Fischsterben durch giftige Stoffe

Installation von Barrieren zum Auffangen toter Fische aus der vergifteten Oder. Foto: epa/Marcin Bielecki
Installation von Barrieren zum Auffangen toter Fische aus der vergifteten Oder. Foto: epa/Marcin Bielecki

SEELOW/GREIFSWALD: Mehr als eine Woche nach Bekanntwerden des massenhaften Fischsterbens in der Oder richtet sich der Fokus zunehmend auf das Stettiner Haff. Die Sorge wächst, dass verseuchtes Wasser die Ostsee erreichen könnte. Der Tourismus in der Region um den Fluss leidet zunehmend.

Warnungen vor Gewässerverunreinigung, weniger Angler und ausbleibende Tagesausflügler: Das massenhafte Fischsterben in der Oder wirkt sich zunehmend auch auf den Tourismus in der Region rund um den Fluss aus. Es gebe viel weniger Tagesausflüge und auch Menschen, die Reisen auf dem Oder-Neiße-Radweg noch nicht fest geplant hätten, nähmen gegenwärtig davon Abstand, sagte die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree, Ellen Russig, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

In dem Verband ist auch der besonders betroffene Landkreis Märkisch-Oderland, der auf einer Länge von rund 80 Kilometern an der Oder zur Grenze nach Polen liegt. «Die Umweltkatastrophe wird langfristig Auswirkungen haben, wo wir gegensteuern müssen», machte Russig klar. Betroffen seien unter anderem der Angeltourismus und Kanu-Ausflüge. Ihren Angaben zufolge besteht der Tourismus in der Region zu 50 Prozent aus Tagesausflügen, die andere Hälfte seien Übernachtungen.

Bei der Tourist-Information Oderbruch und Lebuser Land stehen seit Bekanntwerden der Umweltkatastrophe die Telefone nicht mehr still, wie die Leiterin Angelika Fuchs am Mittwoch berichtete. Zahlreiche Menschen, die Ausflüge geplant haben, erkundigten sich nach der Lage und ob es an der Oder gefährlich sei. Es gebe aber auch eine große Solidarität. «Ganz, ganz viele Menschen machen sich Gedanken und fragen, wie sie helfen können.»

Trotz aller Sorgen sah der Landkreis Vorpommern-Greifswalds am Mittwoch zunächst keine Gefahr fürs Baden in der Ostsee. «An den Ostseestränden der Sonneninsel Usedom herrschen weiter beste Badebedingungen», erklärte Landrat Michael Sack (CDU) am Mittwoch. Der Landkreis sei von der Situation in der Oder bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht betroffen, hieß es in einer Mitteilung.

Dennoch warnt der Landkreis weiterhin, das Wasser des deutschen Teils des Haffs zu nutzen. Demnach wird vom Angeln, Fischen und der Wasserentnahme abgeraten. Die Schweriner Landesregierung rät zudem vom Baden ab, da man trotz fehlender konkreter Hinweise gesundheitliche Schädigungen nicht ausschließen könne.

Die Oder mündet in das Stettiner Haff, durch das die deutsch-polnische Grenze verläuft und das mit der Ostsee vor Usedom verbunden ist. Das Mündungsgebiet ist weit verzweigt und das Haff mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß wie der Bodensee. Bislang sind nach offiziellen Angaben zumindest im deutschen Teil des Haffs keine Auswirkungen des Oder-Fischsterbens erkennbar geworden.

Die Ursache für das massenhafte Fischsterben in der Oder ist noch immer unklar. Die Umweltkatastrophe beunruhigt viele Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Seit Tagen sammeln Helfende tonnenweise Fischkadaver ein.

In untersuchten Wasserproben sind nach Angaben von Polens Regierung bislang keine toxischen Substanzen entdeckt worden, die das Fischsterben verursacht haben könnten. In den Proben toter Fische seien zudem keine Hinweise auf Pestizide gefunden worden, sagte Polens Umweltministerin Anna Moskwa am Dienstag in Warschau.

Das Brandenburger Landesumweltamt hatte am Montag erste Laborergebnisse ausgewertet. Auf der Webseite des Landesumweltamts ließ sich ablesen, dass sich die Werte im Fluss vom 7. August an dramatisch veränderten. So schnellten der Sauerstoffgehalt, der pH-Wert, die Trübung und andere Werte schlagartig nach oben, während die Menge von Nitrat-Stickstoff deutlich abfiel.

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