Närrisches Treiben und regionale Traditionen
Mit der Weiberfastnacht erreicht die Karnevalszeit ihren ersten großen Höhepunkt. Dieser besondere Donnerstag markiert traditionell den Übergang vom Sitzungskarneval in den Sälen hin zum ausgelassenen Straßenkarneval. In den Hochburgen des Brauchtums ist dieser Tag fest in der Hand der Frauen, die symbolisch die Macht übernehmen – ein Spektakel, das auch viele in Thailand lebende Expats aus ihrer Heimat kennen.
Die Bezeichnungen für diesen Tag sind so vielfältig wie die Regionen selbst. Während man im Rheinland vom „Wieverfastelovend“ spricht, feiert man im Aachener Raum den „Fettdonnerstag“ und in Koblenz den „Schwerdonnerstag“. Jede Region pflegt dabei ihre ganz eigenen Rituale.
Von Altweiber bis zum Schmotzigen Dunschtig
In vielen Gebieten Deutschlands ist der Begriff „Altweiber“ oder „Altweiberfasching“ gebräuchlich. In der alemannischen Fastnacht im Südwesten hingegen kennt man den Tag als „Schmotziger Dunschtig“. Das Wort „schmotzig“ steht dabei im Dialekt für „fettig“, was auf die Tradition zurückzuführen ist, an diesem Tag fettgebackene Speisen wie Krapfen oder Berliner zu verzehren, bevor die Fastenzeit beginnt.
Ein weltweit bekannter Brauch der Weiberfastnacht ist das Abschneiden der Krawatten. Als Symbol der männlichen Macht werden den Herren der Schöpfung an diesem Tag die Krawatten gekürzt, wofür sie im Gegenzug meist mit einem „Bützchen“ (einem kleinen Wangenkuss) entschädigt werden. Auch in den deutschen Vierteln und Stammtischen in Thailand sieht man an diesem Tag gelegentlich Männer mit auffällig kurzen Schlipsen.
Karnevalsstimmung unter Palmen
Obwohl Thailand kein klassisches Karnevalsland ist, lassen es sich die rheinischen und süddeutschen Gemeinschaften in Orten wie Pattaya oder Phuket nicht nehmen, die Weiberfastnacht gebührend zu feiern. In vielen internationalen Bars und Restaurants wird an diesem Donnerstag deutsche Karnevalsmusik aufgelegt, und manch ein Kostüm findet trotz der tropischen Temperaturen den Weg aus dem Schrank.
Die Gastronomen passen sich oft an und bieten traditionelle Berliner oder spezielle „närrische“ Menüs an. Es ist ein Tag, an dem die Identität und die Freude am gemeinsamen Feiern im Vordergrund stehen, ganz gleich, wie weit man von den Karnevalshochburgen am Rhein oder im Schwarzwald entfernt ist.
Historisch gesehen entwickelte sich die Weiberfastnacht aus der Tradition, dass Frauen sich wenigstens einmal im Jahr den häuslichen Pflichten entzogen und unter sich feierten. Heute ist es ein inklusives Fest, das Menschen aller Altersgruppen verbindet und ein wichtiges Ventil für Humor und Lebensfreude darstellt.
Für die Zukunft bleibt abzuwarten, wie sich diese Traditionen in der digitalen Welt und im Ausland weiterentwickeln. Klar ist jedoch, dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft und der Erhalt regionaler Bräuche auch bei der nächsten Generation von Auswanderern hoch im Kurs steht. Wir halten Sie über die besten Anlaufstellen für das närrische Treiben im Königreich auf dem Laufenden.