Deutsche nehmen an Putins Forum teil

AfD-Politiker dabei

Ein Delegierter geht an einem Logo der Alternative für Deutschland (AfD) vorbei. Foto: EPA-EFE/Filip Singer
Ein Delegierter geht an einem Logo der Alternative für Deutschland (AfD) vorbei. Foto: EPA-EFE/Filip Singer

ST. PETERSBURG/BERLIN: Viele deutsche Unternehmen halten trotz Sanktionen in Russland laut einer neuen Umfrage ihre Stellung. Beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg sind auch Politiker der AfD dabei.

Nach Jahren der Zurückhaltung wegen Russlands Angriffskrieges gegen die Ukraine treten deutsche Unternehmer nun erstmals wieder offiziell beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. «Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen», sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, der Deutschen Presse-Agentur. Amerikaner und Franzosen waren bereits seit vorigem Jahr mit einem Business-Dialog präsent.

«Der Westen sollte Russland, seinen großen Markt und seine Rohstoffe nicht auf Dauer Asien überlassen», sagt Schepp. Allein die Chinesen hätten im ersten Quartal dieses Jahres 1.400 neue Unternehmen in Russland gegründet.

Laut dem Programm des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) nehmen etwa der in Russland mit der Gruppe EkoNiva tätige Milchproduzent Stefan Dürr und der langjährige Geschäftsführer der Globus Holding, Thomas Bruch, an dem Business-Dialog teil. Die Globus-Kette ist wie etwa 1.600 deutsche Unternehmen nach Angaben der Kammer weiter aktiv in Russland. Ihr Umsatz lag nach Berechnungen der Kammer bei etwa 20 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Wegen der westlichen Sanktionen ist das deutsch-russische Handelsvolumen im vergangenen Jahr allerdings auf unter zehn Milliarden Euro gesunken. Bis zum Beginn des russischen Angriffskrieges war Deutschland der größte europäische Handelspartner Russlands - mit einem Volumen von 59,7 Milliarden Euro 2021 und 80 Milliarden Euro auf dem Höhepunkt im Jahr 2012.

AfD-Politiker nehmen teil

Eingeladen zu dem Forum sind auch Politiker der AfD. Der Bundestagsabgeordnete und baden-württembergische Landesvorsitzende, Markus Frohnmaier, machte sich am Sonntag auf den Weg. Er sagte: «Deutschland braucht eine Politik, die Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Interessen der eigenen Bürger wieder stärker in den Mittelpunkt stellt.» Ihm sei bewusst, «dass diese Reise sensibel betrachtet wird». Er fügte hinzu: «Meine Teilnahme bedeutet jedoch keine Billigung des Krieges in der Ukraine.» Nach Angaben der Organisatoren nimmt auch der sächsische AfD-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Jörg Urban teil, laut «Bild» auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und der Europaparlamentarier Petr Bystron. Bystron sagte, in seinem Fall gebe es in der Fraktion keine Genehmigungspflicht für die Reise. Er habe aber unter anderem den AfD-Bundesvorstand darüber informiert.

Geschäftsklima-Umfrage: Deutsche bleiben in Russland

Nach einer neuen Umfrage der Kammer unter ihren 750 Mitgliedern zum Geschäftsklima planen fast alle Unternehmen ihren Verbleib in Russland, weil sie den Markt für bedeutsam halten. 75 Prozent der 265 Teilnehmer der Befragung gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein - trotz Millioneneinbußen durch die Sanktionen.

Zwei Drittel sind demnach überzeugt, dass die Strafmaßnahmen des Westens die russische Wirtschaft stark (49 Prozent) oder sehr stark (18) beeinträchtigen. Gut ein Drittel der Unternehmen meint, dass die westlichen Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. Mehr als die Hälfte gab an, dass sie Deutschland und Russland gleichermaßen schadeten. Auf die Frage «Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?» antworteten 65 Prozent mit «ja, je eher, desto besser» und 31 Prozent mit «ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen».

Bei dem Wirtschaftsforum vom 3. bis 6. Juni ist Kremlchef Wladimir Putin Gastgeber. Es gibt auch eine Veranstaltung zum Thema Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten. Daran nehmen nach Angaben der Organisatoren mehrere Deutsche teil, darunter der Dirigent Justus Frantz, der Berliner Verleger Holger Friedrich und der Filmemacher und Journalist Hubert Seipel.

