesjährige Turnier betreffen.»

Eigentlich sollte die WM, die 2020 mit dem damals geplanten Gastgeber Schweiz wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt worden war, in diesem Jahr vom 21. Mai bis 6. Juni im lettischen Riga und im belarussischen Minsk stattfinden. Spätestens in einer Woche soll es nun Klarheit darüber geben, wo gespielt wird. Nach dpa-Informationen ist Riga als Spielort in jedem Fall gesetzt. Damit dürfte sich für das deutsche Team, das in Riga seine Vorrundenspiele austragen sollte, nichts ändern. Fraglich ist noch, ob Lettland die WM alleine stemmt, oder Dänemark mit Herning oder die Slowakei mit Bratislava unterstützen.

Lettlands Außenminister Edgars Rinkevics begrüßte die Entscheidung der IIHF. «Dies ist das richtige Zeichen, dass Sport nicht zum Nutzen von autoritären Regimen eingesetzt wird», twitterte Rinkevics. Lettland werde seiner Verpflichtung nachkommen und sei bereit, eine alleinige Ausrichtung des Turniers zu prüfen.

IIHF-Präsident René Fasel hatte bislang stets vor den finanziellen Folgen eines Entzugs wegen bestehender Verträge gewarnt. Zudem verwies er angesichts der internationalen Proteste darauf, «dass die Weltmeisterschaft als Instrument der Versöhnung eingesetzt werden kann, um die gesellschaftspolitischen Probleme in Belarus zu beruhigen und einen positiven Weg nach vorne zu finden».

Die EU erkennt Lukaschenko seit der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Dutzende Staaten haben Sanktionen gegen Funktionäre des Machtapparats erlassen. Bei Protesten gegen Lukaschenko gab es seit August mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote. Zudem steht Belarus wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in der Kritik.

«Das ist ein Sieg», kommentierte die belarussische Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja die IIHF-Entscheidung auf ihrem Telegram-Kanal. «Das ist ein Sieg, weil es Lukaschenko nicht gelungen ist, den Eindruck zu erwecken, als habe er alles unter Kontrolle.»

Zuletzt war auch der Schweizer Fasel deutlich in die Defensive geraten. Ein Besuch des 70-Jährigen vor einer Woche in Minsk bei Lukaschenko hatte international ein verheerendes Echo ausgelöst. Fasel wollte nach eigener Aussage dabei mehr Menschenrechte in Belarus und härtere Maßnahmen im Land gegen die Coronavirus-Pandemie anmahnen. Tatsächlich gingen aber innige Bilder mit Umarmungen und ohne Einhaltung der in Westeuropa üblichen Corona-Sicherheitsmaßnahmen um die Welt. «Es ist etwas blöd gelaufen, das ist mir auch peinlich», hatte Fasel dazu gesagt.

2014, als die WM zuletzt in Minsk stattgefunden hatte, waren internationale Proteste in dem heutigen Maße noch ausgeblieben.

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