China kündigt weitere Manöver an

Ärger über US-Delegation in Taiwan

China kündigt weitere Militärübungen um Taiwan an. Foto: epa/Jerome Favre
China kündigt weitere Militärübungen um Taiwan an. Foto: epa/Jerome Favre

Der Besuch der US-Spitzenpolitikerin Pelosi in Taiwan vor knapp zwei Wochen hat die seit Jahrzehnten schwerste Krise um die freiheitliche Insel ausgelöst. Jetzt sind wieder US-Politiker zu Besuch in Taipeh. Wie weit will Chinas Volksbefreiungsarmee den Druck noch verstärken?

Peking/Taipeh - Aus Verärgerung über den Besuch einer weiteren Delegation des US-Kongresses in Taiwan hat China neue Manöver um die demokratische Inselrepublik angekündigt. Ungeachtet der Drohungen aus Peking empfing Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen am Montag in Taipeh die fünf Kongressabgeordneten unter Leitung des demokratischen Senators Ed Markey im Präsidentenpalast.

Die Visite erfolgt knapp zwei Wochen nach dem heftigen Streit mit Peking um den Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan. Die kommunistische Führung sieht die Insel nur als Teil der Volksrepublik an, lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh entschieden ab und droht sogar mit einer Eroberung. Taiwan hingegen versteht sich als unabhängig.

Peking sprach von einer neuen «Provokation» der USA und kündigte weitere Manöver an. Die Volksbefreiungsarmee werde Übungen in der Luft und zur See um Taiwan abhalten, um die USA und Taiwan abzuschrecken, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qian. Chinas Militär werde sich weiter «für einen Krieg vorbereiten», die Souveränität Chinas verteidigen und den Separatismus in Taiwan und ausländische Einmischungsversuche niederschlagen.

Schon als Reaktion auf den Besuch Pelosis hatte Peking großangelegte Manöver um Taiwan aufgenommen. Dabei wurden unter anderem eine See- und Luftblockade sowie eine mögliche Eroberung geübt. Auch wurden elf ballistische Raketen gestartet, von denen eine erstmals direkt über Taiwan unweit der Hauptstadt flog. Es war die größte militärische Machtdemonstration seit Jahrzehnten.

Chinas Militärsprecher sah in der Visite der US-Politiker in Taipeh einen «offenen Verstoß» gegen die Vereinbarungen zwischen China und den USA und eine Verletzung der chinesischen Souveränität und territorialen Integrität. Die Visite sende ein «falsches Signal an die Unabhängigkeitskräfte» in Taiwan, meinte Wu Qian.

Bei ihrem Treffen mit der Kongress-Delegation in Taipeh sagte Taiwans Präsidentin Tsai, die Invasion Russlands in der Ukraine habe gezeigt, dass autoritäre Staaten die Weltordnung bedrohten. Zudem gefährdeten die chinesischen Manöver um Taiwan ernsthaft den Frieden und die Stabilität in der Region.

Taiwan und die USA teilten die gleichen Werte wie Demokratie und Freiheit, sagte Tsai. Die Präsidentin äußerte die Hoffnung auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit, um die regionale Stabilität zu wahren, die Wirtschaftsbeziehungen zu stärken und an verlässlicheren Lieferketten zu arbeiten.

US-Senator Markey nannte Taiwan einen «wichtigen Leuchtturm für Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit», wie ihn das Präsidialamt zitierte. Bei der Verteidigung dieser Werte werde Taiwan täglich bedroht. «Wir haben eine moralische Verpflichtung, alles zu tun, um einen unnötigen Konflikt zu verhindern.»

Der Stopp der US-Politiker in Taiwan erfolgte im Rahmen einer größeren Reise durch die indopazifische Region. In Taiwan soll es um die Beziehungen zu den USA, regionale Sicherheit, Handel, globale Lieferketten oder Klimawandel gehen, wie es von US-Seite hieß.

