Strandkorb und fremde Welten

Reisemesse ITB wird eröffnet

Koh Samui: Der Hua-Thanon-Strand auf der thailändischen Ferieninsel Koh Samui. Foto: Tolga Bozoglu/Epa/dpa
Koh Samui: Der Hua-Thanon-Strand auf der thailändischen Ferieninsel Koh Samui. Foto: Tolga Bozoglu/Epa/dpa

BERLIN (dpa) - Fremde Kulturen verspricht die Internationale Tourismus-Börse (ITB) nach Berlin zu holen. Außer der Exotik wird in diesem Jahr auch Heimat geboten: Mecklenburg-Vorpommern heißt das offizielle Partnerland der weltgrößten Reisemesse (7. bis 11.3.), das in einer guten Autostunde von der Bundeshauptstadt erreichbar ist.

«Der Strandkorb ist der wichtigste Botschafter, den das Land hat», sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe. So werden Strandkörbe überall auf dem Messegelände aufgestellt, um ein Urlaubsgefühl in den Hallen zu verbreiten, so der Plan von Wolfgang Waldmüller, der Vorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist. An zehn Stellen werden Episoden aus der Geschichte des Strandkorbs erzählt. Ein Korbflechter zeigt, wie man es macht.

Mecklenburg-Vorpommern ist das erste deutsche Bundesland, das die Messe als Partnerland auswählte. Im Vorjahr zählte es 29,7 Millionen Übernachtungen. Unter den Inlandsreisezielen liege das Land mit einem Marktanteil von 7,5 Prozent damit hinter Bayern (9,0 Prozent) auf Platz zwei, stellt Glawe fest. Die ITB sei eine Chance, für Mecklenburg-Vorpommern nun auch «international mehr Aufmerksamkeit zu erringen». Zur Eröffnungsgala wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erwartet.

Die Tourismusregion wirbt mit dem Motto «Urlaub ist unsere Natur», dazu gehören vor allem die Ostsee, aber auch die Mecklenburgische Seenplatte. Dass die Gäste im deutschen Nordosten «Endlich Ruhe» haben, macht in selbstironischen Werbefilmen der sächsische Kabarettist Michael Haubold deutlich, zusammen mit den Schauspielern Anneke Kim Sarnau und Hinnerk Schönemann.

Sonst ist Ruhe auf der ITB eher nicht zu erwarten und auch gar nicht erwünscht. Vielmehr sollen die Privatbesucher am Publikumswochenende (10./11.3.) mit viel Musik, Tanz und Filmen unterhalten werden. 186 Ländern und Regionen wetteifern um die Gunst des reiselustigen Volks. Andalusien will die Sehnsucht mit Flamenco, Schinken und Sherry wecken. Die Dominikanische Republik trommelt mit Merengue. Sambias Tänzer tragen fantasievolle Masken. Slowenien bietet Armbrustschießen und Hufeisenwerfen an. Die Pidinger Goaßl-Schnalzer lassen in der Bayernhalle zur vollen Stunde ihre Peitschen knallen.

Für junge Leute veranstalten Studenten der Hochschule Bremen in einer Lounge das «kleinste Festival der Welt». Die Messe will damit dem Trend Rechnung tragen, dass Jugendliche eigens für Musikereignisse in fremde Länder reisen. In einer Fotobox können Besucher sich virtuell zu diversen Orten befördern und dort fotografieren lassen.

Etwas makaber mutet das «außergewöhnliche Reiseziel» an, auf das Messedirektor Martin Buck besonders hinweist: Die Sperrzone rund um das ukrainische Atomkraftwerk von Tschernobyl, den Schauplatz der Reaktorkatastrophe von 1986. Auf der ITB kann man sich mit Fotos, Filmen und einer per Computer simulierten Welt in die Umgebung des Meilers und der Geisterstadt Prypjat begeben.

In der Realität gibt es inzwischen geführte Touren in die Nähe des Unglücksreaktors. «Nach vielen Jahren Totalquarantäne hat sich dort eine einmalige Fauna und Flora entwickelt», ein «kurioses Phänomen», wie Buck sagt. In gefährlich verstrahlte Bereiche komme man dabei nicht, versichert der Tourismusmanager.

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Leserkommentare

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Hans Roland 09.03.18 14:16
Der Massentourismus vernichtet
Kulturen und schadet der Umwelt wie anderer "Menschliche Wahn".Fallbeispiele Bangkok und Sumatra u.a.