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Rolf W. Schwake 03.06.26 14:37
@Khun Sylten
Woher Sie die Grundlagen für Ihre Behauptungen nehmen, ist mir schleierhaft: Ich verurteile US-Völkerrechtsbrüche genau so wie russische, türkische, israelische oder andere. Seit Beginn dieses Jahrtausends bin ich deswegen nicht mehr in die USA geflogen!
Mit Israel verhält sich das allerdings etwas anders, denn völkerrechtlich ist Selbstverteidigung erlaubt. Und Israel wird seit dem 14.05.1948 ständig (!) aus Gaza, dem Westjordanland und Südlibanon angegriffen, zumeist verdeckt.
Was also soll Israel tun? Sich erneut auf die Schlachtbank führen lassen? Verhandeln? Mit wem?
Und was "Garantiezusagen" von Russland, USA und GB bewirken, sehen wir aktuell in der Ukraine!
Ich heiße vieles nicht gut, was Israel unternimmt, versuche aber trotzdem zu unterscheiden, ob deren Handlungen dem Selbstverteidigungsrecht entspringen oder völkerrechtswidrig sind. Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen - und sollte das vor allem als Kommentator verinnerlichen, Herr Sylten.
Michel Maillet 02.06.26 15:39
@Schwake
Es gibt keinen Grund einen Krieg zu glorifizieren, nur weil einer schneller vorrücken konnte als der andere. Wenn man den Überfall (Unternehmen Barbarossa) als Vergleich nehmen darf: Die Wehrmacht (nicht die Nazis, obwohl es natürlich deren Planung war) rückte um ein Vielfaches schneller bis fast zu den "Toren" der Hauptstadt Russlands vor als zurück. Der Widerstand gelang den Russen auch nur durch massive Unterstützung der USA mittels Materiallieferungen. Durch dieses schnelle Vorrücken sind aber weder der Krieg, noch die Greueltaten besser entschuldbar. Niemand lässt sich lieber von jemandem massakrieren, nur weil dessen "Qualität" stimmt.
Thomas Sylten 02.06.26 15:10
@Khun Schwake
So sehr Sie recht haben mit Ihrem Widerwillen gegen Völkerrechtsbrecher: Das ist nur glaubhaft wenn es auf einer Überzeugung beruht, nicht aber wenn es selektiv angewendet wird. Also solange Sie den USA und ihrem Zögling in Nahost ihre fortwährenden massivsten Völkerrechtsbrüche nachsehen, solange ist Ihre moralische Erregung wohlfeil und schlicht unglaubwürdig.

Helmut Schmidt war bekannt für seine Aussage "Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln als 1 Minute schießen". Unsere gegenwärtige Regierung tut alles, um uns sehenden Auges in den Ukraine-Krieg reinzuziehen (man besteht dort neuerdings auf der EU-Beistandspflicht für die Ukraine, s.Kiesewetter bei Lanz am 21.05.26) - das kann weder im sogn. "nationalen Interesse" (wie dort behauptet) noch im Interesse der Bürger unseres Landes sein, worauf die Regierung vereidigt ist.

Insofern tun die deutschen Wirtschaftskapitäne, die sich nach St.Petersburg gewagt haben, um (aus rein wirtschaftlichen Impulsen) Verhandlungslinien bzw. gemeinsame Interessen auszuloten, in meinen Augen weit mehr für Deutschland und den Frieden in der Welt als unsere weiterhin sprachlose Regierung.
Rolf W. Schwake 02.06.26 13:15
Einen verbrecherischen Angriffskrieg ...
... einen "Konflikt" zu nennen, wird den millionenfachen Opfern dieses schändlichen Handelns nicht gerecht! Die Opfer dieses Kreml-Verbrechens verdienen mehr Respekt! Die Sowjets haben die Nazis in nur 3 Jahren 10 Monaten über 2500 km zurückgejagt - die Russen dagegen in 4 Jahren 3 Monaten noch nicht einmal den ganzen Donbass erobert! Das allein kennzeichnet heute die Qualität des russischen Militärs und den militärischen Sachverstand des Kreml'!
Das der dafür Verantwortliche seit dem 24.02.2022 dann noch an seinem Stabschef Gerassimov festhält, dem Planer dieser "militärischen Spezialoperation Ukraine", zeigt einmal mehr, welch mangelnder Sachverstand im Kreml oder einem der sonstigen Verstecke wohnt!
Und Sanktionen schaden immer beiden Seiten, es kommt nur auf die völkerrechtlich bedeutsame Gewichtung an, welchen Wert das zu sanktionierenden Verhalten aufweist: Schlimmste und ständige Kriegsverbrechen können und sollen nicht mit wirtschaftlichen Einbußen gleichgestellt werden. Die westlichen Sanktionen treffen sebstverständlich auch deren eigene Volkswirtschaften, da mögliche Absatzmärkt verloren gehen oder eingeschränkt werden - sie treffen aber um ein Vielfaches mehr den kriminellen Aggressor, der selbst zwei UN-Resolutionen nicht beachtet und damit seine Einstellung zur UNO und der UN-Charta offenbart, obwohl selbst Veto-Mitglied im Sicherheitsrat. Ein solcher Kriegsverbrecher gehört aus der UNO ausgeschlossen und von den restlichen 192 Mitglieder geächtet!
Michel Maillet 02.06.26 13:15
@Pires
Genau da wird sie nicht umdenken, wozu auch? Was gefällt Ihnen an der AfD denn, bei Putin jedoch nicht?
Maximilian Blaha 01.06.26 15:10
Hirnlose ...
bleiben zu Hause!
Frohnmaier gefällt mir, hat Weitsicht, denn das Rad der Geschichte bleibt wegen eines Konfliktes doch nicht stehen!
Ingo Kerp 01.06.26 15:00
Die Länder, die Sanktionen für RUS erteilt haben, haben sich damit offensichtlich selbst einen wirtschaftlichen Schaden zugefügt. RUS hat viele Rohstoffe und ist, außer dem flächenmäßig größten Land der Welt, auch ein Land mit über 140 Mio Einwohnern, sprich Kunden. Kein Wunder, das Unternehmer an diesem Markt interessiert wind.
Dracomir Pires 01.06.26 14:10
Die AfD ist sehr wichtig ...
... für Deutschland und wird dort richtigerweise bald das Ruder übernehmen. Was mich aber enorm stört, ist ihre Freundlichkeit gegenüber dem Kleinen am grossen Tisch im Kreml. Dort muss die grösste Partei Deutschlands noch umdenken.

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