Wolfsburger Coach nach Pleitenserie unter Druck

​Déjà-vu für Kohfeldt  

Bundesliga, VfL Bochum - VfL Wolfsburg, 18. Spieltag, Vonovia Ruhrstadion: Bochums Elvis Rexhbecaj (l-r), Wolfsburgs Felix Nmecha und Bochums Anthony Losilla kämpfen um den Ball. Foto: David Inderlied/dpa
Bundesliga, VfL Bochum - VfL Wolfsburg, 18. Spieltag, Vonovia Ruhrstadion: Bochums Elvis Rexhbecaj (l-r), Wolfsburgs Felix Nmecha und Bochums Anthony Losilla kämpfen um den Ball. Foto: David Inderlied/dpa

BOCHUM: Von Aufbruchstimmung keine Spur: Trotz aller guten Vorsätze setzt der VfL Wolfsburg seine Talfahrt auch nach der Winterpause fort. Das verstärkt die Kritik an Florian Kohfeldt. Doch der Trainer glaubt weiter an eine Trendwende - und seinen Verbleib.

Das Team verunsichert, die Bilanz verheerend - Florian Kohfeldt erlebt derzeit ein unliebsames Déjà-vu. Obwohl das Szenario an seiner neuen Wirkungsstätte in Wolfsburg mit acht verlorenen Pflichtspielen in Serie stark an seine letzten Tage in Bremen erinnert, wo er im vergangenen Mai nach neun Bundesligapartien ohne Sieg seinen Job verlor, verspürt der Trainer keine Angst um seinen Arbeitsplatz. «Ich bin mir absolut sicher, dass ich gegen Hertha auf der Bank sitze und wir aus dieser Situation herauskommen. Ich gehe voran und werde nicht jammern», sagte er mit Blick auf das Duell mit dem nur einen Punkt besseren Tabellennachbarn.

VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer stärkte Kohfeldt am Montag den Rücken. «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Florian Kohfeldt die Wende schaffen und wir wollen diese am Samstag gegen Berlin einleiten», sagte der 37-Jährige der «Bild». Trotz der langen Niederlagen-Serie gab er sich hoffnungsvoll: «Ich sehe, wie das ganze Team arbeitet, wie enttäuscht alle waren und das alle den Willen haben, es besser zu machen. All das gibt mir Hoffnung, aus dieser Situation herauszukommen.»

Nach dem 0:1 (0:0) am Sonntag beim VfL Bochum - und damit der sechsten Bundesliga-Niederlage am Stück - liegen die Wolfsburger nur noch zwei Punkte vor dem Relegationsrang 16. Verliert der auf Rang 14 abgestürzte Champions-League-Teilnehmer jedoch auch die Partie gegen die Berliner, dürften dem Fußball-Lehrer die Argumente ausgehen.

Obwohl er seine Profis bereits am 29. Dezember zur ersten Einheit nach der Winterpause gebeten hatte und ihm damit erstmals seit seinem Amtsantritt Ende Oktober über eine Woche zur Vorbereitung auf eine Partie zur Verfügung stand, blieb der positive Effekt aus. Auch bei der Rückrunden-Generalprobe in der vergangenen Woche im Test gegen den Zweitligisten SC Paderborn gab es am Ende einen schmeichelhaften 5:4-Sieg, der altbekannte Schwächen in der Defensive offengelegt hatte.

Der neuerliche Rückschlag in Bochum bescherte die längste Niederlagenserie der Vereinshistorie und vergrößerte die Sorgen. «Wir hatten uns viel mehr vorgenommen», klagte Mittelfeldspieler Maximilian Arnold.

Nach dem verheißungsvollen Start von Kohfeldt mit zwei Bundesliga-Erfolgen in Leverkusen (2:0) und gegen Augsburg (1:0) sowie dem 2:1 in der Champions League über RB Salzburg ging es für die Wolfsburger stetig abwärts. Gleichwohl wertete der Coach den biederen Auftritt seines Teams in Bochum als Fortschritt: «Von der Grundstruktur haben wir einen anderen VfL Wolfsburg gesehen. Jetzt werden wir weiter daran arbeiten, dass wir diesen Moment finden im Spiel, wo es dich dann befreit.» Noch sieht der Nachfolger von Mark van Bommel keinen Grund, seinen Kurs zu ändern: «Wir werden unseren Plan weitergehen, den wir im Winter entwickelt haben.»

Viel wird davon abhängen, ob es dem Coach gelingt, die im erfolglosen Hinrundenfinale gewachsene Verunsicherung seiner Profis zu vertreiben. «Na klar hängt das im Kopf. Es ist nicht so, dass man auf einen Knopf drückt und alles ist weg», gestand Arnold. Nicht minder ratlos wirkte sein Teamgefährte Wout Weghorst. Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wo es denn nun anzusetzen gelte, rang der Torjäger nach Worten: «Sorry, ich weiß es nicht.»

Die Leidensmiene des Torjägers verriet ohnehin mehr als tausend Worte. «Dieses positive Gefühl war bei allen da. Aber heute ist das Gefühl alles andere als gut», beklagte Weghorst den Verlust der Aufbruchstimmung, die alle Beteiligten nach der kurzen, aber intensiven Vorbereitung auf die Rückrunde verspürt hatten. Nachdenklich fügte er an: «Wir dürfen nicht zu dramatisch werden, wir haben noch 16 Spiele. Aber wir müssen uns anschauen, wo wir stehen - und echt, echt schnell etwas ändern.»

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