Geheimdienst: Utøya-Angreifer inspiriert junge Rechtsextreme

Geheimdienst: Utøya-Angreifer inspiriert junge Rechtsextreme

KOPENHAGEN: Der Massenmord in einem Jugendsommerlager gilt als die schlimmste Gewalttat der norwegischen Nachkriegszeit. Doch auf bestimmte Menschen übt sie eine verquere Faszination aus.

15 Jahre nach seinem Massenmord an 77 Menschen wird der Utøya-Attentäter Anders Behring Breivik Geheimdienstinformationen zufolge im rechtsextremen Spektrum immer mehr zu einer Motivationsquelle. Breiviks Taten und seine von ihm dazu ausgebreiteten Ideen trügen verstärkt dazu bei, Menschen zu radikalisieren, teilte der norwegische Inlandsgeheimdienst PST mit. Besonders besorgniserregend sei die Radikalisierung von Minderjährigen.

Breivik hatte am 22. Juli 2011 eine Autobombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und im Anschluss auf der Insel Utøya ein Massaker in einem Sommerlager der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei angerichtet. Insgesamt wurden bei den Terroranschlägen 77 Menschen getötet. Breivik wurde 2012 zu 21 Jahren Haft verurteilt.

Der PST erklärte, bei den meisten Verdächtigen, gegen die er wegen rechtsextremer Taten in Norwegen ermittle, beobachte er eine direkte Unterstützung für Breiviks Terrortaten. Auch viele radikalisierte Minderjährige hätten Breivik als Inspirationsquelle genannt, obwohl sie wegen ihres Alters keine persönlichen Erinnerungen an die Tat hätten.

Breivik wird dem PST zufolge aber auch bei verübten oder verhinderten Terroranschlägen in anderen westlichen Ländern als Vorbild genannt, besonders seit 2019, dem Jahr, in dem der australische Rechtsterrorist Brenton Tarrant in zwei Moscheen in Neuseeland 51 Menschen tötete. Rechtsextremismus sei heute ein transnationales Phänomen, bei dem westliche anstelle von nationaler Identität betont werde.

Laut PST spielt Breivik in Online-Foren eine wichtige Rolle, in denen Terroristen und Gewalt auf groteske Weise verherrlicht werden. «In rechtsextremen Netzwerken vermischen sich gewaltverherrlichende Ideen mit Humor, Memes und Anspielungen auf Videospiele und Popkultur», schrieb der Geheimdienst. Dies könne manche dazu inspirieren, selbst Terrortaten zu begehen. Die Bedrohung durch Rechtsextremisten sei heute größer als 2011.

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