Neulich, am Strand: Ich helfe ja gerne

Ich laufe die Promenade entlang, als mich jemand anspricht: „Hey du, dich kenne ich doch noch vom letzten Jahr. Weißt du noch?“ Tatsächlich kommt mir der Mittvierziger bekannt vor. Nach kurzer Aufklärung war auch klar, um wen es sich handelt. So ein richtig dicker Kumpel war er nun auch wieder nicht. Aber man kannte sich. Das reicht ja bereits.

Wir setzen uns auf die Mauer. Neuigkeiten werden ausgetauscht. Dies und das, Smalltalk halt. Nach kurzer Zeit stellt er aber fest, dass sein Telefon nicht funktioniert. „Schon blöd. Ohne Telefon biste aufgeschmissen“, leide ich mit ihm. „Kannst du mal sehen, was es ist?“ Seinem fragenden Blick gebe ich nach und begutachte das mir hingehaltene Gerät. Ich helfe ja gerne. Ich checke die eingängigsten Einstellungen, alles ok. Zum Schluss das Guthaben – Null! „Klar. Ohne Guthaben kann man nicht telefonieren“, gebe ich ihm das Telefon zurück. „Aha. Danke. Wo kann man aufladen?“, kommt prompt als Antwort. „Da drüben am Automaten“, zeige ich zum Laden über der Straße. „Ok, mache ich gleich, danke“, zieht er los. Aber nur, um gleich wieder dazustehen. „Kannst du mir helfen, ich komme nicht klar“, steht er da mit einem Blick, wie ein Bernhardinerhund. „Klar, ich helfe ja gerne“, gebe ich zurück. Zusammen laden wir das Handyguthaben auf. Doch das „Sch…ding funktioniert immer noch nicht. Nur eine Bandansage auf Thai. „Geh ins Einkaufszentrum zum Laden des Anbieters. Da sollen sie das einrichten“, rate ich ihm. Die Frage, wo das sein soll, habe ich bereits erwartet. Ich erkläre es ihm. Ich helfe ja gerne.

Da wäre noch das Fahrrad, das er mieten will. Ob ich nicht einen guten Tipp hätte, wo man günstig ein gutes Fahrrad bekommen könne, will er weiter von mir wissen. Nicht so ein alter, klappriger Drahtesel. Nein, schon ein modernes, schmuckes Rad. „Wenn schon kein Porsche zum Protzen erhältlich ist, dann wenigstens ein Carbonrad, wie bei der Tour de France, hä?“, flunkere ich. Er lacht. „Eddy Merckx und Felice Gimondi mieten dahinten in der Soi 9 ihre Räder“, erkläre ich und füge gleich eine Wegbeschreibung hinterher. „Du willst mich veräppeln?“, wird mein Gesprächspartner stutzig. „Nee. Ganz sicher nicht. Aber du hast Recht. Ich glaube es war Jan Ullrich oder Rudi Altig“, korrigiere ich mich lachend. „Ok. Dann fehlt mir nur noch das Internet im Zimmer. Dann habe ich fürs Erste alles komplett. Weißt du, wie ich das bekomme?“ „Internet?“, mit großen Augen schaue ich ihn an. „Was ist denn das? Ich verständige mich mit Rauchzeichen und Trommeln“, beginne ich die ständige Fragerei einzudämmen. „Wie wäre es, an der Rezeption zu fragen? Die werden das sicher im Angebot haben“, erbarme ich mich. Ich helfe ja gerne. „Oh. Gute Idee“, stellt er fest. „Ja. Da wäre ich von alleine nicht darauf gekommen“, denke ich. Aber, was soll es? Ich helfe ja gerne. „Als nächs­tes willst du vermutlich wissen, wo man gut essen, sich billig die Lampe füllen kann und die willigsten Mädchen bekommt. Ich helfe gerne. Die Mädchen aber empfehle ich nur nach persönlichem Testen“, grinse ich. Noch bevor er zu denken beginnt, sagt er schon: „Ja, woher weißt du…?“ „Na, lass mal. Schon in Ordnung“, beschwichtige ich. „Brennt sonst noch etwas?“, beginne ich mich zu verabschieden. „Ja, Festtagsservietten bräuchte ich noch. Weißt du…?“ Doch ich verabschiede mich.

