Dr. Thiravat warnt: „Für Thailand läuft die Zeit davon“

Foto: epa/Rungroj Yongrit
Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Der Chef des Zentrums für neu auftretende Infektionskrankheiten an der Chulalongkorn-Universität, Dr. Thiravat Hemachudha, hat die Regierung gewarnt, für Thailand laufe die Zeit davon, wenn es seine Grenzen nicht sofort für alle Menschen schließe.

Dr. Thiravat gab in seinem Facebook-Beitrag folgenden Gründe für seinen Rat an, die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen:

„Arzneimittel zur Behandlung von Virusinfektionen, Lopinavir und Ritonavir, von denen ursprünglich angenommen wurde, dass sie gegen das Coronavirus wirksam sind, haben sich laut dem neuesten New England Journal als unwirksam erwiesen. So bleiben Chloroquin, das zur Behandlung von Malaria verwendet wird, und das nur in China und Japan hergestellte Favipiravir. Die derzeitige Versorgung mit Favipiravir reicht jedoch nur für 600 bis 700 Patienten aus, die jeweils etwa 70 Tabletten benötigen. Was ist, wenn es Zehntausende von Patienten gibt?

Das derzeitige nationale Gesundheitssystem verfügt nur über etwa 100 Unterdruckräume für die Behandlung infizierter Patienten. Gibt es genügend entsprechend ausgestattete Krankenzimmer, um alle Patienten unterzubringen? Wenn die Krankenhäuser keine separaten Klimaanlagen haben, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus schnell auf andere Räume ausbreitet.

Es gibt nur etwa 30.000 Ärzte in verschiedenen Bereichen im ganzen Land, darunter weniger als 1.000 Spezialisten für Lungenerkrankungen. In einer Krise können Ärzte, die keine Spezialisten sind, Opfer des Virus werden und die Belastung erhöhen. Thailands medizinisches Personal ist bereits überfordert.

Es ist an der Zeit, dass Thailand alle erforderlichen Maßnahmen ergreift, um zu verhindern, dass das Virus das Gesundheitssystem des Landes überfordert. Wenn wir einen Schritt zurückbleiben, indem wir nur die Anzahl der Neuinfektionen und Todesfälle berücksichtigen, ohne zu bemerken, dass es sich um eine hoch ansteckende Krankheit handelt, die eine Person nach der anderen in einem Ketteneffekt infiziert, wird es schwierig sein, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.“

Dr. Thiravat fordert die Regierung auf, von den Chinesen zu lernen, die eine strenge Sperre einführten und es schafften, das Blatt der Pandemie zu wenden, im Vergleich zu jenen Ländern, die nicht dem chinesischen Modell folgten.

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Rüdiger 20.03.20 15:34
Herr Berger
Herr Schönholzer meinte bestimmt den Satz ...von den Chinesen zu lernen.
Aber Dr. Thiravat hat schon recht!
Bernd Berger 20.03.20 13:09
Wieso Belehrungen von "Auswärts"...???
Vielleicht noch einmal langsam lesen... Benno...;-)

"Der Chef des Zentrums für neu auftretende Infektionskrankheiten an der Chulalongkorn-Universität,

Dr. Thiravat Hemachudha"

Das sollte schon ein Thailänder sein oder ??

Ingo Kerp 20.03.20 11:57
Zumindest würde bei einer Grenzschließung kein Virus von außen ins Land gelangen. Allerdings sollten dann bei heimkehrenden Thais, die natürlich in ihr Heimatland zurückkommen dürfen/müssen, genaueste Kontrollen und vorsichtshalber Quarantäne angeordnet werden.
Benno Schönholzer 20.03.20 11:44
Es wird schwierig werden, weil Thailand grundsaetzlich keine Belehrungen von auswärts annimmt!!