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Derk Mielig 18.08.22 03:30
@Neufert - Kosten - Nutzen Relation
Dann setzen Sie die Kosten des Manövers für den chinesischen Steuerzahler in Relation zu guter Erziehung und Freiheit für Kinder?
Ein gewagter Ansatz. Aber ich habe von BWL auch nicht so viel Ahnung.
Detlev Neufert 18.08.22 02:40
Derk Mielig, den den man nicht in Dollar berechnen kann. Gute Erziehung Freiheit für Kinder z.B.
Derk Mielig 17.08.22 03:30
@Neufert - Kosten - Nutzen Relation
Sie fragen nach den Kosten. Welchen Nutzwert setzen Sie an?
Detlev Neufert 17.08.22 01:40
Kosten - Nutzen Relation
Was kosten diese Manöver eigentlich den chinesischen Steuerzahler?
Detlev Neufert 17.08.22 01:40
Was kosten diese Manöver eigentlich den chinesischen Steuerzahler?
Bernd Lange Berlin 16.08.22 17:20
@kreb-"Ich bin ein Berliner"
was hatte das zu bedeuten als Kennedy das vor 3 Millionen Berliner in Berlin und vor der Welt gesagt hat???
Hansruedi Bütler 16.08.22 17:00
Taiwan Manöver
Sind das nicht alles nur Schattenspiele und Ablenkungsmanöver.
Wenn China wirklich wollte, so könnte es Taiwan mit seiner Millionenarmee überrennen.
Man muss aber unterscheiden zwischen KPCN, China und Xi, das sind drei Paar Stiefel.
Sitzt nicht der harte Kern der KPCN in Taiwan?
Liegt eventuell dort der Grund?
Peter Joe 16.08.22 16:50
USA
Die Amis merken, dass sie nichts mehr zu bestellen haben und auf der Verlierer Seite sind. Taiwan gehoert nun mal zu China, denn Chiang Kai Chek mit seinem
Millionen Heer vom Festland kommend hat Taiwan zu der Industrie Nation gemacht, Taiwan waere sonst immernoch ein armes Agrarland mit viel Sumpf fuer den Reisanbau. Jetzt sieht es aus wie wenn die Amis die Taiwan Bauern in den den Krieg gegen das Festland hetzen.
Jomtien Franky 16.08.22 14:50
@Schneider
Wieso sagen Sie, dass die USA den Krieg riskieren? Wer schießt denn da um sich völlig SINNBEFREIT? Es sind die Festlandschinesen, mit ihren sturen Betonköpfen, die aus irgendwelchen Gründen meinen, Besitzansprüche an einem demokratischen Land zu erheben, Denen müsste man mal Einhalt gebieten, nur keiner weiß mehr wie, weil wir haben sie leider zu reich und mächtig gemacht. Sind Sie der Meinung, das Saarland sollte wieder nach Frankreich? Nein? Dann ist ja gut, dann erlauben Sie bitte Taiwanesen und ihrer demokratisch gewählten Regierung bitte auch, dass sie ausländischen Staatsbesuch empfangen, ohne dass die Roten ihren Senf dazu geben, die werden sowieso noch früh genug der Untergang dieser Welt sein... Würden Sie ihren Freund zuhause nicht mehr besuchen, weil ein Nachbar von ihm Ihnen das untersagt? Dieses Duckmäusern vor den Rotchinesen ist eine globale Krankheit geworden, die sollten mal überall schnell in ihre Grenzen verwiesen werden, sonst gehört denen bald der ganze Erdball. Und wenn die bleiben würden, wo sie sind, dann hätte die Welt auch weniger Viren....
gundolf schneider 16.08.22 13:10
3. weltkrieg
es dürfte kaum jemanden entgangen sein, dass russland und china verbündete sind. warum legen die USA nun noch eine lunte am anderen ende der welt? Die USA riskieren einen 3. Weltkrieg, evtl. sogar mit Atomwaffen! es wäre klüger gewesen, die pattsituation china/taiwan so zu lassen wie sie ist. zumindest momentan....
Ingo Kerp 16.08.22 12:20
Die US-Sprechblase: wir stehen Euch bei, ist das Einzige, was die US Besucher in Händen haben. Klar reizen sie damit den chines. Drachen, der dies auch unverhohlen ankündigt und Taten folgen läßt. Was ist also der tiefere Grund der US Besuche oder sollte man sagen Provokationen? Will man testen, wie weit CHN geht? Will man einen Krieg provozieren? Die US Militärproduktion wird wohl nicht dahinter stecken, da die momentan mit Aufträgen für die USA selbst und für die Ukraine ausgelastet sind, wie deren Kurssteigerungen zeigen.