Der Fluch der guten Tat

Einige Tage später sitze ich am späten Nachmittag wieder auf der Mauer am Strand. Wie viele andere Touristen aus aller Welt, warte ich auf den kommenden Sonnenuntergang. Ein tägliches wunderbares Naturschauspiel, dass ich mir nur selten entgehen lasse. Da kommt, mitten durch die Leute auf der Promenade, ein Radfahrer auf einem Bock, Baujahr vor 1950, daher geradelt. Und wie er mich erblickt, bremst er mit beiden Hebeln an seinem Lenker. Der wackelt bedenklich ob des unerwarteten Manövers. Das Gefährt gerät ins Schlingern. Zusätzlich schleift der Mann mit beiden Füßen auf dem Asphalt, sonst wäre er mit Karacho an mir vorbeigeflitzt. Zum Stillstand gekommen zieht er seinen Helm und Spiegelsonnenbrille ab, und nun erkenne ich meinen Bekannten von vor paar Tagen wieder. „Wow. Da hast du aber ein Flitzer gefunden. Aus welcher Mülltonne hast Du denn diesen Rosthaufen geklaut?“, begrüße ich ihn. „Ich habe nur angehalten, um dir zu sagen, was für ein Scheißkerl du bist. Da, wo du gesagt hast, kann man ja nur zu Luxuspreisen etwas mieten. Den da habe ich in der Central Road gekauft. Viel billiger als mieten. Das hättest du mir schon sagen können“, herrscht er mich an. Ich bin ganz perplex. „Ich habe dir nur gesagt, wo man hier was mieten kann. Klar gibt es noch andere Anbieter. Ich wollte dir ja nur helfen“, rechtfertige ich mich. Doch das macht keinen Eindruck auf den Drahteselfahrer. „Ach Quatsch! Auch dein Tipp mit dem Telefon war nix. Durch die ganze Stadt hast du mich gejagt. Einen halben Tag hast du mir versaut damit. Zum Schluss habe ich es nämlich ganz wo anders machen lassen können“, redet er sich in Rage. In mir steigt allmählich Verärgerung hoch. „Und mit dem Internet wollten sie mich auch abzocken. Hast du bei denen vermutlich Prozente, hä?“, setzt er hinzu. „Wie kommst du auf so eine blöde Idee?“, will ich wissen. „Na, die wollten doch wirklich 1.000 Baht Handgeld haben. Aber ohne mich. Diese elenden Abzocker“, tobt er. „He. Das war das Depot für den Decoder. Du, ganz Schlauer. Das bekommst du am Schluss zurück. Aber nun hau ab. Solche, wie dich können wir hier nicht gebrauchen. Frage in Zukunft andere. Nur nicht mich, klar?“ Damit wäre die Sache erledigt, wäre jetzt nicht mein Kloss im Hals ob des unerwarteten Ärgers. Und das, bei einem solch schönen Sonnenuntergang. Sch…

„He. Ich habe gehört, du sprichst Deutsch. Weißt du, wo man hier günstig ein Zimmer bekommt?“, haut mich schon der nächste an. Aber ich helfe ja gerne. Nur, was soll ich ihm jetzt antworten? Ich kann mir ja nur die Finger verbrennen. Was soll’s. „Da hinten steht was angeschrieben…“, zeige ich ihm.

„Can you make a Foto from us?“, steht unvermittelt eine zierliche kleine Chinesin vor mir und deutet auf ihren Begleiter. „Aber natürlich. Ich helfe doch gerne“, nehme ich den dargereichten Fotoapparat entgegen. „Jetzt nur nicht verwackeln. Du musst nun das beste Urlaubsfoto der beiden machen, dass sie ihr ganzes Leben nur noch von dem guten Fotografen reden, den sie da getroffen haben“, schießt es mir durch den Kopf. Wehe, wenn das Foto nix wird, und die kommen irgendwann wieder. Dann bekomme ich gleich wieder auf die Mütze! Und Chinesen will ich nicht zum Feind. Von denen gibt es zu viele.

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Leserkommentare

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Mike Dong 27.08.17 16:12
@Hr.Paierl
Mein Kommentar zu Ihnen wurde zensiert. Warum eigentlich ? Das hatte ich geschrieben: "Danke für Ihre ehrliche Einschätzung. Ich dachte schon, daß ich hier alleine mit meiner Meinung wäre."
LeO-Friedl Paierl 21.08.17 07:03
und wieder mal...
Shakespeare -> viel lärm um nichts. Was soll eigentlich dieses Gelabere von "Hhun Ten"? Kann dieser Pseudoliterat nicht unter seinem richtigen Namen schreiben, damit man vor ihm warnen kann. Nu denne, nicht lesen ist besser als ärgern
Norbert Kurt Leupi 20.08.17 17:09
Und " Les Suisses " ? Herr Wolf yahoo .de
" Lieber " Allah , zünd `mein Haus nicht an , fang`lieber bei andern " Nervensägen " an ?
Wolf yahoo.de 20.08.17 14:53
Da fühle ich mit Dir!
Hi, Khun Ten, das ist wirklich manchmal ein Problem. Kaum als Landsmann erkannt und schon müssen alle geheimen Insider Informationen her. Möglichst die eierlegende Wollmichsau zum Nulltarif. Gott schütze mich vor Sturm und Wind und vor Deutschen / Ösies die im Ausland sind.