Neulich, am Strand: Frauenpower

Neulich, am Strand: Frauenpower

Wie schon oft sitze ich wieder mit meiner Frau auf unserem liebgewonnenen Platz am Strand. Nebst Dutzenden von Händlern, mit all ihrem nützlichen (und anderem) Krimskrams, sind viele Feriengäste da.

Viele Skandinavier, der Sprache nach. Eine Familie mit zwei Kindern hat sich in der ersten Reihe platziert. Papa will eigentlich Bier für sich und seine Frau sowie Cola für die Kinder bestellen. Doch im Trubel mit den Händlern kommt er aber kaum zu Wort. Fußballtrikots, falsche Uhren, Hängematten werden dem Ferienbedürftigen vorgehalten. Doch auch eine Hutverkäuferin hält der gestressten Mutter ihre Kollektion unter die Nase. Mama, mit den verdrehten Badehosen der Kinder beschäftigt, ruft dem Gehilfen des Stuhlvermieters „2 Beer and 2 Coke!“ zu.

Inzwischen beginnt die nackt auf dem Tisch stehende Kleine zu quengeln. Mama versucht freien Blick durch die Hüte zu bekommen, schiebt diese aus ihrem Blickfeld und wimmelt gleichzeitig eine Sonnenbrillenhändlerin ab. Multitasking, Frauenpower! In Situationen wie diese würden ihre männlichen Partner doch immer so dämlich aussehen, wird auf weiblicher Seite durchwegs die Meinung vertreten. Nein, das könnten ihr Männer NICHT! Mit Links die Verkäufer abwimmeln, mit Rechts die Kinder versorgen, gleichzeitig schauen, dass der Mann zu seinem Bier kommt. Ha, das muss man können! Dazu braucht es die richtigen Gene! Die habt ihr Männer einfach nicht. Meine Frau scheint zu wissen, was mir durch den Kopf geht. Sie schaut mich mit aufgezogenen Augenbrauen an. Als wollte sie mir sagen: „Na, siehste. So geht das!“. Ich überspiele meine Verlegenheit mit einem Lächeln, will heißen, „Ja, ja. Ich habe verstanden“. Im 3. Jahrzehnt unserer Ehe funktioniert unsere nonverbale Konversation bestens.

Kurz darauf hat die Kleine ihre Badehose unverdreht angezogen bekommen und ist eingecremt. Also ab zum Wasser zu den anderen Kindern. Die Größere hat sich selber versorgt und wartet bereits. Die Thai-Kinder, die am Wasser plantschen, unterbrechen ihr Spiel und begutachten die Neuankömmlinge kurz. Dann geht ihre Tollerei mit den Hinzugekommenen weiter. Es kehrt Ruhe ein.

Der vor zwei, drei Tagen pedikürte Farang mit seiner Thai sitzt, nicht weit von seinen abgeschnittenen Fußnägeln, an einem anderen Platz. Vermutlich wollte er nicht inmitten seiner eigenen Hinterlassenschaft seinen Ferientag verbringen. Die Thai ist gerade damit beschäftigt, die Haare an, um und in den Ohren des Farang mit einer Pinzette zu zupfen. Sie drängt ihn dabei mit ihrer Oberweite richtiggehend in den Sessel. Da kann der Farang nicht weggucken. Nein. Muss er doch irgendwo hinschauen, der Arme! Er genießt aber trotzdem die Prozedur, ändern kann und will er seine Lage ja sowieso nicht. Immer weiter lässt er sich in seinen Stuhl sinken. Seine Thai rutscht aber unverzüglich nach. Sichtlich vergnügt lässt er sie gewähren, auch wenn sie manchmal zu viel Haare auf einmal wegreißt. Schönheit muss halt leiden. Aber er wird ja mit einem traumhaften Ausblick entschädigt. Nur mit den Händen hat er so seine Probleme. Wohin mit denen? Also nimmt er seine Lady schlussendlich doch in seine Arme - Notgedrungen, wohlverstanden. Ihr scheint es zu passen, kommt doch von ihr keine Gegenwehr. Mit hochroten Ohren hockt er bald da und niemand käme darauf, wie er dazu gekommen ist. Ohne seine Lady wäre da nix gegangen. Oder glauben Sie, dass ein Farang zu Hause in Europa sich die Ohrenhaare wegmachen lässt, oder in die Pedicure geht? Hä? „Immerhin, im Gegensatz zu den pedikürten Füßen, sieht man wenigstens die sauberen Ohren“, denke ich.

Außen hart und innen ganz weich

Die Skandinavier-Männer der ersten Reihe sammeln sich zu einer Gesprächsrunde. Bierflasche in der Hand, Thema Fußball vom Vorabend. Männersache! Die Damen halten auch ihr Kränzchen. Doch da dreht es sich bloß um Mode, Königshäuser, Wer gerade mit wem, usw., also „Weiberkram“, nix für uns, dem starken Geschlecht. Obwohl, dass da ein HSV-Spieler wieder eine Neue hat, ist auch Männerthema, klar (Ist sie blond? Zwischenfrage von mir...).

„Mama, schau was wir haben“, rufen die beiden Mädchen schon von Weitem. Die zwei kommen vom Strand hergelaufen, die ältere der beiden mit einer riesigen Qualle in den Händen. „Nein, nein. Stopp. Schmeiß das Ding weg. Weg damit“, die Mutter verwirft ihre Hände. „Siehst du denn nicht?“, wendet sie sich an ihren Mann. „Statt dauernd über diesen blöden Fußball zu referieren, könntest du dich mehr um die Kinder kümmern“, schaut sie ihren Mann vorwurfsvoll an. Der weiß sich zunächst nicht zu helfen. Betreten schaut er in seine Männerrunde. „Ok“, meint das Mädchen trocken und schmeißt die Qualle in den Sand. „Aber dürfen wir dafür ein Eis haben?“, fragt sie. „Klar. Soviel liegt immer drin, wenn Papa nicht einmal in den Ferien nach seinen Kindern schaut“, meint die Mama und winkt die Eisverkäuferin heran. „Gib mal die Geldbörse her“, kommandiert sie. Wie gewünscht wandert das Portemonnaie zur Dame. Da meint ein Herr aus der Runde: „Genau wie bei mir. Nur mit einem Eis ist es mit meiner Thai meistens nicht getan! Meine Thai befasst sich nur mit großen Geschäften.“ „Ja, ja. Dafür werden wir ja das starke Geschlecht genannt“, meint ein weiterer. „Ich hab schon solche Muskeln vom Geld hinüberreichen“, lacht er.

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Mike Dong 12.06.17 20:16
Gestrandet ?
Die Mini-Strand-Serie scheint am Ende angekommen. Nach starkem Start jetzt leider im Sande verlaufen ...

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